Coinbase tokenisiert Aktien! Zentrum in Abu Dhabi genehmigt

Das Wichtigste in Kürze
- Coinbase hat von der Finanzaufsicht des Abu Dhabi Global Market eine Lizenz erhalten und baut dort sein internationales Zentrum für tokenisierte Wertpapiere auf.
- Die Token sollen vollständig mit echten Aktien hinterlegt sein und den Haltern Dividenden sowie Stimmrechte verschaffen. Ein Wertpapierdepot ist nach Unternehmensangaben nicht erforderlich.
- Das Kleingedruckte schränkt das ein. Stimmrechte hängen an Haltefristen, und für die Rückgabe der Token wird doch ein Bank- oder Depotkonto benötigt.
Coinbase baut Tokenisierungszentrum in Abu Dhabi
Die Kryptobörse Coinbase hat am 11. August eine Erlaubnis der Financial Services Regulatory Authority erhalten. Die Behörde beaufsichtigt den Abu Dhabi Global Market, das Finanzzentrum der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.
Die Lizenz erlaubt es dem Unternehmen, Anlagegeschäfte zu vermitteln und Vermögenswerte zu verwahren. Auf dieser Grundlage soll das internationale Zentrum für tokenisierte Wertpapiere entstehen.
Coinbase begründet den Schritt mit fehlendem Zugang zu Kapitalmärkten. Vier Milliarden Menschen weltweit seien ausgeschlossen, nicht aus Mangel an Mitteln, sondern weil das System nie für sie gebaut worden sei.
„Bisher hat kein großes Finanzzentrum einen Rahmen geschaffen, der tokenisierte Aktien gleichzeitig als Wertpapiere, als Blockchain-native Token und als in DeFi einsetzbare Vermögenswerte behandelt“, sagte Brett Tejpaul, Co-Chef von Coinbase Institutional.
Coinbase has established Abu Dhabi (ADGM) as our international tokenization hub.
Our newly acquired FSRA license means that we can now bring global securities to anyone with a wallet.
The next frontier of global finance is onchain, and we’re building it from the UAE. pic.twitter.com/nwPvHrWJYw
— Coinbase 🛡️ (@coinbase) August 11, 2026
Abu Dhabi ist nicht der einzige Standort in der Region. In Dubai baut Coinbase parallel ein globales Zentrum für Derivate auf.
Was die Token bieten sollen
Die in Abu Dhabi ausgegebenen Wertpapiertoken sollen nach Unternehmensangaben vollständig mit den zugrunde liegenden Aktien hinterlegt sein. Verifizierte Halter erhalten demnach volle Aktionärsrechte einschließlich Dividenden und Stimmrechten.
Der zentrale Unterschied zum klassischen Weg liegt beim Zugang. Anleger benötigen nach Darstellung von Coinbase weder ein Wertpapierdepot noch eine Korrespondenzbank, sondern lediglich eine Wallet.
Gleichzeitig behält sich das Unternehmen weitgehende Eingriffsrechte vor.
„Jede Übertragung unterliegt einer laufenden Sanktionsprüfung, und wir können Vermögenswerte auf Wallet-Ebene einfrieren oder beschlagnahmen, wo dies erforderlich ist“, heißt es in der Mitteilung.
Damit unterscheidet sich das Produkt deutlich von frei übertragbaren Token. Coinbase begründet die Kontrollmöglichkeit damit, dass dezentrale Anwendungen und regulatorische Anforderungen so nicht in Konflikt gerieten.
Das Kleingedruckte schränkt ein
In den Fußnoten der Mitteilung finden sich zwei Einschränkungen, die in der Ankündigung selbst nicht auftauchen.
Erstens sind die Wertpapiertoken an Haltebedingungen geknüpft. Nur Halter, die diese erfüllen, dürfen bestimmte Rechte ausüben, darunter das Stimmrecht. Dividenden werden automatisch wieder angelegt.
Zweitens gilt der beworbene Verzicht auf ein Depot nicht durchgängig. Wer seine Token gegen die zugrunde liegenden Aktien zurückgeben will, benötigt dafür laut Coinbase ein Bank- oder Depotkonto, das den Erlös aufnehmen kann. Ohne Depot lässt sich also handeln, aber nicht ausbuchen.
Für den europäischen Markt bleiben Fragen offen. Tokenisierte Aktien fallen nicht unter die Kryptoverordnung MiCA, sondern unter das Wertpapierrecht. Welche Länder Zugang erhalten, hat Coinbase bislang nicht mitgeteilt.
Der Vorstoß trifft auf einen Markt, der in Bewegung ist. Namhafte Vermögensverwalter und Banken bringen Fonds, Anleihen und Aktien zunehmend auf Blockchains. Coinbase selbst hatte erst am 6. August in Großbritannien den Handel mit US-Aktien gestartet.
