Terra verklagt Jane Street: US-Firma steckt hinter LUNA-Crash?

Das Wichtigste in Kürze

  • Terra (LUNA) kollabierte im Mai 2022. Vier Jahre nach dem Vorfall sind viele Hintergründe weiterhin unbekannt.
  • Die Insolvenzverwaltung des Entwicklers Terraform Labs sieht einen Teil der Schuld bei dem US-amerikanischen Trading-Unternehmen Jane Street. Jenes soll auf perfide Weise Insiderwissen gesammelt und damit Trades durchgeführt haben, die dem Ökosystem schadeten. Deshalb erhebt man nun Anklage und will Schadensersatz geltend machen.
  • Jane Street war die berufliche Heimat der verurteilten Betrüger Sam Bankman-Fried und Caroline Ellison, welche als Führungspersonen der berüchtigten FTX-Gruppe agierten.

Terra verklagt Jane Street: US-Firma steckt hinter LUNA-Crash?

Die Insolvenzverwaltung Terraform Labs, dem Entwickler hinter der einstigen Top-Kryptowährung Terra (LUNA) verklagt den US-amerikanischen Finanzdienstleister Jane Street – das gab das südkoreanische Unternehmen vor wenigen Stunden über X bekannt.

“Das Büro des Terraform Labs Plan Administrators hat eine Klage gegen Jane Street eingereicht, in der Insiderhandel, Marktmanipulation und irreführende Handelspraktiken geltend gemacht werden, die zum Zusammenbruch von Terraform Labs im Mai 2022 beigetragen haben sollen”, heißt es dort.

Terra (LUNA) zählte einst zu den größten Kryptowährungen. Das Ökosystem setzte auf neuartige DeFi-Anwendungen wie Mirror Protocol oder Anchor Protocol. Vor allem Anchor erwies sich als beliebte Plattform. Nutzer konnten dort den nativen dezentralen Stablecoin UST anlegen, um passive Einnahmen in Höhe von 20 Prozent pro Jahr zu erzielen.

Im Mai 2022 kam es schließlich zu einer fluchtartigen Bewegung. Sämtliche Nutzer stiegen aus dem Ökosystem aus. Die Wechselwirkung zwischen LUNA und UST führte zu einer nachhaltigen Beschädigung des Ökosystems.

Do Kwon, der südkoreanische Erfinder und Geschäftsführer von Terraform Labs, wurde im Dezember 2025 zu 15 Jahren Haft in den USA verurteilt. Im Urteil wurde er des Betruges schuldig befunden. Demnach soll er eine zentrale Rolle beim Kollaps des Ökosystems gespielt haben. Investoren verloren insgesamt 45 Milliarden US-Dollar.

Längst ist bekannt, dass sich unter der glänzenden Fassade Terras ein Trümmerhaufen befand. Entwickler Terraform beauftragte schon früh Finanzdienstleister, um das System zu stabilisieren. Etliche Hintergründe des Crashs bleiben bis heute jedoch im Verborgenen.

Insidertrading ließ Terra 2022 kollabieren?

Gemeinsam mit dem Wall Street Journal behauptet die Insolvenzverwaltung von Terraform nun, einen Bericht veröffentlicht zu haben, der neue Hintergründe über den Terra-Crash im Jahr 2022 offenlegt. Bisher stand der Finanzdienstleister Jump Trading im Fokus der öffentlichen Debatte.

Jener soll für die Stabilisierung des Stablecoins UST pro Jahr eine Bezahlung in Milliardenhöhe von Terraform erhalten haben. Ursprünglich hielt Terraform diese Beziehungen gezielt geheim, um in der Öffentlichkeit den Schein eines funktionierenden Systems zu wahren.

Jane Street soll Terraform hintergangen haben, um sich selbst zu bereichern. Insiderwissen habe der Finanzdienstleister bewusst ausgenutzt, um damit Insidertrading durchzuführen.

“Jane Street hat mutmaßlich mit wesentlichen, nichtöffentlichen Informationen gehandelt, wenige Minuten nach einer vertraulichen Liquiditätsentnahme einen konzentrierten Verkauf von UST im Wert von 85 Millionen US-Dollar durchgeführt und erhebliche Verluste vermieden, während Investoren Schäden in Milliardenhöhe erlitten haben”, schreibt Terraform.

“Mit dieser Klage soll Wert für die Gläubiger zurückgewonnen und Jane Street für die Ausnutzung des Ökosystems während eines der folgenschwersten Ereignisse in der Geschichte der Kryptowährungen zur Verantwortung gezogen werden”, erklärt man weiter.

Die Klage geht von Insolvenzverwalter Todd Snyder aus, der von einem US-Insolvenzgericht als sogenannter Plan Administrator auserwählt wurde. Robert Granieri, Mitgründer von Jane Street sowie dessen Angestellte Bryce Pratt und Michael Huang sollen die Strippenzieher des Insidertradings gewesen sein.

Jane Street soll große Trades zur Stabilisierung des Stablecoins UST mittels LUNA missbraucht haben, um sich kurz vor schwergewichtigen Trades gewinnbringend zu positionieren. Dieses Vorgehen könnte sich für das gesamte Ökosystem letztlich als fatal erwiesen haben. Im Bericht des Wall Street Journal spricht man von einer “Beschleunigung des Niedergangs”.

Jane Street schmettert Vorwürfe ab

Das Trading-Unternehmen Jane Street sieht sich nicht in der Schuld. Dass die Leitung von Terraform hinter dem Crash stecke, sei hinlänglich bekannt, erklärte das Unternehmen.

“Diese verzweifelte Klage ist ein durchsichtiger Versuch, Geld zu generieren, obwohl es bekannt ist, dass die Verluste auf einen milliardenschweren Betrug zurückzuführen sind, den das Management Terraforms durchgeführt hat.”

Vor Gericht werde man sich gegen diese “haltlosen Vorwürfe” bis zuletzt verteidigen, legte ein Sprecher nach.

Laut Anklage sollen Jane Street und Terraform über Bryce Pratt einen engen Kontakt etabliert haben. Schon 2018 hätten beide Unternehmen eine Zusammenarbeit beschlossen. Erst durch Pratts Zutun sei die Kooperation ab Februar 2022 geglückt. Bevor Pratt bei Jane Street arbeitete, war er als Praktikant bei Terraform tätig.

Jane Street soll über Pratt Insiderwissen erhalten haben, das Terraform in der Hoffnung auf Investitionen in das Unternehmen an den US-amerikanischen Partner weitergegeben hat. Man missbrauchte diese Informationen, um gewinnbringende Trades einzuleiten.

Jane Street war Arbeitgeber der Betrüger Sam Bankman-Fried und Caroline Ellison. Dort erlernten die beiden ihr Handwerk, bevor sie die FTX-Gruppe im Jahr 2019 gründeten. Die Unternehmensgruppe zerbrach im November 2022. Die Veruntreuung der Kundengelder zur Finanzierung milliardenschwerer Krypto-Trades war die Ursache.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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