Netflix Dokumentarfilm: Vertraue niemandem – die Jagd nach dem Kryptokönig!

Am 30. März 2022 ist auf Netflix in der Reihe True Crime der spannende Dokumentarfilm „Vertraue niemandem – die Jagd nach dem Kryptokönig“ gestartet. Die Handlung erzählt die wahre Geschichte des Finanzjongleurs Gerald William Cotten.

Er wirkt wie ein seriöser Bankberater – hinter der schwarzen Brille ist ein genialer – auf den Bereich Kryptowährungen spezialisierter Geist versteckt. Als er im Jahr während einer Reise in Indien in Jaipur im Alter von gerade einmal 30 Jahren verstarb, soll er die Schlüssel für ein Vermögen in Höhe von circa 250 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen mit ins Grab genommen haben.

Das Passwort der Wallets, in denen leichtgläubige Anleger und Anlegerinnen ihre Coins aufbewahrten, war nur Gerald Cotten bekannt. Im Nachhinein stellte sich allerdings heraus, dass die Gelder der Anleger schon vor seinem Tod verloren waren, denn die von Gerald Cotten gegründete Kryptobörse QuadrigaCX erwies sich als kolossaler Betrug.

Die offiziellen Ermittlungen zum Tod von Gerald Cotten wurden mittlerweile eingestellt. Mehrere Anleger glauben, dass der CEO und einziger Mitarbeiter von QuadrigaCX seinen Tod vorgetäuscht und sich mit den Millionen der Anleger abgesetzt hat. Der Netflix Dokumentarfilm „Vertraue niemandem – die Jagd nach dem Kryptokönig“ will den geheimnisvollen Fall um Gerald Cotten und QuadrigaCX aufklären.

Die Hintergründe zur Doku

Bevor er ein Studium im kanadischen Toronto absolvierte, lebte Gerald Cotten in Belleville (Ontario). Im Jahr 2010 schloss er sein Studium mit dem Titel Bachelor of Business Administration erfolgreich ab. In Toronto kam er erstmals mit Bitcoin in Berührung und reiste anschließend nach Vancouver (British Columbia). Dort gründete er zusammen mit Michael Patryn die Kryptobörse QuadrigaCX.

Was ist QuadrigaCX?

Bei QuadrigaCX handelt es sich um eine Handelsplattform für Kryptowährungen. Anfangs war QuadrigaCX nur lokal aktiv. Nach einem Monat starteten die beiden Unternehmensgründer ihre Online-Kryptobörse. Anfang Januar 2014 stellten sie in Vancouver den zweiten Bitcoin-Automaten auf.

Allein in diesem Jahr tauschten Anleger auf QuadrigaCX Bitcoins im Wert von 7,4 Millionen kanadische Dollar um. In einem Interview verkündete Gründer Gerald Cotten, dass die Kundengelder in digitalen Schließfächern auf Papiergeldbörsen, sogenannten Paper Wallets, sicher aufbewahrt werden.

Des Weiteren hat QuadrigaCX versucht, in Kooperation mit Patryn Geld zu beschaffen und eine Notierung bei der CSE (Canadian Securities Exchange) zu erreichen. Obwohl die Firma 850.000 kanadische Dollar einsammeln konnte, verwarf es die Pläne, an der Börse notiert zu werden.

Im Jahr 2015 betrieb das Unternehmen Büros in Toronto und Vancouver und beschäftigte vier Mitarbeiter. Im Juni desselben Jahres ging QuadrigaCX allerdings das Geld aus.

Toronto Kanada
Toronto Kanada

Aus Gerichtsakten geht hervor, dass das Unternehmen verschiedene Firmen als Zahlungsabwickler, unter anderem auch die Firma WB21, genutzt hatte. Als weiterer Zahlungsabwickler wurde in einer Zivilklage das Unternehmen Crypto Capital als Teil eines Betruges in Höhe von 165 Millionen US-Dollar erwähnt.

Auszahlungen an Kunden – Wie funktionierte es?

