Hat Yield Farming eine Zukunft? – Neue Studie gibt Aufschluss

CoinGecko Yield Farming Survey 2020

Der Total Value Locked in DeFi ist seit Juni 2020 von knapp 1 Milliarde US-Dollar auf inzwischen über 10 Milliarden US-Dollar angewachsen. Yield Farming hat maßgeblich zu diesem DeFi Boom beigetragen.

DeFi Pulse

Quelle: DeFi Pulse, 22.09.2020

Was ist Yield Farming

Der Begriff Yield Farming bezeichnet das flexible Ausschöpfen verschiedener Ertragsquellen, welches durch die Nutzung von bestimmten DeFi-Protokollen ermöglicht wird. Die Nutzung erfolgt in der Regel durch Bereitstellung von Liquidität bei Lending-Plattformen oder dezentralen Tauschbörsen. Die Ernteerträge sind quasi Belohnungen für die Nutzung der DeFi DApps und werden in Form von Governance Token ausgeschüttet. Diese Governance Token berechtigen zur Teilnahme an Abstimmungen über das Protokoll und bieten zudem die Chance einer enormen Wertsteigerung.

Den Anfang machte im Juni 2020 Compound Finance mit der Ausschüttung von COMP. Eine neue Agrarrevolution war geboren. Es folgten andere DeFi-Protokolle wie Curve Finance mit CRV, Balancer Finance mit BAL, Sushiswap mit SUSHI und Uniswap mit UNI, um nur einige zu nennen.

Je nach Einsatz und Strategie können Renditen von mehr als 1.000 % p. a. erzielt werden. Inzwischen haben Coinmarketcap und Coingecko eigene Yield Farming Sektionen im Angebot, die alle relevanten Token, die erzielbaren Renditen und die aktuelle Gesamtmarktkapitalisierung ausweisen.

CoinGecko

Quelle: CoinGecko, 22.09.2020

Yield Farming Survey 2020 von CoinGecko

Ist Yield Farming nur ein temporärer Hype mit unterschätzten Risiken?

CoinGecko startete am 25. August 2020 eine weltweite Befragung, um dem Phänomen tiefer auf den Grund zu gehen.

An der weltweiten Befragung nahmen 1347 Personen teil. Die Studie hat das Ziel, mehr Erkenntnisse zu  folgenden Fragen zu gewinnen:

  • Ist der aktuelle Yield Farming Rausch nachhaltig?
  • Sind den Nutzern die Chancen und Risiken beim ausreichend bewusst?
  • Welche Schwachstellen bereiten den Anlegern das größte Kopfzerbrechen?

Yield Farming Survey

Quelle: CoinGecko

Das Ergebnis der Studie liefert sehr interessante und teilweise überraschende Einsichten. Die Auswertung ist in 4 zentrale Erkenntnisse unterteilt, die nachfolgend näher erläutert werden.

Yield Farming ist aktuell noch ein Nischenmarkt

Yield Farming ist ein globales Phänomen. 31 % der Nutzer befinden sich in Europa, gefolgt von Asien mit 28 %, Nordamerika mit 18 %, Afrika mit 10 %, Südamerika mit 7 % und Ozeanien mit 4 %.

Yield Farming SurveyQuelle: CoinGecko

23 % der Befragten haben in den letzten 60 Tagen am Yield Farming teilgenommen. Dies zeigt, dass dieser Markt immer noch eine Nische darstellt, aber einen wachsenden Trend verzeichnet.

Zwar haben 81 % der Befragten schon mal von Yield Farming oder Liquidity Mining gehört, doch nur knapp ein Drittel davon nimmt aktiv daran teil.

Dabei ist es keine Überraschung, dass Männer zwischen 30 und 59 Jahren die Nutzung dominieren. Allgemein ist bekannt, dass der Kryptowährungsmarkt hauptsächlich von Männern bedient wird.

Yield Farming Survey

Quelle: CoinGecko

Angesichts der Tatsache, dass Yield Farming erst vor ungefähr drei Monaten begann, ist die Zahl der Anleger bemerkenswert. Doch es bleibt vorerst ein Nischenmarkt für sehr erfahrene Nutzer.

