Deutschland manövriert sich bei Kryptowährungen ins Abseits

Deutschland forciert Regulierung von Kryptowährungen

Der Markt für Kryptowährungen verzeichnet ein rasantes Wachstum. Mittlerweile existieren mehr als 2.800 Kryptowährungen, welche eine Marktkapitalisierung von mehr als 265 Milliarden US-Dollar aufweisen. Dabei ist Bitcoin die wohl bekannteste und zugleich wertvollste Digitalwährung. Die Marktkapitalisierung des BTC liegt bei knapp 150 Milliarden US-Dollar. Und trotz einer überdurchschnittlichen Volatilität gewinnen die digitalen Währungen zunehmend das Interesse der Anleger. Für Staaten bedeutet die Adaption ein Risiko, denn die klassischen Währungsmonopole geraten ins Wanken. Durch harte Restriktionen und Verbote versucht die Bundesregierung diesem Trend entgegenzusteuern. Die Geschichte zeigt, dass eine abwehrende Haltung nicht immer die richtige Reaktion war.

Deutschland plant die Regulierung der Krypto-Märkte

Aus Sicht der des aufmerksamen Privatanlegers waren die vergangenen Wochen der Bundesregierung nicht sonderlich erfolgreich. Die SPD, Mitglied der aktuellen Bundesregierung, macht sich für die Einführung neuer Steuern stark. Insbesondere Anleger geraten ins Visier der Partei und sollen durch höhere Steuern einen weiteren Beitrag zur Finanzierung des Staates beitragen. Zeitgleich befasst sich die Bundesregierung auch mit der Regulierung von Kryptowährungen. Hier stehen die Verwahrstellen der digitalen Anlageklassen im Fokus der Regierung. Eine Umsetzung des Vorhabens könnte Deutschland weiter ins Abseits manövrieren.

Dabei wächst der Markt für Kryptowährungen kontinuierlich – mittlerweile sind mehr als 2.800 Währungen handelbar. Allein Bitcoin kommt auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 150 Milliarden US-Dollar und ist somit fast soviel wert wie SAP – das wertvollste deutsche Börsenunternehmen.

Mit dem beschlossenen Gesetzesentwurf für die fünfte EU-Geldwäscherichtlinie plant die Regierung nun die Regulierung von Kryptowährungen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Verwahrung von Kryptowährungen ohne eine explizite Erlaubnis der BaFin möglich.

Jahreswechsel stellt Krypto-Verwahrstellen in Deutschland vor Herausforderungen

Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen Verwahrstellen von Kryptowährungen eine Genehmigung der BaFin besitzen, um ihre Geschäftstätigkeit durchzuführen. Für bestehende Anbieter ist diese Genehmigung bis zum 1. Februar 2020 einzuholen. Schlussendlich ist die Bestätigung bis zum 30. Juni 2020 einzureichen.

Des Weiteren ist sich die aktuelle Bundesregierung einig, dass private Stablecoins keine Freigabe erhalten sollen. Erst 2019 kündigte Facebook die Stablecoin Libra an. Diese Währung soll auf einem Währungskorb basieren und somit die hohe Volatilität anderer Digitalwährungen ablegen. Somit wäre die Währung besonders wertstabil und aufgrund der technischen Beschaffenheit leicht handelbar. Zu den Vorteilen einer solchen Währung zählen die geringen Transaktionskosten, die hohe Liquidität und die internationalen Einsatzmöglichkeiten. Allerdings verliert der Staat die Möglichkeit, die verfügbare Geldmenge zu steuern.

Laut Facebook könnten vor allem Menschen aus Staaten mit einer hohen Inflation von der Währung profitieren. Für Experten könnte die enorme Reichweite von Facebook dazu beitragen, dass die Währung eine breite Adaption erfährt.

„Als stabiles Instrument zur Wertaufbewahrung mit geringen Wechselkursschwankungen, einem kostengünstigen Peer-to-Peer-Geldtransfer und als Rechnungseinheit könnte Libra für künftige Nutzer sehr attraktiv werden.“ – Thomas Mayer, Chefvolkswirt und Leiter des Flossbach von Storch Research Institute in Köln.