Für Auszahlungen an Kunden wurde von QuadrigaCX ein ungewöhnliches System verwendet. Auszahlungen wurden nicht mittels Banküberweisungen abgewickelt, sondern die Kunden wurden aufgefordert, ihr Geld in einem unscheinbaren Gebäude in Laval persönlich abzuholen. Kunden des Unternehmens berichteten, dass entweder kein Bargeld zur Auszahlung verfügbar oder kein Mitarbeiter anzutreffen war.

Ernst & Young berichtete Anfang 2019, dass QuadrigaCX kein Bankkonto besitzt, sondern stattdessen Zahlungen über Drittanbieter abwickelt. Geführt wurde die Kryptobörse von Gerald Cotten in seinem Haus in Fall River (Nova Scotia) mittels eines verschlüsselten Laptops.

Im Jahr 2017 profitierte Gerald Cotten von der Entwicklung auf den weltweiten Finanzmärkten: Kryptowährungen boomten und der Bitcoin-Kurs stieg innerhalb kürzester Zeit von 1.000 auf 20.000 US-Dollar. Deshalb war es dem CEO von QuadrigaCX möglich, viele Menschen anzulocken, die im Krypto-Rausch große Geldsummen anlegten.

Im Dezember 2018 fiel der Bitcoin-Kurs auf 3.700 Dollar ab. Das Unternehmen QuadrigaCX verlor zusätzliche Millionen von US-Dollar durch einen Computerfehler. Zudem verschwinden weitere Gelder in Millionenhöhe spurlos und eine Bank friert zudem weitere Millionen des Unternehmens ein.

Bitcoin Kurs 2014 bis 2020
Bitcoin Kurs 2014 bis 2020

Trotz dieser Entwicklungen lebte Gerald Cotten weiterhin auf großem Fuß. Er reiste mit seiner Ehefrau durch die Welt und besaß ein Flugzeug, eine Yacht und mehrere Immobilien.

Zum Zeitpunkt seines Todes war Gerald Cotten der einzige Mitarbeiter von QuadrigaCX. Laut Aussage seiner Ehefrau verstarb er am 9. Dezember 2018 in einem Krankenhaus in der indischen Stadt Jaipur, in dem Ärzte einen Darmverschluss, Morbus Crohn und einen septischen Schock diagnostizierten.

Er verstarb nach drei Herzinfarkten. Eine Sterbeurkunde und eine Unbedenklichkeitserklärung bezüglich der Rückführung des Leichnams nach Nova Scotia wurde von der Polizeibehörde Jaipur am Folgetag ausgestellt.

Im Namen der Kryptobörse QuadrigaCX reichte die Witwe eine eidesstattliche Erklärung inklusive Todeserklärung des CEOs am 18. Dezember 2018 in Halifax ein. Diese Erklärung enthielt unter anderem die Angabe, dass bei der Kryptobörse 363.000 Benutzer registriert sind und dass das Unternehmen 115.000 von ihnen eine Gesamtsumme von 250 Millionen kanadische Dollar schuldet.

Was passierte mit den Geldern der Anleger?

Kurz vor Antritt der gemeinsamen Indienreise hat Gerald Cotten sein Testament gemacht. Seine Witwe erbte ein Vermögen von 9 Millionen Kanada-Dollar. Sein Tod wurde zunächst geheim gehalten und erst im Januar des Folgejahres auf der QuadrigaCX-Homepage bekannt gegeben. Im Februar des Jahres 2019 meldet das Unternehmen offiziell die Insolvenz an.

Sowohl kanadische Wirtschaftsprüfer als auch andere Behörden nehmen anschließend die Firma und das Geschäftsmodell genau unter die Lupe. Die Wallets, in denen die Gelder der Anleger aufbewahrt wurden, waren bereits seit längerer Zeit leer.

