Boston Consulting Blockchain Studie | Realitätscheck zum Rohstoffhandel

Die Blockchain Technologie gilt als eine technische Entwicklung, die das Potenzial besitzt Transaktionen zu dezentralisieren und die Komplexität zu reduzieren. Insbesondere die Möglichkeit zur transparenten Speicherung und Verfolgung komplizierter Transaktion sowie die Aussicht, dass Betrugsfälle vermieden werden können, prädestiniert die Technologie für den Rohstoffhandel. Zu welchem Schluss kommt die neue Studie der Boston Consulting Group (BCG)?

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Ein genauer Blick auf die Attraktivität der Blockchain

Die Blockchain besitzt durchaus disruptives Potenzial. Allerdings stellt die Blockchain auch einen Großteil der Marktteilnehmer vor große Herausforderungen, denn vor allem Unternehmen. Dabei stehen vor allem Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Marktineffizienzen basiert, vor einer disruptiven Herausforderung. Zudem stellt der Wechsel auf eine Blockchain-Plattform ein kostspieliges und disruptives Unterfangen dar. Die Herausforderungen der Blockchain-Etablierung hat die Boston Consulting Group (BCG) im Rahmen einer jüngst veröffentlichten Studie untersucht.

Die Herausforderungen der Blockchain-Technologie im Rohstoffhandel

Der Rohstoffhandel benötigt grundlegend eine Standardisierung, um die Effizienz des Marktes zu steigern. Ob die Blockchain diese Standardisierung ermöglichen kann, muss sich jedoch zeigen, denn vor allem die etablierten Unternehmen müssen die Technologie adaptieren, bevor ein vollständiger Markteintritt ermöglicht werden kann. Die BCG-Studie hebt sowohl Optimierungspotenziale, als auch mögliche Rückschritte der Technologie hervor.

Preisbildung und Arbitrage

Basierend auf der BCG-Studie muss eine Blockchain-basierte Marktlösung eine Speicherung sämtlicher Transaktionen über ein verteiltes Register ermöglichen. Somit hätten alle Marktteilnehmer die Möglichkeit Preise zu vergleichen und Diskrepanzen zu analysieren. Die daraus resultierende Transparenz würde faireren Preisen führen. Zeitgleich würden Händler benachteiligt werden, deren Geschäftsmodell auf Preisunterschieden basiert. Zudem müssten Preisforschungsagenturen neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Risiken

Die Studie thematisiert auch mögliche Risiken des Rohstoffhandels. Diese werden im Rahmen von nicht verifizierten Transaktionen sowie bei ausbleibenden Warenlieferungen ersichtlich. Der Einsatz der Blockchain würde die Risiken im Zuge der Transaktion grundlegend eliminieren. Der Nachteil für viele Marktteilnehmer ist die unmittelbare Abwicklung der Transaktion, denn damit müssten sämtliche Waren unverzüglich übergeben werden. Allerdings würde das physische Risiko der Manipulation reduziert werden und die Marktteilnehmer erhalten die Möglichkeit zur Nachverfolgung aller Transaktionen.

Regulatorische Aufsicht

Die Blockchain könnte auch einen signifikanten Einfluss auf die Marktregulierung ausüben. Zum aktuellen Zeitpunkt müssen Marktteilnehmer Compliance-Grundsätze sicherstellen. Der Einsatz einer Blockchain würden regulierende Institutionen einen Zugriff auf den Distributed Ledger erhalten. Somit können Transaktionen in Echtzeit kontrolliert werden und deren Effizienz gesteigert werden. Die Studie der BCG sieht in der Sicherung der Konsistenz über verschiedene Märkte hinweg eine Herausforderung.

Neue Finanzierungsmechanismen

Mit den Initial Coin Offerings ergeben sich neue Möglichkeiten zur Finanzierung von Firmen. Dabei transformieren Unternehmen Anteile in virtuelle Währungen, welche anschließend an die Investoren ausgegeben werden.

Die Finanzierung per ICO wird vor allem von Firmen in sanktionierten Ländern genutzt. Aus diesem Grund geraten ICOs zunehmend in den Fokus von Regulatoren. Zudem kamen ICOs bisher nicht im Rahmen großer Finanzierungen zum Einsatz, sodass das Konzept noch nicht markttauglich ist.

IT-Investitionen und neue Prozesse

Die aktuellen Praktiken des Rohstoffhandels wurden über Jahrzehnte entwickelt. Allerdings unterliegen diese massiven Veränderungen und viele Unternehmen haben umfangreiche Investitionen in IT-Systeme veranlasst, um den neuen regulatorischen Anforderungen zu entsprechen. Der Einsatz der Blockchain würde den Markt transparenter gestalten und die regulatorischen Anforderungen entsprechen. Allerdings hebt die BCG-Studie hervor, dass die Etablierung einer Blockchain auch zu enormen Kosten bei den entsprechenden Marktteilnehmern führen würde. Des Weiteren müssten alle Marktteilnehmer zeitgleich an der Entwicklung teilnehmen, um von den vollen Vorteilen zu profitieren.

Die Zukunft der Blockchain

Im Rahmen der Blockchain-Studie hebt die Boston Consulting Group hervor, dass es bis zur massenhaften Nutzung der Blockchain noch einer weiteren Standardisierung bedarf. Einerseits müssen die Transaktionsgeschwindigkeiten erhöht und die Belohnungen für die Marktteilnehmer optimiert werden. Insbesondere Industriekonzerne müssen die Technologie adaptieren, bevor es zum finalen Durchbruch kommt.

Vor allem das disruptive Potenzial der Blockchain-Technologie trägt dazu bei, dass Industriekonzerne an der Entwicklung der Technologie arbeiten müssen. Dabei müssen die Konzerne jedoch auch andere Technologien mit vergleichbaren Mehrwerten bei der Entwicklung berücksichtigen. Zudem müssen Unternehmen die aus der Studie hervorgehenden Risiken berücksichtigen und Investitionen in die Weiterentwicklung der Blockchain veranlassen. Die Komplexität der Technologie trägt auch dazu bei, dass ein Großteil der Unternehmen einen Fokus auf die Entwicklung neuer Plattformen legen.

Im Endeffekt zeigt die Studie, dass die Blockchain nicht die korrekte Wahl für jeden Marktteilnehmer ist. Allerdings könnte die Technologie eine industrieweite Diskussion lostreten und zur Standardisierung der Marktprozesse beitragen. Insgesamt kann die Entwicklung den Handel am Rohstoffmarkt nachhaltig verändern und fairere Konditionen schaffen.