Plant die EU die Regulierung von Bitcoin?

Europäische Kommission

Die Finanzmärkte haben in den vergangenen Monaten phänomenale Renditen erzielt. Dies gilt insbesondere für die Kurse der noch immer neuartigen Kryptowährungen, die teilweise Kursverdopplungen erlebt haben. Aus diesem Grund suchen immer mehr unerfahrene Anleger den Weg in Kryptowährungen. Dies ruft nun die EU-Kommission auf den Plan, denn trotz des disruptiven Potenzials bergen Kryptowährungen ein Risiko für unerfahrene und uninformierte Anleger.

Kryptowährungen ziehen unerfahrene Anleger an

Durften wir noch im März den wohl schnellsten Crash der Geschichte an den Krypto- und Finanzmärkten erleben, so sieht die Welt einige Monate später bereits komplett anders aus. Besonders hervorzuheben sind hierbei Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum, die allesamt eine spektakuläre Erholung erlebt haben.

Grund für diese hervorragende Entwicklung an den Märkten dürfte vor allen Dingen die lockere Geldpolitik der Notenbanken sein. Während die steigende Geldmenge die Inflation ankurbeln soll, suchen immer mehr Anleger nach Möglichkeiten um eine Rendite zu erzielen. Da Anleihen und liquide Anlageformen wie Tagesgeld keine Rendite mehr erwirtschaften, suchen immer mehr Anleger nach passenden Alternativen. Ersichtlich ist dies an den Aktien- und Krypto-Märkten. Insbesondere bei den Kryptowährungen spiegelt sich diese Entwicklung in den Kursen wider. Allein Ethereum, die nach Bitcoin zweitgrößte Kryptowährung, konnte sich seit Beginn des Jahres im Kurs verdreifachen.

Auch wenn Kryptowährungen zuerst eher ein Hype waren, zeigt sich nun, dass diese zu einem festen Bestandteil unserer Finanzmärkte werden. Folglich hat nun auch die Europäische Union ein Auge auf diese besonderen Assets geworfen. Dem Konsens zur Folge sollen Krypto-Assets, so wieder andere Assets ebenfalls, streng reguliert werden. Vor allen, nachdem die Politik in den vergangenen Jahren eher zurückhaltend agiert hat, sollen nun neue Regeln dazu beitragen, die Anleger zu schützen. Der bewusstere Umgang mit Kryptos sowie der Schutz der Verbraucher beim Investieren stehen hierbei im Fokus.

Roadmap zur Regulierung von Krypto-Assets im 3. Quartal erwartet

Bereits heute existiert ein Arbeitsprogramm, welches sich mit der Regulierung der digitalen Pseudowährungen auseinandersetzt. Die Ergebnisse dieses Arbeitsprogramms der EU-Kommission könnten bereits im 3. Quartal dieses Jahres vorgestellt werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erfahren Anleger, welche Regeln es in Zukunft im Bereich der digitalen Währungen und Vermögenswerte geben könnte.

Schärfere Regulierung von Kryptowährungen in Europa

Ein Arbeitspapier, welches die EU-Kommission kurz vor der Sommerpause an Experten der einzelnen Mitgliedsstaaten verteilten zeigt, wie die Regulierung der digitalen Assets aussehen könnte. In einer Mitteilung der WELT gaben die Redakteure zu verstehen, dass das entsprechende Non-Paper bereits vorlag.

Wie die EU-Kommission nun festgestellt hat, hätten EU-Verbraucher die Möglichkeit ungeeignete Produkte zu erwerben, ohne dabei einen adäquaten Zugang zu den Informationen zu haben. Die Rede ist hierbei von standardisierten Wertpapierprospekten, die einen detaillierten Einblick bieten und aufzeigen, welche Risiken mit einem Investment einhergehen. Vielmehr schreiben die Experten, dass dies „[…] nicht standardisiert [sind], und die Qualität, Transparenz und Offenlegung von Risiken schwankt […].“

Kommission fordert dedizierte Regeln für Kryptowährungen

Um das Risiko für alle Marktteilnehmer transparent zu machen, plant die EU-Kommission nun also die Einführung von standardisierten Wertpapierprospekten. Dementsprechend müssen die Blockchain-Firmen nun neben dem wichtigen Whitepaper auch einen Wertpapierprospekt anfertigen. Einzig Projekte, die ein besonders geringes Emissionsvolumen haben, sollen von dieser Regelung ausgeschlossen werden.

Eine weitere Anpassung, welche die Emittenten umsetzen müssten, beträfe die IT-Systeme. Um eine Erlaubnis auf dem EU-Markt zu erhalten, müssten die Systeme den EU-Standards entsprechen.

Bereits heute müssen tokenisierte STO-Projekte diese Anforderungen erfüllen. Dies entspricht auch der Anforderung, dass andere Finanzinstrumente, welche ihren Wert aus realen Vermögenswerten ableiten,  ebenfalls stärker reglementiert werden.

Doch auch Stablecoins wie Libra sind dafür verantwortlich, dass Valdis Dombrovskis, der Vizepräsident der EU-Kommission, bei der Regulierung von Krypto-Assets auf schnelle Ergebnisse setzt. Gegenüber der WELT merkte auch Markus Ferber, CSU-Politiker und Sprecher der EVP-Fraktion im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments, an, dass es bisher nur rudimentäre Vorschriften durch die nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden gibt. Dementsprechend ist eine konsequente Umsetzung der Geldwäscheprävention nicht möglich. Hierfür bedarf es einer klaren Linie, die für alle Marktteilnehmer ersichtlich ist. Für Ferber trage dieser Umsatz auch dazu bei, dass der Markt für Kryptowährungen dem Wilden Westen gleicht.

Fazit: Regulierung könnte ein Dilemma für EU-Kommission sein

Libra, das von Facebook ins Leben gerufene Blockchain-Projekt, hat einiges an Aufsehen erregt. Aufsichtsbehörden haben sich anschließend erstmalig intensiver mit Kryptowährungen befasst. Besonders ärgerlich fällt hierbei die mangelnde Regulierung auf.

In einem neuen Arbeitspapier möchte die EU-Kommission nun aufzeigen, wie eine Regulierung funktionieren kann und mehr Schutz für Anleger bietet. Allerdings könnte diese Situation auch zu einem Dilemma aus Sicht der Beamten werden. Immerhin wollen die Verbraucherschützer den recht jungen Markt für Kryptowährungen nicht sofort abwürgen. Zeitgleich ist aber ein Mangel an Rechtssicherheit ein Problem, welches einen stabilen Markt unterbindet. Wichtig sind Standards, welche dazu beitragen, dass europäische Firmen im Blockchain-Sektor eine Technologieführerschaft übernehmen können. Ohne eine entsprechende Regulierung könne dies nur schwer gelingen.

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