Renault testet Blockchain im Bereich der Teilezertifizierung

XCEED offizielles Logo

Die Groupe Renault hat ein Blockchain-Projekt ins Leben gerufen, um die Zertifizierung der Fahrzeug-Compliance auf ein neues Level zu heben. Das Projekt lautet auf den Namen eXtended Compliance End-to-End Distributed (XCEED) und soll dazu beitragen, Fahrzeugkomponenten vom Design bis hin zur Produktion zu zertifizieren. Dabei soll sich XCEED als Tool für den steigenden Transparenzbedarf in der Automobilbranche etablieren.

XCEED orientiert sich an den veränderten Anforderungen der Automobilindustrie

Kaum eine Branche hat in den vergangenen Jahren mehr gelitten, als die Automobilindustrie. Mit dem Aufkommen des Dieselskandals, ausgelöst von Volkswagen, begann einer reger Abschwung unter den Automobilherstellern. Einerseits mussten zahlreiche Hersteller hohe Strafzahlungen leisten und zeitgleich in die Digitalisierung investieren. Außerdem erhöhen neue Hersteller wie Tesla mit ihren E-Fahrzeugen den Druck und streben einen Mobilitätswandel an. Die COVID-19-Pandemie brachte die bereits in der Krise steckenden Konzerne noch tiefer in die Krise.

Nichtsdestotrotz steht die Branche nicht still und arbeitet an der Einführung und Erprobung neuer Technologien. Unter anderem gibt es immer wieder Pilotprojekte, welche sich mit dem Einsatz der Blockchain-Technologie befassen. Nun hat auch die Groupe Renault, die hinter der erfolgreichen Automobilmarke Renault steht, ein entsprechenden Projekt ins Leben gerufen. Unter dem Codenamen XCEED entstand in Kooperation mit führenden Akteuren der Automobilindustrie ein neues Instrument, welches eine höhere Effizienz und Reaktionsfähigkeit in Zeiten strengerer Vorschriften ermöglichen soll.

Seit dem 1. September 2020 existieren neue Marktüberwachungsvorschriften, welche bessere regulatorische Kontrollen für bereits auf dem Markt befindliche Fahrzeuge eingeführt wurden. Dementsprechend bedarf es nun einer Anpassung der gesamten Produktionskette, um eine schnellstmögliche Überprüfung der behördlichen Anfragen zu gewährleisten.

XCEED ist ein kollaboratives Projekt für die Automobilbranche

Als technische Basis kommt die Hyperledger Fabric Blockchain-Technologie zum Einsatz. Diese wurde in Zusammenarbeit mit IBM implementiert und soll im Rahmen von XCEED dazu beitragen, die regulatorischen Compliance-Anforderungen von Fahrzeugkomponenten und -teilen zu gewährleisten.

Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie ist es möglich, Informationen von mehreren Akteuren zu nutzen und zu verfolgen. Auf diese Weise soll die Wettbewerbsfähigkeit sowie die operative Exzellenz der Automobilbranche gefördert und manifestiert werden. Außerdem trägt XCEED dazu bei, den Informationsaustausch in der Branche zu steigern. So lassen sich die erforderlichen Daten beispielsweise in Echtzeit zur Verfügung stellen. In der direkten Folge kommt es zu einer höheren Effizienz im Netzwerk – bisher hatte dieses einen stark verteilten Charakter.

Mithilfe von XCEED trägt die Blockchain nun dazu bei, ein vertrauenswürdiges Netzwerk für den Austausch von Konformitätsinformationen zwischen Teileherstellern und Automobilproduzenten herzustellen. Aufgrund des dezentralen Charakters, welcher ein immanenter Bestandteil der zugrundliegenden Blockchain ist, können die involvierten Parteien die volle Kontrolle über die eingebrachten Daten behalten. Eine Beeinträchtigung der eigenen Integrität wird auf diese Weise vermieden. Außerdem steigen auf diese Weise auch die Sicherheit und Vertraulichkeit, mit denen Daten geteilt werden.

Automobilbranche kooperiert zunehmend im Bereich der Blockchain-Technologie

Bisher waren Kooperationen zwischen Automobilherstellern und deren Lieferanten eher eine Ausnahme. Insbesondere das Wettbewerbsrecht trug dazu bei, dass das Teilen von Daten eher die Ausnahme, denn die Regel war. Doch die Sicherheits- und Vertraulichkeitsmerkmale der Blockchain-Technologie sorgen nun dafür, dass sich Hersteller immer wieder für bahnbrechende Initiativen zusammenschließen.

Gut zu sehen ist dieser Trend am Beispiel von XCEED. Das Projekt wurde im Jahr 2019 ins Leben gerufen und ist das Ergebnis der Zusammenarbeit unterschiedlichster Unternehmen. So haben beispielsweise Continental, Plastic Omnium, Saint-Gobain und Faurecia am Projekt mitgewirkt. Insbesondere die Faktoren kollektive Intelligenz sowie anpassungsfähige und agile Methoden, welche zu einem unternehmensübergreifenden Datenaustausch beitragen, zeichnen das Projekt aus.

„Das von uns initiierte XCEED-Projekt ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Innovationsfähigkeit der Groupe Renault. Wir sind überzeugt, dass die Blockchain ein Vektor für die Umgestaltung der Automobilindustrie ist. Die Blockchain-Technologie kommt in einem riesigen Ökosystem, an dem verschiedene Unternehmen beteiligt sind und das eine Verbindung zwischen den verschiedenen Prozessen, Computersystemen und Datenbanken der Partner herstellt, voll zur Geltung. In der Automobilindustrie, in der wir uns mit zahllosen externen Akteuren wie Lieferanten, Kunden und unabhängigen Händlern austauschen, gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten für diese Art von Technologie.“ – Odile Panciatici, Vizepräsidentin für Blockchain bei Groupe Renault

Validiert wurden die Ergebnisse von XCEED im Renault-Werk in Douai. Hier konnte die Blockchain-Technologie zeigen, welchen enormen Mehrwert diese für die gesamte Branche bietet. Insgesamt wurden mehr als eine Million Dokumente archiviert – im Test erreichte die Lösung eine hohe Geschwindigkeit von mehr als 500 Transaktionen pro Sekunde.

Fazit: Blockchain hilft der Automobilbranche beim Wandel

Dass die Automobilbranche sich in einem beispiellosen Wandel befindet, zeigt beispielsweise der Erfolg des E-Auto-Pioniers Tesla. Doch neben den neuartigen Antriebssträngen sorgen auch regulatorische Anforderungen für Veränderungen. Dementsprechend sind Hersteller und Lieferanten gut damit beraten, gemeinsame Pilotprojekte ins Leben zu rufen, um neue Technologien auf experimentelle Art und Weise zu etablieren.

Ein gutes Beispiel für den Erfolg dieser Maßnahmen ist beispielsweise XCEED. Das Projekt basiert auf der Blockchain-Technologie und unterstützt die Herstellern und Lieferanten bei der Zertifizierung von Komponenten und Teilen. Insbesondere im Zuge einer schnelleren Sicherstellung der Teilekonformität ist das Projekt ein Erfolg.

Ich persönlich erwarte, dass es in Zukunft noch mehr bahnbrechende, blockchainbasierte Projekte gibt, die dazu beitragen, dass die Automobilbranche die aktuellen Herausforderungen bewältigen kann.

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