Yield Farming Token machen weniger als 10 % des Investmentportfolios aus

Eine Befragung zur Diversifizierung des Portfolios von Yield Farmern hat ergeben, dass sie einen erheblichen Anteil an Ethereum (ETH) (83 %) und Bitcoin (BTC) (74 %) in ihrem Portfolio haben. Der Rest besteht aus weiteren namhaften Top 20 Kryptowährungen und einer Mischung aus verschiedenen DeFi Token.

Yield Farming Survey

Quelle: CoinGecko

Bemerkenswert ist, dass Yield Farming Token stets weniger als 10 % des gesamten Investmentportfolios ausmachen.

Dieser geringe Anteil der Token im Gesamtportfolio könnte darauf hindeuten, dass die Yield Farming Token derzeit in den Smart Contracts der jeweiligen DeFi-Protokolle gesperrt sind. Andererseits gibt es klare Verhaltensindizien, die darauf hinweisen, dass die Token nicht langfristig gehalten werden.

Yield Farming Survey

Quelle: CoinGecko

Hälfte der Nutzer investiert weniger als 1.000 US-Dollar – Sorge um hohe Gebühren steigt

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass mit 52 % etwas mehr als die Hälfte der Nutzer Vermögen von weniger als 1.000 US-Dollar in Yield Farming Pools investiert hat. Eine klare Mehrheit setzt dabei keine Hebelwirkung ein.

Yield Farming Survey

Quelle: CoinGecko

Die Nutzer gaben an, dass ihre Kapitalrendite (ROI) bis zu 500 % betrug. Das Ergebnis ist keine Überraschung, da aktuell viele der neuen Protokolle eine extrem hohe jährliche Rendite von teilweise über 1.000 % bieten.

Die Mehrheit ist bereit, Gas Fees von über 10 US-Dollar zu bezahlen. Dies lässt den Schluss zu, dass die Nutzer über ausreichend hohe Mittel verfügen. Doch die hohen Gebühren hindern Kleinanleger daran, hohe Renditen zu erzielen.

Yield Farming SurveyQuelle: CoinGecko

Großteil der Nutzer ist nicht in der Lage Smart Contracts zu lesen

Das wohl interessanteste Ergebnis der Studie ist, dass ein großer Teil der Nutzer keine Smart Contracts lesen kann (40 %) und auch nicht weiß, was ein Impermanent Loss (unbeständiger Verlust) ist (33 %).

Ein Impermanent Loss beziffert einen potenziellen Wertverlust beim Einsetzen eines Token in einem Automated Money Market im Vergleich zur einfachen Aufbewahrung in einem Wallet.

YieldFarming Survey

Quelle: CoinGecko

Das bedeutet, dass die Nutzer ihren tatsächlichen ROI nicht kennen und hohe Risiken eingehen, um maximale Renditen zu erzielen. Dies erklärt, warum 49 % der Nutzer generell vorsichtig ist, in Smart Contracts zu investieren, die nicht ausreichend auditiert wurden.

Dabei ist es äußerst ratsam, eine ausreichende Risikoanalyse zu betreiben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein geprüfter Smart Contract keine Garantie für ein sorgenloses Investment ist. Extrem hohe Renditen implizieren meist höheres Risiko wie Schwachstellen in der Programmierung oder Betrug.

Yield Farming SurveyQuelle: CoinGecko

Fazit: Nicht alle Yield Farming Projekte sind nachhaltig – doch der Markt ist gereift

CoinGecko kommt zu dem Schluss, dass die sehr hohen Erträge beim Yield Farming nicht nachhaltig sind, aber der Markt gereift ist und auch in Zukunft bestehen bleibt.

Die Risiken bei den Hochertragspools sind signifikant und erfordern Maßnahmen zur Absicherung. Nutzer sind angehalten das Lesen und Verstehen von Smart Contracts zu lernen.

Auch DeFi-Versicherungen können das Risiko von Verlusten deutlich reduzieren.

Die hohen Gebühren sind und bleiben ein Hindernis für Kleinanleger in Yield Farming zu investieren. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, muss jeder Anleger genau nachrechnen, ob am Ende ein Plus übrig bleibt.

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