Politischer Widerstand beeinflusst Libra

Doch neben der Bundesregierung haben sich auch Donald Trump und die französische Regierung für eine Regulierung von Libra ausgesprochen. Als direkte Reaktion haben sich Partner wie eBay und PayPal aus dem Prjekt zurückgezogen.

Nichtsdestotrotz stellen Stablecoins auch in Zukunft eine Herausforderung für Staaten dar – das Verhindern sollte nur schwer umsetzbar sein. So würde ein Verbot nur dazu beitragen, dass sich ein Schwarzmarkt für diese Währungen bildet. Ein Schwarzmarkt sorge allerdings dafür, dass nur wenige Leute die Vorteile der Blockchain-basierten Währungen nutzen können. Für Mayer ist die Schweiz ein Vorbild in Sachen liberaler Regulierung – hier befindet sich auch der Sitz der Libra Association. Die Schweizer Regierung zeigt sich stets aufgeschlossen und heißt Krypto-Projekte willkommen.

Der von der Bundesregierung vorgestellte Gesetzesentwurf geht sogar noch weiter, als es die Vorgaben der EU verlangen. So verlangt die EU lediglich, dass Krypto-Handelsplattformen und Verwahrstellen in Zukunft dem Geldwäschegesetz unterliegen.

Handelsplätze und Verwahrstellen reagieren unterschiedlich auf Deutschlands Krypto-Kurs

Aufgrund des restriktiven Vorgehens der Bundesregierung kündigte beispielsweise Bitpay, ein führender Zahlungsanbieter für Krypto-basierte Zahlungen, die Aufgabe des Deutschlandgeschäfts an. Andere Handelsplattformen und Verwahrstellen, beispielsweise die Börse Stuttgart, heben dahingegen die Vorteile der Regulierung hervor.

Ulli Sparnkowski, Chief Digital Officer der Börse Stuttgart, sieht einige Vorteile in der klaren Regulierung.

„Wenn unser Kryptoverwahrer künftig eine Erlaubnis der Behörden einholen muss und unter deren Aufsicht steht, schafft das regulatorische Klarheit und dürfte auch bei Kunden auf positive Resonanz stoßen“

Gemeint ist die Tochtergesellschaft der Börse Stuttgart, die Euwax AG. Kunden, die mithilfe der App Bison in Kryptowährungen investieren, benötigen keine dedizierte Wallet. Stattdessen übernimmt die Euwax AG die treuhänderische Verwahrung der digitalen Assets.

Außerdem könnten in Zukunft neue Anlagen auf Kryptowährungen entstehen. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass dieser Ansatz nicht dem initialen Dezentralisierungsgedanken einer Kryptowährung entspricht.

Fazit: Deutschland wandelt bei Kryptowährungen auf einem schmalen Grat

Seit dem Jahreswechsel müssen neue Krypto-Verwahrstellen und Handelsplätze eine Lizenz der BaFin besitzen. Für alle bestehenden Anbieter muss diese Lizenz spätestens zum 30. Juni 2020 vorliegen, da ansonsten keine Betriebserlaubnis vorliegt. Aus Sicht der Anbieter ist dieses restriktive Vorgehen ärgerlich, denn Deutschland implementiert die EU-Vorgaben weitaus schärfer als gedacht.

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden des deutschen Vorgehens hat Bitpay den Rückzug vom deutschen Markt bestätigt. Die Börse Stuttgart, die durch die mobile App Bison den Handel von Digitalwährungen unterstützt, zeigt sich offener für die Regulierung. Demnach sollen vor allem Kunden von diesem Vorgehen profitieren.

Persönlich betrachte ich die regulatorischen Vorgaben eher kritisch. Einerseits ist es zwar sinnvoll die Handelsplätze und Verwahrstellen zur Einhaltung des Geldwäschegesetzes zu verpflichten. Andererseits entspricht die avisierte Regulierung nicht dem dezentralen Gedanken der Blockchain-Technologie. Dementsprechend sollte sich auch Deutschland an die Vorgaben der EU halten und die Regulierung auf einem verträglichen Niveau vornehmen.

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