BRICS-Staaten evaluieren Potenzial von Digitalwährungen

BRICS evaluieren Potenzial einer Digitalwährung

Im Rahmen eines Treffens hat der BRICS-Verband die Möglichkeit einer Digitalwährung zur Optimierung des internationalen Handels erörtert. Mithilfe einer digitalen Währung können die Staaten die Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren und den Handel untereinander erleichtern. Im Zentrum des Treffens stand die bessere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der fünf wichtigsten Schwellenländer.

BRICS-Staaten führen Gespräche über eigene Digitalwährung

Ein Bericht der russischen Nachrichtenquelle RBC verdeutlicht, dass sich die BRICS-Staaten im Rahmen eines Treffens in Brasilien über die Möglichkeiten einer eigenen Digitalwährung unterhalten haben. Bei den BRICS handelt es sich um die fünf wichtigsten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. BRICS existiert seit 2006 und soll die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten fördern.

Laut den Angaben des vorliegenden Berichts hat sich der Wirtschaftsrat der Staaten über die Entwicklung eines neuen Zahlungssystems unterhalten. Dieses können von den fünf Mitgliedsstaaten eingeführt werden, um die Abhängigkeit vom US-Dollar im internationalen Finanzverkehr zu reduzieren.

Wie Kirill Dmitriev, Generaldirekt des russischen Direktinvestitionsfonds (RDIF), Reportern nach dem Treffen bestätigte, habe sich das Forum über die Entwicklung einer einzigartigen Kryptowährung unterhalten. Obwohl die Pläne zur Entwicklung einer solchen Währung noch nicht finalisiert sind, steht bereits fest, dass die Entwicklung in der Verantwortung des RDIF liegen soll. In den weiteren Gesprächen wollen die Staaten nun klären, ob sie eine solche Währung entwickeln.

Neue Digitalwährung womöglich nicht für Finanzgeschäfte ausgelegt

Auch Nikika Kulikov, Mitglied des Sachverständigenrates der Staatsduma und Gründer von PravoRobotov, erklärte gegenüber RBC, dass die avisierte Digitalwährung womöglich nicht als digitale Geldform fungieren soll.

„Höchstwahrscheinlich wird es sich um bestimmte Verpflichtungen handeln, die von einer Rechtsperson auf eine andere übertragen werden kann, um zu bestätigen, dass der Empfänger Anspruchsrechte hat und der Auftragnehmer Verpflichtungen für einen bestimmten Betrag hat. Es wird kein Geld sein. Wir können sagen, dass es ein papierloser Dokumentenfluss sein wird, um Transaktionen zu erleichtern.“ – Nikika Kulikov, Mitglied des Sachverständigenrates der Staatsduma

Dementsprechend wäre ein solches Projekt mit einer Handelsfinanzierungsplattform wie Marco Polo zu vergleichen – diese kooperierte kürzlich mit einem russischen Unternehmen. Dabei gilt der Anwendungsfall der Handelsfinanzierung als vielversprechend, um das Potenzial der Distributed-Ledger-Technologien zu nutzen. Bereits andere Unternehmen wie We.Trade, TradeWindow oder Voltron setzen sich mit ähnlichen Anwendungsfällen auseinander.

Optimierung des Handels bietet den BRICS Effizienzvorteile

Grundsätzlich können solche Plattformen den manuellen Aufwand reduzieren und den Teilnehmern einen Überblick über den Status und die Vereinbarung eines Handels bieten. Der Einsatz von Smart Contracts ermöglicht zudem eine automatisierte Abwicklung. Folglich ließen sich Handelsverpflichtungen automatisch erfüllen, sobald eine bestimme Bedingung, etwa eine Lieferung, erfüllt ist.

Außerdem könnte das neue Handelssystem, welches auf den nationalen Währungen der Staaten basiert, die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Zeitgleich ließe sich die Rolle des russischen Rubels im Handel stärken.

Wie Dmitriev verdeutlicht, haben die BRICS im Laufe der vergangenen fünf Jahre den Anteil der Abrechnungen auf US-Dollar-Basis von 92 auf 50 Prozent reduziert. Im Gegenzug stieg der Anteil der Rubel-basierten Transaktionen von drei auf 14 Prozent an.

Grundsätzlich könnten vergleichbare Projekte, welche die Rolle des US-Dollars als leitende Währung im internationalen Handel adressieren, in Zukunft an Relevanz gewinnen. Eines der prägendsten Beispiele ist die bevorstehende Einführung des digitalen Yuan sowie der Plan der EU einen digitalen Euro zu entwickeln. Auch das von Facebook entwickelte Projekt Libra hat die US-Behörden in diesem Jahr in Atem gehalten. Außerdem könnte die Einführung des Systems den rund 2 Milliarden Nutzern des Konzerns ein alternatives Zahlungsmittel zur Verfügung stellen.

Fazit: Auch BRICS  setzen sich mit dem Potenzial von Digitalwährungen auseinander

Der Bericht der RBC verdeutlicht, dass der Wirtschaftsrat der BRICS sich mit dem Potenzial von Digitalwährungen beschäftigt. Nichtsdestotrotz soll eine mögliche Währung nicht als Zahlungsmittel fungieren, sondern eine effizientere Handelsfinanzierung ermöglichen. Dieser Ansatz gilt unter Blockchain-Experten als besonders aussichtsreich.

Außerdem könnte eine solche Währung die Abhängigkeit vom US-Dollar als internationale Leitwährung reduzieren. Kurz- bis mittelfristig steht auch die Einführung des digitalen Yuan aus, welcher die führende Position des US-Dollars ebenfalls angreift. Auch die EU diskutiert über die Möglichkeit einer digitalen Version des Euros.

Aus meiner Sicht wird es mittel- bis langfristig zur Entwicklung einer eigenen Digitalwährung durch die BRICS-Staaten kommen. Insbesondere die zunehmende wirtschaftliche Relevanz dieser Staaten bedingt diese Entwicklung. Zudem gilt China als eines der führenden Länder im Bereich der Distributed-Ledger-Technologien und könnte diese Entwicklung unterstützen. Nichtsdestotrotz ist diese Währung nicht für den Zahlungsverkehr, sondern für die Handelsfinanzierung gedacht. Dementsprechend können die Staaten ihren Handel optimieren und durch die Automatisierung auch für mehr Effizienz sorgen.

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