Volksbank prüft Krypto-Handel – Sparkassen-Chef ist skeptisch

Bereits vor einigen Wochen wurden erste Gerüchte bekannt, dass die Sparkasse an einer Möglichkeit arbeitet, Kryptowährungen direkt über das eigene Bankkonto kaufen zu können. Auf der aktuellen Jahrespressekonferenzen des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und der Sparkassen äußerten sich die Präsidenten der Institute zu den aktuellen Krypto-Plänen.

Während die Sparkasse offenbar wieder Abstand von den Plänen nimmt, sind die Volksbanken einen großen Schritt weiter und arbeiten bereits an einem Prototyp.

Sparkassenpräsident: Kryptowährungen sind wie Glücksspiel

Im März haben die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen ihre Jahrespressekonferenz abgehalten. Unter anderem sprachen auch die Präsidentin des BVR, Marija Kolak, und der Präsident der Sparkassen, Helmut Schleweis.

Die anwesende Presse stellt unter anderem Fragen zum Krypto-Handel und ob die Institute ihren Kunden Zugang zu entsprechenden Möglichkeiten bieten wolle. In dem Zusammenhang könnten die Aussagen der beiden Präsidenten kaum unterschiedlicher sein.

Präsidentin Kolak erklärte, dass man eine Nachfrage der Kunden nach Kryptowährungen registriert habe und man sich dessen nicht verschließen wolle. So arbeitet das Institut offenbar sogar schon an einem Prototyp, der den Handel ermöglichen soll. Damit ist man über theoretische Planspiele also schon um einiges hinaus.

Bei den Sparkassen sieht das aber offenbar anders aus. Zumindest sprach Helmut Schleweis sich deutlich gegen eine Integration von Krypto-Wallets in das Banking seiner Kunden aus. Er verglich Investitionen in den Krypto-Markt sogar mit Glücksspiel.

Volksbanken prüfen Krypto-Handel – Sparkassen-Chef winkt ab

Schleweis erklärte, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sein Institut seine Kundinnen und Kunden dazu animieren würde, Kryptowährungen zu kaufen. Er sagt, das sei „ein bisschen wie der Gang zum Spielcasino. Das wird nicht mit der Beratung der Sparkasse stattfinden.“

Seine Meinung beruhe jedoch ausschließlich auf seinem Bauchgefühl und ist keine endgültige Entscheidung. Das finale Wort hat das Sparkassengremium, welches derartige Fragen gemeinschaftlich klärt und in Abstimmung geht.

Ende 2021 wurde jedoch erstmals bekannt, dass die Sparkasse offenbar schon konkrete Pläne verfolgt und an einer Lösung für den Handel mit Kryptowährungen arbeitet. Unklar ist daher, ob es sich damals um Falschmeldungen handelte oder ob Schleweis diesen Umstand in seinen Aussagen vergessen hat.

Noch im ersten Halbjahr 2022 soll das Gremium den damaligen Berichten zufolge eine Entscheidung treffen. Es bleibt spannend, ob das Gremium dem Bauchgefühl des Chefs oder der Nachfrage der Kundschaft folgt.

Etwas anders sieht das offenbar bei den Volks- und Raiffeisenbanken aus. Präsidentin Kolak berichtete, dass man sich „schon einige Zeit“ mit der Blockchain-Technologie beschäftige. Man wolle sich dem Marktbedarf „definitiv nicht verschließen“, erklärte die auf der Pressekonferenz am 22. März 2022.

Das Institut bemerke, dass Kryptowährungen und der Handel immer beliebter werden und man wolle diesen Bedarf decken. Doch auch Kolak mahnte, dass es sich um eine hochspekulative Anlageform handle, mit der sorgsam umzugehen sei.

Prototyp bereits in Entwicklung

Der BVR prüfe aktuell alle Rahmenbedingungen. Man wolle auf jeden Fall vermeiden, dass sich über den Handel und die Verwahrung von Kryptowährungen illegale Aktivitäten fördern lassen. Auch muss ein umfangreiches Beratungskonzept stehen, damit man die Kunden bestmöglich beraten und informieren kann.

Die tatsächliche Entscheidung, ob man seinen Kunden den Handel mit Kryptowährungen und ein Wallet anbietet, ist noch nicht final getroffen.

Vieles hängt wohl auch davon ab, welche Erfahrungen man mit dem in Entwicklung befindlichen Prototyp sammeln kann. Die DZ Bank und die Deutsche Wertpapierservicebank (DWP) arbeiten gemeinsam an einer digitalen Geldbörse.

Sollte diese funktionieren und von den Kunden genutzt werden, dürfte einer Einführung über alle interessierten Banken des BVR nichts im Wege stehen.

Fazit: Konservative Sparkassen – aufgeschlossene Volksbanken

Für Sparkassen-Chef Schleweis steht fest: kein Bitcoin bei der Sparkasse. Er könne sich nicht vorstellen, dass sein Institut den Kunden den Weg in die Krypto-Welt ebnet.

Zwar entscheidet final das Gremium der Sparkassen, doch sickerte bislang außer der Meinung des Präsidenten noch kein Stimmungsbild durch. Die Volksbanken und ihre Präsidentin Marija Kolak sind da bereits einen Schritt weiter und arbeiten an einem Prototyp.

In ein paar Monaten wissen wir wahrscheinlich mehr. Sollten auf einen Schlag Millionen deutsche Kundinnen und Kunden Zugriff auf Kryptowährungen erhalten, wäre dies ein wichtiger Meilenstein für Bitcoin, Ethereum und Co. Wie auch immer die finale Entscheidung der Institute lautet, wir werden darüber berichten und die Situation weiterhin genau beobachten.

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Jens Kerkmann interessierte sich bereits während seines Studiums im Bereich Wirtschaftsinformatik für die Themen Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Bis heute begleitet ihn die Materie in seinem Alltag und Berufsleben und er ist als Autor für Ratgeberartikel und Nachrichten aus dem Blockchain- und Digitalisierungsumfeld tätig.

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