Iran stabilisiert Rial mit USDT: Warum das ein Fehler ist

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran stabilisiert seine Landeswährung Rial mindestens seit 2025 durch die Nutzung des Stablecoins USDT. Zudem nutzt man die digitale Anlage auf Ethereum und Tron, um Außenhandel abzuwickeln.
- Das stark sanktionierte Land möchte damit Sanktionen umgehen, welche die Nutzung des US-Dollars als Fremdwährung über das Bankensystem verunmöglichen.
- Der Einsatz eines zentralisierten Stablecoins macht die Regierung anfällig, da USDT-Betreiber Tether US-Sanktionen durchsetzt und die Kontrolle über sämtliche USDT ausübt. Dennoch nutzt der Iran augenscheinlich weder unsanktionierbare Kryptowährungen wie Bitcoin noch dezentralisierte Stablecoins wie DAI.
Iran stabilisiert Rial mit USDT, umgeht Sanktionen
Der Iran stabilisiert seine Fiatwährung – den iranischen Rial – mit dem Stablecoin USDT, so stellte Elliptic in einer Recherche fest. Demnach erwarb die iranische Zentralbank (CBI) im April und Mai 2025 in zwei verschiedenen Transaktionen USDT im Wert von insgesamt 507 Millionen US-Dollar.
Laut Elliptic sei es dem Land so mehr oder weniger erfolgreich gelungen, die Wertentwicklung seiner Fiatwährung zu stabilisieren. Weil der Iran ein Atomprogramm betreibt, das von den USA und der EU abgelehnt wird, bestehen viele Sanktionen gegen das Land. Zudem wirft man der iranischen Regierung Menschenrechtsverletzungen und die Unterstützung Russlands im Ukrainekrieg vor.
Der Iran wolle durch die Nutzung des Stablecoins USDT gezielt das Bankensystem umgehen, argumentiert Elliptic. Wegen der Sanktionen sei es andernfalls nicht möglich, Fremdwährungen wie den US-Dollar zu nutzen. Zum Einsatz kommen die Blockchains Ethereum und Tron, auf denen der USDT jeweils als nutzergenerierter Token existiert.
“Unter normalen Umständen nutzen Personen oder Unternehmen weltweit, die Transaktionen in US-Dollar durchführen möchten, das Korrespondenzbankensystem, um diese Transaktionen über US-Finanzinstitute abzuwickeln”, erklärt das Unternehmen.
Zudem glauben die Blockchainanalysten, dass die digitale Währungsreserve in Wahrheit viel größer ausfällt. Allerdings habe man lediglich 507 Millionen USDT identifizieren können, die offenkundig in der Kontrolle des Irans seien.
“Unsere Analyse umfasst nur die Wallets, die wir mit hoher Sicherheit der iranischen Zentralbank zuordnen konnten”, schreibt Elliptic.
Neben der Funktion als Währungsreserve verwende der Iran den Stablecoin zusätzlich als Zahlungsmittel im internationalen Handel. Durch die Sanktionen fehlt der Zugriff auf das internationale SWIFT-Netzwerk, durch das grenzüberschreitende Transaktionen üblicherweise abgewickelt würden.
Central Bank of Iran bought $507m in USDT to support the value of the Iranian Rial.
→ Paid in AED dirhams
→ Received USDT on Tron
→ Moved to Nobitex (Iran’s biggest exchange)
→ Bridge from Tron to Ethereum
→ Sold for rials to support their fiat-shitcoinIt worked as Rial… pic.twitter.com/hvQztWWcwK
— Ignas | DeFi (@DefiIgnas) January 21, 2026
Warum die Nutzung des USDT zur Umgehung von Sanktionen ein Fehler ist
Die Nutzung eines stark zentralisierten Stablecoins wie USDT kann einem sanktionierten Land wie dem Iran zwar zeitweise Vorteile bringen, langfristig entstehen allerdings schwerwiegende Gefahren.
Die Funktionsweise des USDT stattet den Herausgeber Tether mit Sonderrechten aus. Tether kann Blockchain-Adressen nach Belieben einfrieren und dem Nutzer den Zugang zu seinem Geld entziehen. Dieser Gefahr setzt sich der Iran beim Einsatz des Stablecoins aus.
Seit 2023 setzt Tether US-Sanktionen um. Zudem stellte Blockchainwelt im Dezember fest, dass Tether beim Einfrieren von Geldern rigoros vorgeht. Ein leiser Verdacht genügt, um die Gelder zu sperren. Tethers größter Konkurrent Circle sperrt Gelder seines USDC mit deutlich größerer Vorsicht.
Sollten Blockchain-Analysen den Verdacht hegen, der iranische Staat könnte hinter bestimmten USDT stecken, würde dies also schnell in der Sperre des Kapitals resultieren. Blockchain-Analysen sind fest in der Kryptobranche eingebunden und kommen beim Gebrauch von Dienstleistern wie Krypto-Börsen automatisch zum Einsatz.
Bekannt sind Systeme wie KYT von Chainalysis, das etwa von Tether genutzt wird, oder Konkurrenzprodukte wie von TRM Labs, dessen Lösungen von Circle, Tether und der weltgrößten Krypto-Börse Binance genutzt werden.
Der Iran verwendete die erworbenen USDT, um seine Landeswährung über die Krypto-Börse Nobitex zu stärken.
“Die Weiterleitung von Geldern an Nobitex deutet auf eine Strategie hin, US-Dollar-Liquidität in den lokalen Markt zu pumpen, um den Rial zu stützen”, so Elliptic. Die Analysten sehen darin eine “effektive Nutzung des Kryptomarktes zur Durchführung von Offenmarktgeschäften, die normalerweise mit Barreserven durchgeführt würden.”
Iran arbeitet mittels Blockchain an Ersatz für Bankensystem
Laut Elliptic versucht der Iran über die Blockchain eine digitale Infrastruktur zu errichten, die als Ersatz für das Bankensystem dient. Man habe das Ziel, diese Struktur so zu gestalten, dass diese von Sanktionen nicht betroffen würde.
“Die CBI scheint einen sanktionssicheren Bankmechanismus aufzubauen, der die Funktionalität internationaler US-Dollar-Konten nachahmt. Indem USDT als „digitale Eurodollar-Konten“ behandelt werden, schafft das Regime eine Schattenfinanzschicht, die US-Dollar-Werte außerhalb der Reichweite der US-Behörden halten kann”, schreibt Elliptic.
Die Finanzierung des Systems finde über den Außenhandel des Landes statt. Die rechtliche Grundlage habe die Landesregierung bereits 2022 aufgebaut.
Trotz aller Konflikte respektiert der Iran die internationale Bedeutung des US-Dollars und setzt daher auf den Stablecoin USDT. Für die Umgehung von Sanktionen sind vollwertige Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum von deutlich höherem Nutzwert. Diese Anlagen lassen sich keinesfalls sperren und sind praktisch unmöglich zu beschlagnahmen.
Zentralisierte Stablecoins sind jederzeit der Gefahr einer Sperrung ausgesetzt. So sperrte Tether am 15. Juni 2025 etwa 37 Millionen USDT, nachdem man diese als Eigentum der iranischen Regierung identifizieren konnte.
Dezentralisierte Stablecoins wie DAI verhindern eine direkte Sperrung von Geldern und sind nicht so volatil wie Bitcoin.
Erst kürzlich hatte Tether über 82 Millionen USDT im Kontext eines Konfliktes zwischen den USA und Venezuela eingefroren, die laut Medienberichten im Besitz des venezolanischen Staates waren.

