Krypto-Börse HTX gegen EU: So absurd wehrt sie Sanktionen ab

Das Wichtigste in Kürze
- Am Sonntag traten Sanktionen der EU gegen die beliebte Krypto-Börse HTX in Kraft. Öffentliche Informationen zeigen, dass sich HTX im Vorfeld massiv gegen die Repressalien wehrte. Die Sinnhaftigkeit der Sanktionen gerät in Zweifel.
- Die EU verbietet es ihren Bürgern und Unternehmen seither, mit HTX zu agieren. Die Handelsplattform führt die Strafverfolgung auf der Blockchain durch massenhafte Dust-Angriffe allerdings ad absurdum.
- Kunden konkurrierender Krypto-Börsen schickte man massenhaft Gelder zu. Unschuldige Blockchain-Adressen werden so kontaminiert, was die Branche vor Folgeprobleme stellt.
Krypto-Börse HTX gegen EU: So absurd wehrt sie Sanktionen ab
Die auf den Seychellen ansässige Krypto-Börse HTX wehrt sich weiterhin gegen Sanktionen der EU, wie Blockchaindaten zeigen. Laut Einschätzung der Europäischen Union agiere die in China gegründete Krypto-Börse als Unterstützer der russischen Republik.
Deshalb erließ die EU im Juli Sanktionen gegen HTX. Personen und Firmen der EU ist es seit dem 23. August untersagt, Geschäfte mit der Handelsplattform zu führen. Die Europäische Union folgt damit dem Vorgehen der britischen Regierung, die mit derselben Begründung bereits im Mai Sanktionen gegen HTX erlassen hatte.
Demnach nutze die russische Regierung HTX gezielt, um internationale Finanzsanktionen zu umgehen. HTX wirft man vor, angeblich keine Maßnahmen gegen das Vorgehen zu treffen.
An den Vorwürfen gab es früh Zweifel – gestützt vom Blockchain-Forensiker ZachXBT, der die Verbindung zwischen HTX und Russland auf Basis öffentlicher Blockchaindaten als verschwindend gering bezeichnete.
ZachXBT warnte im Juni vor den negativen Einflüssen von Sanktionen, die sich in diesem Fall hauptsächlich auf Unschuldige auswirken dürften. Die EU hielt dies allerdings nicht davon ab, knapp einen Monat später selbst gegen HTX vorzugehen.
Die wachsende Auseinandersetzung zwischen Behörden und HTX führte nicht zu einer Beruhigung der Problemlage. Stattdessen nahm diese weiter zu und involvierte immer mehr Unschuldige, da HTX gezielt Verbandelungen vortäuschte, die in der Realität nie existierten.
Dies gelingt durch sogenannte Dust-Angriffe. Dabei werden bestimmten oder unbestimmten Blockchain-Adressen geringe Geldmengen zugesendet. Automatisierte Systeme für Blockchain-Analyse wie sie von TRM Labs oder Chainalysis betrieben werden, stufen dann sämtliche jener Adressen als Gefahr ein, was weitere Eingriffe nach sich zieht.
Eigentlich sollen diese Eingriffe im Auftrag der Behörden nur dann stattfinden, wenn ein tatsächlicher Gesetzesverstoß vorliegt. Durch die Dust-Angriffe ist eine Unterscheidung zwischen Schuldigen und Unschuldigen allerdings nicht länger möglich.
HTX nimmt gezielt konkurrierende Krypto-Börsen ins Visier
Jüngste Informationen scheinen nun zu belegen, dass HTX gezielt konkurrierende Krypto-Börsen ins Visier nimmt. Kunden, die Auszahlungen von den Plattformen erhalten, schickt HTX anschließend wenige USDT zu.
Als Quelle nutzt man Blockchain-Adressen, die offiziell zu HTX gehören. So stellt man die erfolgreiche Manipulation der Blockchain-Analysen sicher. Eigene Kunden bedient man hingegen durch ständig wechselnde Blockchain-Adressen, um die Nachverfolgung der tatsächlich sanktionierten Transaktionen zu erschweren.
“Justin Sun legt bei den AML-Mechanismen von Coinbase, Binance und Hyperliquid gerade richtig los”, schrieb Katexbt auf X. Krypto-Mogul Justin Sun ist seit 2022 Eigentümer der Krypto-Börse HTX.
The funniest thing just happened.
Justin Sun is going absolute BEAST MODE on Coinbase, Binance and Hyperliquid's AML mechanisms.
He is DUSTING everyone who interacted with Coinbase, Binance or HL before with a few USDT from HTX.
HTX is under sanctions in the EU and the UK… pic.twitter.com/jARpSDFvok
— katexbt.hl (@katexbt) August 18, 2026
“Er beschenkt jeden, der zuvor mit Coinbase, Binance oder Hyperliquid zu tun hatte, mit ein paar USDT von HTX”, heißt es in dem X-Beitrag weiter.
Nutzer von Coinbase, Binance und Hyperliquid erhielten nach ihren Auszahlungen demnach jeweils drei bis zehn USDT von HTX. Senden die Nutzer anschließend Gelder an Krypto-Dienstleister, droht ihnen durch diese die Sperrung ihrer Kryptos.
Laut anderer Informationen soll mit Kraken eine weitere bekannte Krypto-Börse betroffen sein.
Dienste, welche die Sanktionen der EU und Großbritanniens umsetzen, sehen sich dadurch in einer problematischen Situation. Sie müssen nun einen Kompromiss finden, um gleichzeitig die Verfolgung Unschuldiger und Sanktionsverstöße zu verhindern. Der Fall belegt, wie schwierig die Strafverfolgung auf der Blockchain anzuwenden ist.
