DeFi hat großes Potenzial – sagt neues EU-Papier

Anfang April wurde bekannt, dass die EU private Bitcoin-Wallets verbieten will. Würde die Verordnung in ihrer jetzigen Form durchkommen, würde es zu deutlichen Einschränkungen des DeFi-Sektors kommen. Jetzt gibt es ein neues Papier, das überraschend positiv das Potenzial hervorhebt.

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EU-Bericht nennt Chancen und Risiken von DeFi

In der Transfer of Funds Regulation (TFR) sehen viele Befürworter der Krypto-Szene eine Innovationsbremse. Transaktionen mit Unhosted Wallets wären dann verboten.

Der jetzt veröffentlichte „European Financial Stability and Integration Review 2022der EU-Kommission vom 07.04.22 enthält aber jetzt einige überraschende Inhalte.

So ist zum Beispiel erklärt, wie großartig das Potenzial der DeFi-Technologie als Ganzes angesehen wird. Vor allem, um Kosten für Transaktionen zu senken, sehen die Autoren einen großen Vorteil.

Während zunächst einige Europäische Kommissionen davon ausgehen, dass der dezentralisierte Finanzbereich eine noch strengere Regulierung als das traditionelle Finanzwesen benötigt, zeigt sich im aktuellen Review, dass es auch Befürworter gibt.

Unkontrolliert, aber mit viel Potenzial

Sie erklären zwar ab Seite 43, Kapital 3, dass die neu entstandene Form der autonomen Finanzintermediation in einer dezentralen, digitalisierten Umgebung unkontrollierten Zugang zu Finanzdienstleistungen beinhaltet.

Andererseits folgt im weiteren Verlauf die Anmerkung, dass die Technologie „auf jeden Fall eine schnellere Abwicklung als herkömmliche Wertpapiertransaktionen“ bietet.

Außerdem weisen die Autoren darauf hin, dass die Datentransparenz Grundlage für weitere Innovationen sein kann und die Transparenz, die DeFi ausmacht, erhebliche Vorteile bieten könne.

Weiterhin geht man darauf ein, dass im klassischen Finanzsystem die Strukturen geschlossen sind, was es Neueinsteigern besonders schwer macht und sich wettbewerbsbeschränkend auswirken könnte.

DeFi ist seit seinem rasanten Wachstum, das im Dezember 2020 begann, sehr aktuell geworden. Bis zum 21. Dezember 2021 wurden weltweit etwa 85,2 Milliarden USD in DeFi Smart Contracts (allgemein als „Total Value Locked“ bezeichnet) hinterlegt.

EU-Kommission wirklich up-to-date?

Allerdings finden sich im gleichen Absatz auch Hinweise, dass die Autoren bei der Bewertung von DeFi noch etwas hinterherhängen.

So findet sich der Satz “Sollte DeFi jemals zum Mainstream werden…” oder die Formulierung “..falls DeFi tatsächlich zur Finanzintegration beiträgt.”

Das zeigt eindeutig, dass die Verfasser um Neutralität bemüht sind, jedoch auch vorsichtig mit der Bewertung des eigentlichen Potenzials von DeFi.

Obwohl DeFi viele der Funktionalitäten des traditionellen Finanzsystems zu replizieren scheint, ist sein Beitrag zur Finanzierung realwirtschaftlicher Aktivitäten bisher minimal, wenn nicht gar nicht vorhanden.

Herausforderungen der Regulierung

Immerhin haben die Autoren erkannt, dass DeFi und Metaverse eine nützliche Verbindung bilden und dass sie ein separates DeFi-Ökosystem neben dem klassischen Finanzsystem etablieren könnte.

Als Herausforderungen in dem Bereich DeFi werden die folgenden Punkte genannt:

  • Art und Umfang der regulatorischen Maßnahmen in einem dezentralen Umfeld
  • Regulierung nicht auf die Anwendungen, sondern auf das Projektteam der jeweiligen Smart Contracts
  • Einhaltung des Regulierungsrahmens automatisch überwachen
  • Aktives Sammeln von Daten der Benutzer und bessere Verfügbarkeit der Daten für Aufsichtsbehörden
  • Verbesserung der Datenqualität für die Aufsichtsbehörden
  • Verbesserung der Datenverarbeitungskapazitäten der Aufsichtsbehörden
  • Das einfache Kopieren traditioneller Regulierungsansätze ist möglicherweise keine Option
  • Verstärkung der aktivitätsbasierten Regulierung für DeFi möglicherweise sinnvoll

Der Nutzen für die Realwirtschaft, Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen daher derzeit in Frage, auch angesichts des weit verbreiteten Bedarfs an Sicherheiten.

Wird Bereich zukünftig reguliert sein?

Der einfachste Weg zur Regulierung, so das Papier weiter, stellt die Brücke zwischen traditionellem und Krypto-Asset-Ökosystem dar. Statt unternehmensbasiert vorzugehen, könnten die Regulierungsbehörden aktiv Daten von Transaktionen an den Schnittstellen einsammeln.

Vor allem beim Tausch von Fiat gegen Kryptowährungen bestehen gute Chancen für eine Regulierung. Allerdings sind davon DAO nicht betroffen, denn die lassen sich in einer autonomen dezentralisierten Umgebung nur schwer kontrollieren bzw. regulieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass DeFi eine neue Stufe in der Entwicklung von Krypto-Asset-Ökosystemen darstellt, obwohl sie noch immer relativ begrenzt ist.

Autor
Autorin

Stefanie Herrnberger ist als freiberufliche Referentin und Redakteurin tätig. Ihre langjährige berufliche Erfahrung im Bereich der Industrie 4.0, Digitalisierung und Blockchain bieten ihr den perfekten Background, um über Anwendungsfälle der Distributed-Ledger-Technologie in der globalen Industrie und Wirtschaft zu berichten.

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