War der UNI Token Airdrop der Start eines Machtkampfes?

SushiSwap vs. Uniswap

Das UNI Token sorgte für einen Aufschrei. Binnen weniger Stunden haben mehr als 13.000 Nutzer ihre UNI Token beansprucht. Damit hat die DEX überraschend auf den Vampire-Mining-Angriff von SushiSwap reagiert. Immerhin verlor die Plattform nahezu eine Milliarde an Einlagen im Zuge dieses Angriffs. Warum dies nun den Start eines regelrechten Machtkampfes auslösen kann, wollen wir uns im Folgenden etwas genauer anschauen.

SushiSwaps Vampire-Mining-Angriff

Bisher haben die DeFi-Plattformen von der steigenden Nachfrage nach entsprechenden Lösungen profitiert. Dementsprechend konnten alle Plattformen ein phänomenales Wachstum verzeichnen. Dabei galt jedoch Uniswap als einer der großen Profiteure unter den DEXs. Mit der Abspaltung von SushiSwap entstand jedoch nicht nur eine neue DEX mit einem spielerischen Namen, sondern auch eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Im Rahmen eine Vampire-Mining-Attacke konnte SushiSwap rund eine Milliarde US-Dollar der Uniswap-Einlagen ergattern. Angeführt wurde der Angriff insbesondere durch Sam Bankman-Fried, dem CEO von FTX. Dieser übernahm die Leitung der Plattform von Chef Nomi und übergab die Kontrolle an die Gemeinde sowie den Mitbegründer Chef Maki.

Doch die Antwort von Uniswap sollte nicht sonderlich lange auf sich warten lassen. Mit dem Airdrop von UNI, einem weiteren DeFi-Token, haben die Anleger ihr Interesse an Uniswap wiederentdeckt. Alle Nutzer erhielten mindestens 400 UNI in Form eines Airdrops ­– in einige Fällen belief sich dieser Betrag auf mehrere hunderttausend UNI. Kurz nach der Einführung äußerte sich auch Bankman-Fried zum Airdrop.

„Es war ein großartiger Start und Uniswap ist eines der Gründungsprojekte der Decentralized Finance. Ich denke, die Bewertung ist im Vergleich zu anderen DeFi-Projekten angemessen, wenn auch etwas höher, als ich es bei CeFi-Token erwarte. Es wird auch noch mehr Nachschub kommen.“ – Sam Bankman-Fried, CEO von FTX

Natürlich war die reine Veröffentlichung nicht nur der erste Coup, denn taggleich listeten zahlreiche Handelsplätze das Token. Nach nicht einmal 90 Minuten konnten Anleger UNI bereits bei Binance handeln – das Handelsvolumen stieg anschließend auf 1,9 Milliarden US-Dollar.

Allerdings war dieser Schachzug von Binance nicht der schlauste, denn bereits bei der Einführung von SUSHI musste sich die Plattform der Nutzerkritik stellen. Grund hierfür war die öffentliche Einschätzung, dass es sich beim SUHI-Token zwar um ein riskantes aber lukratives Token handle. Aufgrund der Token-Emission ist Uniswap inzwischen wieder die größte DeFi-Plattform mit einem Gesamtwert von 1,9 Milliarden US-Dollar.

Darum ist UNI keine Reaktion auf SUSHI

Sind wir ehrlich, dann dachten wohl die meisten Anleger, dass UNI eine direkte Antwort auf SUSHI ist. Immerhin erschien das Token unmittelbar, nachdem SushiSwap einen Großteil von Uniswaps Anlagesumme übernommen hat. Außerdem haben einige Nutzer auch angenommen, dass die Betreiber lediglich vom Hype um das Liquidity Mining profitieren wollen. Geht es nach Stuart Popejoy, Mitgründer von Kadena, dann sei es geradezu offensichtlich, dass UNI eine Reaktion auf SushiSwap und den Hype um das Liquidity Mining ist. Auch Uniswap hat bereits zu verstehen gegeben, dass das Token keinen wirklichen Nutzen hat. Lediglich die AAMs erhalten UNI, sodass das Token einen inflationären Charakter besitzt.

UniSwap Logo
UniSwap ist die DEX für Token Swaps @uniswap.org

Kurz nach Handelsbeginn notierte das Token immerhin bei 8,60 US-Dollar, um anschließend zu korrigieren. Aktuell notiert das Token bei einem Wert rund um 4 US-Dollar. Dementsprechend deutet auch diese Entwicklung darauf hin, dass das Token als Verteilungs- und Lockmittel für Liquidity Miner fungierte. Laut Popejoy ist es auch merkwürdig, dass ein Projekt wie Uniswap, welches ohne Governance, Anreizprogramme oder Airdrops funktionierte, einen solchen Schritt unternimmt.

Betrachtet man das Token jedoch als Maßnahme, um den Fokus auf die eigene Plattform zu lenken, dann war dieser Schritt sehr wirklich. Im Allgemeinen gilt Uniswap auch als grundlegendes DeFi-Projekt und SushiSwap als risikoreiches Projekt. Grund für das wahrgenommene Risiko ist beispielsweise die öffentliche Distanzierung des Gründers, der kurze Zeit nach der Uniswap-Migration ausstieg.

