Substrate – Entwicklungsumgebung für dezentrale Anwendungen

Das Unternehmen Parity Technologies hat mit Substrate ein neues Werkzeug veröffentlicht, welches Nutzern den Zugang zu eigenen Blockchain-basierten dezentralen Anwendungen ermöglichen soll. Dabei fungiert das Tool einerseits als Bibliothek mit kombinierten Technologien zur Erstellung einer eigenen Blockchain und andererseits als eigener Client, der auch zur anschließenden Synchronisation der erstellten Blockchains dient. Entwickelt wurde Substrate von Gavin Wood, der als Mitgründer von Ethereum weltweite Bekanntheit erlangte.

Substrate von Parity Technologies
Substrate von Parity Technologies @parity.io/

Wie funktioniert Substrate?

Das Besondere an dem Werkzeug ist die Verbindung aus dem Light-Client, der Anwendungsbibliothek und dem progressiven Algorithmus. Substrate erlaubt Nutzern den Zugriff auf vorgefertigte Blockchain-Lösungen. Dadurch muss nicht bei jedem neuen Projekt ein komplett neues System aufgesetzt werden, sondern sämtliche Grundlagen sind bereits in dem Tool enthalten und stehen den Nutzern zur Verfügung. Insbesondere die Entwicklungszeit von Kryptographen, Sicherheitssystemen und Netzwerktechniken kann durch den Einsatz von Substrate eingespart werden, da das System bereits entsprechende Lösungen bietet.

Eine mit Hilfe des Tools erstellte Blockchain kann als „lebender Organismus“ angesehen werden. Das liegt an der dynamischen Laufzeit und der zu jedem Zeitpunkt möglichen Abschaltung des Staking-Algorithmus, des Transaktionsnetzwerkes oder einzelner Protokollmechanismen. Das gibt Entwicklern alle Freiheiten und ermöglicht eine bislang einzigartige Entwicklungsumgebung im Bereich der Distributed Ledger Technologien und der dezentralen Anwendungen.

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Mehr als eine neue Blockchain

Das System eignet sich jedoch nicht nur für Blockchain-Anwendungen, sondern kann für jedes erdenkliche digitale Vorhaben eingesetzt werden. Substrate bietet somit auch im Bereich der fortschreitenden Digitalisierung einen erheblichen Mehrwert. Das System wurde in der von Mozilla Research entwickelten Programmiersprache Rust geschrieben und steht unter der Open Source Lizenz. Dabei steht dem Anwender frei, welche Funktionen des Systems verwendet werden sollen. Daher kann jeder Interessierte ohne finanziellen Aufwand das Werkzeug nutzen. Die Hauptbestandteile sind WebAssembly (browserseitige Ergänzung zu JavaScript), libp2p (modulare Peer-to-Peer Netzwerkschnittstelle) und der Konsensalgorithmus.

Zielgruppe: Entwickler und Tüftler

Substrate richtet sich nach Aussage des Gründers Gavin Wood an Entwickler und Tüftler, die Blockchain-basierte Lösungen entwickeln und dabei direkt auf eine vollumfängliche Bibliothek zurückgreifen wollen. Bereits bei der Vorstellung auf dem Web3 Summit in Berlin wurde bekannt gegeben, dass das System zukünftig auf Apache 2.0 umgesiedelt werden soll, da dies noch mehr Freiheiten bei der Entwicklung ermöglichen wird. Das Tool soll insbesondere in Browsern zum Einsatz kommen und besitzt seine Stärken hauptsächlich bei der Entwicklung dezentraler Anwendungen, die ebenfalls direkt im Browser ausgeführt werden.

Das System soll nahtlos in die anderen Projekte von Parity Technologies integrierbar sein. Vor allem die Kombination mit der heterogenen Multi-Chain-Technologie Polkadot ergibt nach Aussagen der Entwickler Sinn und beide Tools könnten ihre Vorteile gemeinsam ausspielen. Polkadot ermöglicht anonyme und sichere Transaktionen in einem hochperformanten Netzwerk. Bereits von Haus aus besitzt Polkadot einige Schnittstellen, die den Einsatz anderer dezentraler Blockchains erlauben. Dabei hilft auch eine eigens entwickelte API, auf die alle Technologien von Parity Technologies zugreifen kann.