ZEC-Crash: Warum ECC und Bootstrap in Konflikte gerieten

Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem Zcash-Crash letzter Woche äußert sich nun Bootstrap und erklärt erstmals Details über den Hintergrund.
- Das gesamte Entwicklerteam Zcashs war zurückgetreten und hatte Bootstrap eine Abkehr von Zcashs Prinzipien vorgeworfen. Infolgedessen kam es zu einer Umschichtung unter den Privacy Coins. Monero und Dash profitierten extrem.
- Laut Bootstrap wendete sich die ECC ab, da die Privatisierung der Wallet Zashi scheiterte. Rechtliche Probleme hatten einen Verkauf an Investoren verhindert.
ZEC-Crash: Warum ECC und Bootstrap in Konflikte gerieten
Vergangene Woche kam es plötzlich zum Rücktritt der gesamten Zcash-Hauptentwickler, die bis dahin allesamt bei der Electric Coin Company (kurz ECC) angestellt waren. Infolgedessen erfolgte ein ZEC-Crash. Zcash stürzte um 25 Prozent ab und notierte dadurch zeitweise unter 400 US-Dollar.
Inzwischen konnte sich Zcash stabilisieren. Der Privacy Coin erreicht bis zum Redaktionsschluss einen Marktwert in Höhe von 407 US-Dollar. Ein negativer Wochentrend zeichnet die Kryptowährung jedoch weiterhin. Ein Kursverfall von 22,55 Prozent steht bis heute geschrieben.
Josh Swihart, der bis dahin als Geschäftsführer der Electric Coin Company agierte, veröffentlichte eine Erklärung, in der er behauptete, die ECC sei von Bootstrap in die Ecke gedrängt worden. Bootstrap diente als verwaltende gemeinnützige Organisation des Unternehmens ECC und sollte in dieser Rolle die ideelle Konformität der ECC sicherstellen.
“Die Bedingungen unserer Beschäftigung wurden so geändert, dass es uns unmöglich war, unsere Aufgaben effektiv und integer zu erfüllen”, schrieb Swihart. Laut seiner Darstellung hatte Bootstrap die gesamte ECC effektiv entlassen.
Insbesondere der Bootstrap-Vorstand habe eine feindliche Haltung gegenüber der ECC eingenommen, schrieb Swihart. Er nannte die vier Personen Zaki Manian, Christina Garman, Alan Fairless, und Michelle Lai, mit denen eine Zusammenarbeit augenscheinlich unmöglich geworden sei.
Zaki Manian ließ diese Darstellung jedoch nicht unkommentiert stehen. Auf X präsentierte er kurze Zeit später einen Link zu einer Webseite, die vom Bootstrap-Vorstand erstellt wurde und eine Gegendarstellung enthält.
A statement from board of Bootstrap about the proposed Zashi transaction.https://t.co/zujk0mMden
— zmanian (@zmanian) January 8, 2026
Privatisierung der Zashi-Wallet scheitert
Bootstrap lieferte mit seiner Erklärung erstmals Details des Konflikts. Auf der Webseite Weareallzashi.org erklärte man, dass man die Privatisierung der Wallet Zashi vornehmen wollte. Man hatte ein neues Finanzierungsmodell vorgesehen und so versucht, die eigenen Einnahmen zu steigern.
Wegen der Unternehmensstruktur, die auch gemeinnützige Organisationen wie Bootstrap abdeckt, müsse man dabei allerdings genauen gesetzlichen Vorgaben folgen. Wegen regulatorischer Probleme konnte man ein vorgesehenes Geschäft nicht finalisieren.
“Die Einschränkungen gemeinnütziger Organisationen sind real, und der Grund für diese Einschränkungen besteht darin, dem öffentlichen Interesse zu dienen und es weiter zu fördern, anstatt es für private Zwecke zu missbrauchen.”
Die gescheiterte Privatisierung Zashis habe dann zur Kritik durch die ECC geführt, schreibt Bootstrap.
“Der vorgeschlagene Deal in seiner letzten Fassung birgt neue Schwachstellen für politisch motivierte Angriffe auf Zcash. Jeder Spender könnte klagen. Die Transaktion könnte rückgängig gemacht werden”, fährt Bootstrap fort.
“Diese Faktoren gefährden das gesamte Zcash-Ökosystem, nicht nur die an der Transaktion beteiligten Parteien. Der Vorstand arbeitete sehr aktiv daran, einen Deal zu strukturieren, der einer genauen Prüfung standhalten würde.”
Streit über die Ideale des Privacy Coins – wie von Swihart dargestellt – habe es laut Bootstrap nicht gegeben. Der Konflikt sei rechtlicher Natur.
Die ehemals bei der ECC angestellten Personen gründeten mit CashZ seither ein neues Unternehmen, das die ECC in ihren Aufgaben direkt ersetzen soll. Die vom Team entwickelte Wallet Zashi soll geforkt und in eine neue Wallet namens CashZ umgewandelt werden. Manian verriet, dass CashZ und Bootstrap derzeit einen Konsens suchen.
Nach dem Zcash-Absturz profitierten mit Monero und Dash neuerdings zwei direkte Konkurrenten. Beide Privacy Coins verzeichneten erhebliche Gewinne. Monero stellte wiederholt neue Allzeithochs auf – heute zuletzt über 686 US-Dollar.