Nun sorgte das UNI-Token jedenfalls dafür, dass auch Anleger, welche bisher keinen Bezug zu DeFi hatten, zumindest von Uniswap und dem UNI Token gehört haben dürften. Insgesamt dürfte der Airdrop eine hohe Aufmerksamkeit in der Community erzielt haben.

Kann SushiSwap jetzt noch reagieren?

Der UNI Airdrop hat SushiSwap ohne Frage getroffen. Allerdings sollte man die Plattform jetzt nicht sofort abschreiben. Immerhin sorgt ein Total Value Locked (TVL) von 447 Millionen US-Dollar für eine Platzierung unter den Top10 der DeFi-Plattformen.

Auch Chef Maki sucht zum aktuellen Zeitpunkt nach Wegen, um Investoren für das Token und die Plattform zu gewinnen. Eine Möglichkeit, die beispielsweise Bankman-Fried hervorhebt, sind neue Funktionen, die einen Mehrwert bieten und die Nutzer an die Plattform binden. So könnte beispielsweise das Margin Trading eine gute Möglichkeit sein, um neue Nutzer zu gewinnen.

Sushiswap treibt Gas-Gebühren
Sushiswap lockt Uniswap-Kunden und treibt Gas-Gebühren @Sushiswap.org

Allerdings dürfe sich die Plattform nicht auf eine Fixierung des Kapitals konzentrieren. So merkte beispielsweise Koleoshkin an, dass es stets möglich sei, neue Liquidität anzulocken. Allerdings ist der Ertrag des Liquiditätsanbieters abhängig vom Handelsvolumen auf der Plattform – dieses ist bei SushiSwap geringer als bei Uniswap. Dementsprechend ist es in diesem Fall auch nur eine Frage der Zeit, bis die Liquidität wieder bei UniSwap landet. Aus diesem Grund sollte sich Sushi auf die Generierung von Liquidität für Token konzentrieren, welche zeitnah erscheinen. Auf diese Weise sei es beispielsweise möglich, mehr Volumen auf das eigene Protokoll zu bringen.

Stehen die Nutzer nun vor einem Machtkampf der DeFi-Plattformen?

Zum aktuellen Zeitpunkt zeichnet sich der Markt durch eine hohe Liquidität aus. Allerdings zeigt das Beispiel von SushiSwap und Uniswap, dass die Plattformen bereits heute untereinander um die Liquidität kämpfen. Dabei erregte vor allen Dingen der öffentliche Angriff von SushiSwap auf die Liquidität seines direkten Konkurrenten für Aufmerksamkeit. Allerdings zeigte sich auch, dass die generierte Aufmerksamkeit keinesfalls nachhaltiger Natur war.

Dieses Beispiel zeigt allerdings auch, dass aufseiten der Anleger ein Interesse nach attraktiven, wenn auch kurzfristig rentablen Anlagemöglichkeiten besteht. Folglich ist es nicht unwahrscheinlich, dass es in Zukunft noch mehr Token-Einführungen sowie andere Kampagnen gibt, welche Nutzer für kurzfristige Gewinne anziehen. Ob dieses Modell allerdings nachhaltigen Erfolg feiern kann, werden wir im Laufe der kommenden Wochen und Monate erfahren. Aus unserer Sicht sind Token mit fairen Verteilungsmechanismen eher eine gute Grundlage für langfristigen Erfolg.

Nichtsdestotrotz sind Rivalitäten zwischen den Plattformen positiv zu betrachten, denn Wettbewerb war schon immer ein Innovationstreiber in der Wirtschaft. Geht es nach Popejoy, dann ist es unter Umständen möglich, dass sich Governance-Token als eine neue Verison der ICO-Blase von 2017 etablieren.

„Fast alle dieser Vorbereitungen zur Liquiditätsgewinnung und zu Governance-Token sind inflationär und kurzfristig. Das erscheint mir merkwürdig, da sie fast absichtlich darauf ausgelegt zu sein scheinen, langfristig an Wert zu verlieren. Meine Hoffnung ist, dass dies nicht der Fall ist und dass Governance-Marken das DeFi insgesamt nicht trüben, wenn die Blase platzt.“

Insgesamt sollten Investoren und Nutzer den Wettbewerb zwischen den Plattformen begrüßen. Immerhin erhöht dieser die Sichtbarkeit der Plattformen und lockt somit neue Anleger an. Außerdem können DeFi-Plattformen ein Katalysator für die weitreichende Akzeptanz von Kryptowährungen sein. Insbesondere die Einführungsphasen sind attraktiv, da Anleger hier hohe Renditen erzielen können.

Fazit: Höherer Wettbewerb bei DeFi-Plattformen ist ein positives Signal

Der Angriff von SushiSwap auf Uniswap hat für einen Aufschrei in der Krypto-Branche gesorgt. Allerdings sollte der Erfolg nicht von langer Dauer sein. Nichtsdestotrotz konnten Anleger und Marktbeobachten schnell erkennen, welche Auswirkungen gezielte Werbeaktionen haben können.

Inzwischen hat die Einführung des UNI Token wieder die Normalität gefördert. Allerdings zeigt sich auch, dass eine neue Plattform durchaus auf das Interesse der Investoren stoßen kann. Dies ist auch ein guter Anreiz, um den Wettbewerb der DeFi-Plattformen zu steigern. Langfristig dürfte ein steigender Wettbewerb und der Kampf um die Liquidität zu einer höheren Akzeptanz der Plattformen sorgen.

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