Coinbase-CEO geschockt: Verfehlt der CLARITY Act sein Ziel?

Das Wichtigste in Kürze

  • Coinbase-CEO Brian Armstrong kritisierte die neueste Fassung des CLARITY Acts hart. Der Finanzausschuss des Senats reagierte auf die Kritik und legte die Arbeit am Gesetz auf Eis.
  • Laut Armstrong sei die Einflussnahme durch Banken zu groß, die augenscheinlich versuchen, ihre Konkurrenz – die Kryptobranche – durch das Gesetz auszuschalten.
  • Auch die Kontrolle, welche staatliche Akteure über DeFi ausüben sollen, sei zu groß.

Coinbase-CEO geschockt: Verfehlt der CLARITY Act sein Ziel?

Coinbase-CEO Brian Armstrong zeigt sich nach der Bekanntgabe eines neuen Gesetzesentwurfes in den USA geschockt. Der CLARITY Act wurde von US-Senatoren zuletzt derart stark verändert, dass er sein eigentliches Ziel verfehlt, argumentierte Armstrong.

Zum Beginn der Woche veröffentlichte der Finanzausschuss des US-Senats eine angepasste Version des Entwurfs. Dutzende Veränderungen wurden von den Politikern bis dahin vorgenommen, die teils schwer wiegen.

Im Juli 2025 hatte das US-Repräsentantenhaus eine ursprüngliche Version des Gesetzes verabschiedet. Im Vergleich zu aktuellen Versionen zeichnete sich diese durch mehr Freiheiten, weniger Restriktionen und geringere staatliche Einflüsse aus.

Am Donnerstag sollte der Finanzausschuss über die finale Version des Entwurfs abstimmen, bevor dieser dem gesamten Senat zum Ende des Monats vorgelegt werden sollte. Wegen der immensen Kritik an dem jüngsten Konzept, kommt dieser Zeitplan allerdings durcheinander.

“Nach Prüfung des Entwurfs des Finanzausschusses über die letzten 48 Stunden, kann Coinbase den Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form leider nicht unterstützen”, schrieb Armstrong am Mittwoch über X und kündigte somit die Unterstützung für ein Gesetz auf, das er lange Zeit unterstützt hatte.

Das Problem: Die neuesten Veränderungen sind zu drastisch und belegen eine deutliche politische Einflussnahme. Ursprünglich als Grundlage für die rechtssichere Nutzung von Krypto in den USA konzipiert, würde CLARITY die Freiheiten der Kryptobranche in den USA wieder deutlich beschneiden.

“Es gibt zu viele Probleme [mit dem Gesetzestext]”, argumentiert Armstrong. Er nennt ein praktisches Verbot tokenisierter Aktien und die geplante Überwachung des DeFi-Sektors als Beispiele.

Auch die Verschiebung der Aufsicht über die Kryptobranche zugunsten der SEC und zum Nachteil der CFTC, kritisiert der US-Amerikaner. Zudem dürften Stablecoins ihre bisherigen Renditen nicht mehr auszahlen. Sparkonten der Banken blieben dann weiterhin ohne ernst zu nehmende Konkurrenz.

Nach harter Kritik: US-Senat verwirft CLARITY-Entwurf

Nach der harten Kritik der Kryptobranche verwarf der US-Senat seinen neuesten CLARITY-Entwurf zumindest vorläufig. Das anberaumte Treffen des Finanzausschusses am Donnerstag wurde kurz vorher abgesagt.

Laut Crypto in America sei dies eine direkte Reaktion der Senatoren auf die Kritik gewesen. Besonders überzeugend hätten Armstrongs Aussagen auf den Ausschuss gewirkt, dem Armstrong als ursprünglicher Unterstützer bekannt ist.

Armstrong warnte auf X vor einem schlechten Gesetz. Es sei nötig, den Gesetzestext vorab richtigzustellen, da dieser die Konditionen andernfalls verschlechtern würde.

“Diese Version wäre wesentlich schlechter als der Status quo. Wir hätten lieber gar kein Gesetz als ein schlechtes Gesetz. Hoffentlich können wir gemeinsam einen besseren Entwurf ausarbeiten”, schrieb der Coinbase-Geschäftsführer.

Kurze Zeit später veröffentlichte der Fernsehsender CNBC ein Interview mit Armstrong. Dort legte er seine Kritik noch genauer dar. Die vorhandenen Fehler nach einer vollständigen Verabschiedung des Gesetzes zu bereinigen, sei zu schwierig.

Armstrong sieht Einfluss von Banken als Gefahr für Krypto-Gesetz

In seiner aktuellen Fassung dürfe CLARITY deshalb nicht bestätigt werden, warnt er. Armstrong strebt die Erstellung eines neuen Entwurfs an. Die Idee eines bundesweiten Krypto-Gesetzes hat er demnach noch nicht aufgegeben.

“Wir können nicht zulassen, dass Banken Einfluss auf dieses Gesetz ausüben, um ihre Konkurrenten auszuschalten”, sagte Armstrong. “Die Bürger sollten mehr Geld für ihre Rücklagen erhalten. Stablecoins bieten dafür eine gute Option.”

Der 42-Jährige befürchtet demnach eine Einflussnahme der Banken auf das Krypto-Gesetz. Weil sich der Senat zum Steigbügelhalter machen ließ, sei dieser Einfluss bereits in der jüngsten Fassung zu erkennen. CLARITY würde in dieser Form keine gerechte Grundlage mehr schaffen.

Banken sollten keine Sonderrechte genießen. Schließlich haben sie kein Monopol auf die Vergabe von Krediten. Stablecoins würden eine Rendite von bis zu 3,80 Prozent liefern, während Banken ihren Kunden nur 0,14 Prozent Zinsen zahlen. Die Nutzung von Stablecoins würde die Finanzsicherheit sogar verbessern, argumentiert der Coinbase-CEO.

“Die Banklizenz erlaubt ein Teilreservesystem. Das wenden wir nicht an. (…) Stablecoins verfügen über eine 100-prozentige Reserve.”

CLARITY bedrohe Krypto in seiner derzeitigen Fassung. Mehrere Finanzprodukte seiner Krypto-Börse würden durch das Gesetz nun ausgelöscht, meint Armstrong.

“Falls das ein Geschenk an die Banken sein soll, dann bleibe ich lieber bei GENIUS, was schon verabschiedet ist”, fasst Armstrong zusammen.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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