Französische Notenbank hat blockchainbasierten Euro getestet

Aus Sicht der Politik ist die Abschaffung von Bargeld erstrebenswert. Immerhin bietet Bargeld zahlreiche Nachteile in Anbetracht der Geldpolitik. Außerdem bietet Bargeld auch Korruptionspotenzial durch Steuerhinterziehung.

Dementsprechend erscheint die Einführung einer digitalen Währung als sinnvoll und wahrscheinlich. Bereits im vergangenen Jahr gab die Politik zu verstehen, dass die Entwicklung eines digitalen Euros geprüft werde.

Nun gab die Banque de France, die französische Notenbank, zu verstehen, dass sie die Währung erfolgreich getestet habe.

Banque de France testet blockchainbasierten Euro

Aus einer Pressemitteilung der Banque de France vom 20. Mai 2020 geht hervor, dass diese aktuell eine digitale Version des Euros testet.

Durch den Test soll sichergestellt werden, dass die Europartner aktiv nach Verbesserungsmöglichkeiten für die Einheitswährung forschen. Insbesondere die Funktionsweise der Finanzmärkte ließe sich durch die Einführung einer solchen Digitalwährung maßgeblich verbessern.

Im Rahmen der Testphase hat die französische Notenbank am 14. Mai eine eigenständige Blockchain entwickelt. In einem ersten Test, welcher in Zusammenarbeit mit der Société Générale erfolgte, konnte die Blockchain erfolgreich getestet werden.

Die Société Générale ist eine der wichtigsten Geschäftsbanken Frankreichs. Neben der Credit Lyonnais und der BNP Paribas gehört das Unternehmen zu den drei ältesten Banken des Landes.

Dementsprechend erhielt das Unternehmen auch die Einstufung als systemisch bedeutsames Finanzinstitut. Deswegen unterliegt die Bank auch einer schärferen Überwachung – einschließlich höheren Anforderungen an das vorzuhaltende Eigenkapital.

Französische Notenbank kündigte weitere Tests an

Im Rahmen des ersten Tests hat die Société Générale rund 40 Millionen Euro an besicherten Anleihen ausgegeben. Diese Anleihen wurden mithilfe der digitalen Zentralbankwährung des Euros ausgegeben.

„Dieses Projekt wurde durchgehend mithilfe von Blockchain-Infrastrukturen durchgeführt. Es verdeutlicht die Realisierbarkeit einer digitalen Abwicklung von Finanztiteln sowie der Lieferung von Finanztiteln in Form einer CBDC für Interbankabwicklungen.“ – Statement der Société Générale

Nach dem Erfolg des ersten Tests plant die Banque de France in den kommenden Wochen die Durchführung weiterer Experimente.

An den Projekten sollen weitere französische Finanzinstitute teilnehmen. Hierbei finden Banken Berücksichtigung, die sich seit dem 27. März 2020 für die Erprobung einer Central Bank Digital Currency beworben haben.

Gemäß den Aussagen der französischen Notenbank sei das Interesse der Banken sehr hoch ausgefallen. Die hohe Relevanz verdeutliche etwa die hohe Anzahl der Anträge und Bewerbungen wieder.

Auch die Dynamik des Finanzplatzes Paris sei mit Blick auf die technischen Innovationen im Finanzsektor besonders hoch. Dementsprechend ist das Interesse aus Sicht der Banken keine wirkliche Überraschung.

Erfahrungen dienen der weiteren Optimierung der Euro Coin

Die Ergebnisse der aktuellen Feldversuche sind ein wichtiger Bestandteil der weiteren Entwicklung. Mithilfe der ersten Tests soll die französische Zentralbank herausfinden, ob die Einführung einer blockchainbasierten Währung überhaupt einen Mehrwert bietet.

Bereits in der Vergangenheit gab es Experimente, die sich mit der Entwicklung einer CBDC befassten. So emittierte unter anderem die Société Générale im April 2018 Anleihen im Wert von 100 Millionen Euro.

Die Emission erfolgte allerdings in Form von Security Tokens – die Abrechnung fand zu diesem Zeitpunkt aber in Euro statt. Dahingegen kam diesmal der digitale Euro zum Einsatz.

Aus Sicht der Investmentbank war der aktuelle Test ein Schritt in die richtige Richtung. Immerhin möchte die Bank die innovativsten Technologien einsetzen, um die Bedürfnisse der Kunden optimal zu erfüllen.

Allerdings zeigt sich auch, dass die Banque de France eine Evolution vollzieht. Während zu Beginn des Experiments noch eine Optimierung von Clearing und Settlement im Raum stand, fokussieren die neuen Tests nun einen ganzheitlichen Ansatz.

Gleichwohl gab die Notenbank am 20. Mai auch zu verstehen, dass sie sich im ersten Schritt eher um Großhandelsanwendungsfälle kümmere. Eine Substitution von Bargeld und anderen Kryptos sei nicht geplant.

EZB mit Interesse an einer CBDC

Auch aus Sicht der EZB scheint die Einführung einer digitalen Euro Coin durchaus wünschenswert. Dies hat gleich mehrere Gründe:

  1. Bessere Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen
  2. Effektive Steuerung der Geldmenge
  3. Einhaltung des Geldwäschegesetzes
  4. Förderung des Konsums durch Steuerung des Geldes

Dementsprechend gab die EZB auch zu verstehen, dass sie bereit sei, eine eigene digitale Währung zu emittieren, wenn der private Sektor nicht dazu in der Lage ist, grenzüberschreitende Zahlungen abzuwickeln. Insgesamt scheint es, als ob die EZB einen digitalen Euro begrüßen würde.

Fazit: blockchainbasierter Euro bietet Potenzial

Die Banque de France testet eine Blockchainlösung für den CBDC Euro. Wie aus der entsprechenden Pressemitteilung hervorgeht, verlief der Test positiv und die Société Générale konnte Anleihen im Wert von 40 Millionen am Markt platzieren.

Insbesondere aus Sicht der Zentralbank ist die Einführung einer CBDC wünschenswert. Auch die Politik könnte von diesem Ansatz profitieren und bei einer gleichzeitigen Abschaffung des Bargelds die Steuereinnahmen signifikant erhöhen.

Aus meiner Sicht sind die erfolgreich verlaufenden Tests eine positive Meldung. Eine CBDC könnte die allgemeine Akzeptanz von Kryptowährungen positiv beeinflussen. Allerdings ist eine kurzfristige Einführung einer solchen Währung eher unwahrscheinlich.

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