Stablecoin-Steuer in Frankreich verabschiedet: So teuer wird es

Das Wichtigste in Kürze
- Frankreich plant die Ausweitung der bestehenden Kapitalertragsteuer. Diese könnte bereits ab 2027 beim Tausch zwischen Kryptowährungen und Stablecoins gelten.
- Anleger müssten dann pauschal 31,4 Prozent auf ihre eingenommenen Gewinne zahlen. Die Nationalversammlung bestätigte die Gesetzesänderung am Freitag als Teil des Haushaltsgesetzes 2027, das sich in Bearbeitung befindet.
- Gesetzeslücken könnten eine Verlagerung der Nutzeraktivität von CeFi zu DeFi verursachen. Die Steuer ließe sich dort nach aktuellem Stand illegal und legal umgehen.
Stablecoin-Steuer in Frankreich verabschiedet: So teuer wird es
Eine Stablecoin-Steuer wurde am Freitag in Frankreich verabschiedet. In der Krypto-Szene erregte der neue Gesetzesentwurf bereits mächtige Aufmerksamkeit, steht er doch exemplarisch für eine zunehmend strenge Besteuerung des Kryptomarkts in der Europäischen Union.
Forbes berichtete über die Abstimmung in der französischen Nationalversammlung, die zum Vorteil des Entwurfs endete – mit einem Verhältnis von 38 Für- zu 37 Gegenstimmen. Es gab 25 Enthaltungen. Dabei handelte man die Gesetzesänderung I-3898 ab, welche den Tausch von Kryptowährungen zu Stablecoins zu einem Steuerereignis machen möchte.
🇫🇷 France Just Voted To Tax Your Stablecoin Swaps.
38 votes to 37.
From 2027, swapping into USDC or EURC triggers 31.4% on your gain.
We mapped crypto tax across 166 countries ↓
→ 🇯🇵 Japan : 55%
→ 🇩🇰 Denmark : 52%
→ 🇦🇺 Australia : 45%
→ 🇺🇸 United States : 37%
→ 🇫🇷… pic.twitter.com/vBC7QkGOx9— Chain INK (@0xchainink) October 20, 2026
Die neue Regelung stellt insofern eine Besonderheit dar, als ein Verkauf der Kryptowährungen gegen eine Fiatwährung nicht mehr notwendig wäre, um ein Steuerereignis auszulösen.
Sollte das Gesetz wie erwartet in Kraft treten, würde auf französische Anleger eine pauschale Kapitalertragsteuer in Höhe von 31,4 Prozent auf realisierte Gewinne zukommen.
Die Gesetzesänderung würde als Teil des Haushaltsgesetzes 2027 verabschiedet. Neben der Zustimmung zur Änderung des Gesetzestextes muss die Nationalversammlung nun den relevanten Teilabschnitt und das Gesetz in seiner Gesamtheit bestätigen.
Ferner benötigt das Haushaltsgesetz noch den Segen des französischen Senats, bevor es vom Präsidenten der Republik ratifiziert werden kann.
Die Nationalversammlung plant die Durchsetzung der neuen Stablecoin-Steuer ab dem 1. Januar 2027. Ihre Erfolge im weiteren Gesetzgebungsprozess entscheiden, ob dieses Fälligkeitsdatum bestehen bleibt.
Auf X reagierte die Krypto-Szene überwiegend mit Enttäuschung und Kritik auf die Bestrebungen der französischen Abgeordneten. Das Verständnis für die Erhebung einer weiteren Abgabe scheint gering.
Warum Krypto-Gesetze vermehrt auf Probleme stoßen
Die Steuer soll laut bisherigem Gesetzestext wohl nur auf solche Stablecoins erhoben werden, die laut MiCA als EMTs gelten. EMTs sind nach aktueller Definition all jene Stablecoins, die eine Fiatwährung 1:1 abbilden und sich gegen diese tauschen lassen.
In der Praxis wären dann verschiedene Stablecoins von der Besteuerung ausgeschlossen – etwa algorithmische Stablecoins oder solche Token, die durch andere Kryptowährungen oder Stablecoins gedeckt werden.
In diese Kategorie dürfte demnach auch DAI fallen, der den US-Dollar über eine Deckung mittels Kryptowährungen und Stablecoins abbildet. Stablecoins wie DAI sind unter MiCA nicht autorisiert und dürfen deshalb nicht mehr auf zentralisierten Krypto-Börsen vertrieben werden.
Der Einsatz solcher Stablecoins als Handelswährung auf DeFi-Plattformen – etwa einem DEX – würde demnach nicht zu einem Steuerereignis führen. Die Kapitalertragsteuer würde also entfallen.
Weil die Kryptobranche oft grenzüberschreitend arbeitet und der Wechsel verschiedener Kryptowährungen untereinander einfach vonstatten geht und dabei schwer zu überwachen ist, wird die EU – wie ihre Mitgliedstaaten – ohnehin immer wieder vor Schwierigkeiten bei der Durchsetzung ihrer Gesetze gestellt.
Erst kürzlich berichtete Blockchainwelt über das Krypto-Gesetz MiCA, das eigentlich eine strenge Regulierung von Krypto-Dienstleistern vorsieht. Praktische Anwendungsfälle zeigen jedoch, dass MiCA nur selten tatsächlich umgesetzt wird.
Das Gesetz scheitert einerseits an einer dafür nötigen Überwachung, die Details über den Kunden aufzeichnen müsste und andererseits möglicherweise auch am internationalen Interesse, die Vorgaben der EU einzuhalten.
Französische Krypto-Investoren könnten ihre Aktivitäten von streng beaufsichtigten zentralisierten Krypto-Börsen zu DEXs verlagern, um die Steuerabgabe dort legal oder illegal zu umgehen.
Für die Einziehung der Kapitalertragsteuer nimmt Frankreich nicht die Krypto-Dienstleister in die Pflicht. Stattdessen verpflichtet das Gesetz die Anleger dazu, wahrheitsgemäße Informationen gegenüber dem französischen Finanzamt (DGFiP) als Teil der Steuererklärung abzugeben.
