Nach Wirtschaftssanktionen: Russland verwendet chinesisches UnionPay

Mehrere Staaten sahen die russische Kriegserklärung an die Ukraine als Anlass für weitere Wirtschaftssanktionen und schlossen Russland just aus dem Bankennetzwerk SWIFT aus. Auch VISA und Mastercard sperren internationale Zahlungen mit russischer Beteiligung. Als mögliche Alternative für Russland kamen Kryptowährungen in Frage. Nun steht fest: Russland verwendet das chinesische System UnionPay.

Russland-Ukraine-Konflikt macht Russland zum wirtschaftlichen Außenseiter

Wegen der unnachgiebigen Haltung Russlands forderten die USA schon zu Beginn des neuen Jahres einen Ausschluss russischer Banken aus dem Zahlungsnetzwerk SWIFT. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz nannte diese Maßnahme eine „Atombombe für die Kapitalmärkte“ und behielt bis zuletzt persönlich eine skeptische Meinung.

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Dennoch machte Merz auf Twitter klar; schlägt die EU-Kommission diesen Schritt vor, sollte Deutschland zustimmen. Doch ein SWIFT-Ausschluss hat ambivalente Risiken. Nicht nur Russland leidet darunter, sondern auch dessen Handelspartner.

Der zweitgrößte Handelspartner ist Deutschland selbst. Die steigenden Rohölpreise sind den Deutschen an der Tankstelle bereits offenkundig geworden. Der Schaden ist aber noch deutlich größer.

Handeln deutsche und russische Firmen miteinander, können sie auf dem gewohnten Weg der Banküberweisung Geld weder hin- noch hersenden. Zusätzlich schränkten Mastercard und VISA ihren Betrieb ein und lassen Russen nun nur noch im Inland mit ihren Karten zahlen.

Der bayrische CDU-Finanzminister, Albert Füracker, machte frühzeitig auf dieses Problem aufmerksam, doch geholfen hat es letztlich nicht. Russland ahnte die Gefahr und plante daher bereits seit einiger Zeit die Etablierung einer CBDC – dem digitalen Rubel.

Russland fördert digitalen Rubel

Russland verwendet chinesisches Zahlungssystem UnionPay

Russlands größter Handelspartner ist die Volksrepublik China, die bereits vor knapp zwanzig Jahren ihr eigenes Zahlungssystem UnionPay erschuf, um sich insbesondere von den US-Unternehmen VISA und Mastercard zu lösen.

UnionPay Symbol
Symbol der Marke UnionPay

UnionPay gibt Kreditkarten aus, die in 180 Ländern der Welt akzeptiert werden. Dazu zählt auch Deutschland, das über ungefähr 30.000 Annahmestellen verfügt. Um seine Position in Europa zu verbessern, schloss das chinesische Unternehmen 2017 einen Vertrag mit der deutschen Concardis ab.

Die russische Zentralbank machte neulich bekannt, dass fortan eine Zusammenarbeit mit der chinesischen Alternative angestrebt wird. Statt VISA und Mastercard will man die Einwohner Russlands mit Kreditkarten der Marke UnionPay ausstatten.

In Russland unterstützten 2018 bereits 85 Prozent aller Geldautomaten und Zahlungsterminals Karten von UnionPay. Zum damaligen Zeitpunkt existierten im Land über 1,3 Millionen Kreditkarten der chinesischen Firma.

Sanktionen gegen Russland lassen Mir und Kryptowährungen wachsen

2014 trafen verschiedene russische Banken erstmals auf Schwierigkeiten mit den beiden großen US-amerikanischen Kreditkartenunternehmen. Als Reaktion auf diese Sperren entwarf die russische Zentralbank das Zahlungssystem Mir (auch Mir Payment oder Mir Online), das man nach wenigen Monaten Arbeit bereits 2015 startklar machte.

Mir Payment Hauptquartier Moskau
Zentrale von Mir in Moskau. Foto: Alexander V. Solomin

Mir ist global nicht so verbreitet wie UnionPay, wird aber vor allem im Raum der ehemaligen Sowjetunion verwendet. Mit über 100 Millionen Kreditkarten im Oktober 2021 ist ein Großteil der russischen Staatsbürger mit einer solchen Karte ausgestattet. Da Zahlungen hauptsächlich im russischen Binnenmarkt möglich sind, ist die russische Eigenentwicklung keine vollständige Alternative.

Stattdessen liegt eine Kooperation mit UnionPay nahe. Die Kreditkarten könnten demnach mit beiden Zahlungssystemen arbeiten.

Russische Privatpersonen versuchen während der Sanktionen, möglichst viel ihres Vermögens aus Rubel in eine andere Währung zu verwandeln, da der russische Rubel konstant an Wert verliert.

Wegen ihres freien Charakters äußerst beliebt sind natürlich Kryptowährungen. Als größter Stablecoin sammelte der USDT viele russische Gelder ein. Erfahrene Nutzer entschieden sich oft für Terra (LUNA) – eine Kryptowährung mit nativen Stablecoins wie dem UST.

Im Gegensatz zu zentralisierten Stablecoins wie dem USDT bestimmt keine zentrale Instanz über einen algorithmischen Stablecoin.

Obwohl mehrere große Krypto-Börsen ankündigten, russische Nutzer nicht generell von ihren Marktplätzen zu verbannen, änderte mit Coinbase bereits eine dieser Börsen ihren Kurs und nimmt zunehmend Sperrungen privater Nutzer aus Russland vor. Weitere Krypto-Börsen könnten folgen.

Krypto-Börsen lehnen Forderung nach Sperre für russische Nutzer ab

Jesse Powell, Geschäftsführer der Krypto-Börse Kraken warnt Nutzer davor, ihr Geld in der Online-Verwahrung zu belassen. Er bittet seine Kunden zum Abheben ihrer Kryptowährungen.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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