Sie bringen ein altes Betrugsmanöver in einem modernen Gewand und eine chaotische Buchführung ans Tageslicht – ein Schneeballsystem. Die von Anlegern eingezahlten Gelder wurden von Gerald Cotten für den privaten Gebrauch verprasst und bei undurchsichtigen, hochrisikoreichen Termingeschäften verzockt.

Forderungen von Kunden erfüllte der CEO mit den Geldern von neuen Anlegern. Echte Gewinne hatte QuadrigaCX nach diesen Erkenntnissen zu keinem Zeitpunkt erwirtschaftet.

Ist Gerald Cotten wirklich tot? – Betrogene Anleger zweifeln an seinem Ableben

Von der Ontario Securities Commission wurde im Juni 2020 bekannt gegeben, dass circa 76.000 Anleger & Anlegerinnen durch QuadrigaCX-Geschäfte mindestens 169 Millionen kanadische Dollar verloren haben. Lediglich ungefähr 34 Millionen CAD konnten bisher zurückbezahlt werden.

Die Betrogenen glauben nicht daran, dass Gerald Cotten tot ist. Sie vermuten, dass er mit dem Geld und einer neuen Identität spurlos verschwunden ist. Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass er das Geheimnis nach dem Verbleib der Millionen mit ins Grab genommen hat.

Anleger-Community analysiert in der Doku den Fall detailliert

Auf Reddit fand sich schnell eine kleine Community aus mehreren betrogenen Anlegern, die zu Detektiven wurden, um den Tod von Gerald Cotten bis ins kleinste Detail zu analysieren.

Wichtige Fragen sind unter anderem: Ist Gerald Cotten wirklich tot? Wo sind die Millionen verblieben? Was weiß die Ehefrau von Gerald Cotten? In 90 Minuten vermittelt die spannende Doku dem Zuschauer einen Einblick in das Leben von Gerald Cotten.

Die brandneue Doku kann auf dem Portal Netflix seit Ende März gestreamt werden.

Fazit zur Netflix Dokumentation

Die Dokumentation „Vertraue niemandem – die Jagd nach dem Kryptokönig“ ermöglicht bildhaft einen Einblick über die Fallen von Nischen auf dem Finanzmarkt. Während der Doku stellen sich dem Zuschauer immer wieder Fragen, zum Beispiel, wie ist es möglich, dass die Anleger trotz Problemen bei Auszahlungen nicht misstrauisch werden? Wieso akzeptieren Investoren, dass eine einzige Person die Kontrolle über ihre digitalen Geldbörsen behält?

Weil es bei Kriminalität im Bereich Kryptowährungen und NFTs stets um gigantische Geldsummen geht, sind diese Fälle meistens sehr spektakulär und es ist wahrscheinlich, dass auch künftig weitere Straftaten dieser Art für Skandale und Schlagzeilen sorgen werden.

Die Doku bestärkt die Ansicht derjenigen, die der Meinung sind, dass Kryptowährungen lediglich eine kriminelle Nische auf dem Finanzmarkt sind. Sie beweist jedoch ebenfalls eindeutig, dass Kryptowährungen durchaus das Potenzial besitzen, sich beim Mainstream durchzusetzen.

Anleger, die bereits Geld in Kryptowährungen investiert haben, hält die spannende Doku „Vertraue niemandem – die Jagd nach dem Kryptokönig“, ihre Passwörter zu checken und gegebenenfalls weitere Vorkehrungen für die Sicherheit ihrer digitalen Vermögenswerte zu treffen.

Fakt ist: Wer sich diese neue Netflix Crime-Dokumentation anschaut, fiebert von der Ersten bis zur 90. Minute mit.

Autor

Als ausgebildeter Finanzberater und Reisekaufmann sowie Hobby-Journalist, mit zahlreichen Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitungen, bin ich heute als Autor für touristische Beiträge und Reiseführer genauso zu Hause, wie in der Finanzwelt. Das Thema Kryptowährung fasziniert mich schon seit Jahren und ich habe bereits unzählige Artikel geschrieben, die auf verschiedenen Kryptoportalen und in etlichen Magazinen veröffentlicht wurden.

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