Kraken: Erste Krypto-Börse der USA erhält FED Master Account – Meilenstein?

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 2011 gegründete Krypto-Börse Kraken erhält über ihre eigene Bank Kraken Financial einen FED Master Account – als erstes Blockchain-Unternehmen in den USA.
  • Das Konto erlaubt die Abwicklung von Fiat-Zahlungen ohne zusätzliche, außenstehende Geschäftsbank. In der Vergangenheit waren Krypto-Börsen wegen Unstimmigkeiten mit Banken mehrfach an ihren Geschäftstätigkeiten gehindert worden.
  • Banken kritisieren die neue regulatorische Freizügigkeit. Diese sorge für eine Gefährdung der Finanzstabilität. Experten meinen: Banken fühlen sich von Krypto-Firmen bedroht.

Kraken: Erste Krypto-Börse der USA erhält FED Master Account – Meilenstein?

Als erste Krypto-Börse überhaupt erhält Kraken einen FED Master Account in den USA – das teilte das Unternehmen gestern mit. In der Krypto-Szene gilt dies als wichtiger Meilenstein. In Zukunft könnte sich diese regulatorische Freigabe wesentlich auf die Erwachsenwerdung der Kryptobranche auswirken.

“Kraken Financial, unsere in Wyoming zugelassene Bank, hat ein Masterkonto bei der Federal Reserve erhalten”, gab die Krypto-Börse in ihrer Pressemitteilung bekannt.

“Die Entscheidung stellt einen wichtigen Meilenstein dar und unterstreicht das jahrelange nachhaltige Engagement im Bereich der Regulierung, die operative Strenge und die enge Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden der USA und des Bundesstaates Wyoming”, schreibt Kraken.

Das Unternehmen lobt sich in der Mitteilung also für die eigene Zuverlässigkeit und die Umsetzung regulatorischer Vorgaben. Eigentlich gilt ein direkter Zugang zur US-Zentralbank aus anderen Gründen als Meilenstein.

Über Jahre hinweg hatten US-amerikanische Krypto-Börsen mit Debanking zu kämpfen. Im Jahr 2023 brachen mit Signature Bank und Silvergate Bank gleich zwei wertvolle Partner der Kryptobranche weg. Unternehmen wie Binance hatten anschließend Probleme, einen neuen Partner zu finden.

Das Problem: Ohne Bankhaus im Rücken ist es für Krypto-Börsen nicht möglich, Fiat-Transaktionen anzunehmen. Insofern wirkt sich der Verlust der Partnerschaft drastisch auf das Geschäftskonzept aus, das plötzlich gestoppt wird.

Bevor die Trump-Regierung im Januar 2025 vereidigt wurde, lenkte das Biden-Kabinett die Geschicke des Landes. Unter dem Präsidenten Joe Biden übten die Behörden Druck auf Banken aus – viele von ihnen schreckten deshalb vor der Zusammenarbeit mit der Kryptobranche zurück.

Diesen Schwachpunkt kann Kraken durch das eigene Masterkonto stopfen. Die Zusammenarbeit mit einem außenstehenden Bankhaus ist schlicht nicht mehr nötig.

Darum kritisieren klassische Banken die Zulassung der Krypto-Börse

Laut Angaben der Journalistin Eleanor Terrett äußern sich Vertreter klassischer Bankhäuser bereits kritisch über die Zulassung der Krypto-Börse. In der Öffentlichkeit kritisieren die Banken, dass durch den verbesserten Anschluss an das Geldsystem neue Risiken entstünden.

Das Bank Policy Institute habe das Ausbleiben einer Frist für öffentliche Kommentare zur Zulassung Krakens bemängelt. Das Institut habe seine Kritik im Zulassungsprozess der FED Kansas City äußern wollen, konnte dies im Zuge dessen jedoch nicht tun.

Als eine von mehreren Niederlassungen war die FED Kansas City für die Eröffnung eines Masterkontos für Kraken mitverantwortlich. Durch ihr Verhalten habe sie sich regelwidrig verhalten, erklärt das Institut.

Auch die Independent Community Bankers of America (kurz ICBA) äußerten ihren Unmut. Kryptowährungen seien eine Gefahr für die Stabilität des Geldsystems. Kraken hätte daher kein Masterkonto erhalten dürfen. Die Banken befürchten eine zunehmende Verknüpfung zwischen Fiat- und Kryptowährungen.

“Nichtbanken und Krypto-Institutionen Zugang zu den Masterkonten zu gewähren, die traditionell streng regulierten, versicherten Einlageninstituten vorbehalten sind, birgt Risiken für das Bankensystem”, erklärte die ICBA.

Betrachten Banken Krypto als bedrohliche Konkurrenz?

Schon seit Monaten zeichnet sich ein Streit zwischen der Kryptobranche und Bankhäusern ab. Die Kritik der Bankenvertreter an Krakens Masterkonto ist nicht der erste Vorfall. Schon die Schaffung des Gesetzes CLARITY wird seit Monaten durch die Einflussnahme der zwei gegensätzlichen Parteien geprägt und an seiner Vollendung gehindert.

Die wahren Hintergründe der Kritik halten die Banken dabei womöglich im Verborgenen. Vertreter der Kryptobranche glauben, dass sich die klassischen Finanzinstitutionen an modernen Angeboten der Krypto-Firmen stören.

So könnten Stablecoins Anlegern deutlich höhere Renditen zahlen als Bankeinlagen, ohne dabei mit nennenswerten Nachteilen einherzugehen. Ex-Banker Pius Sprenger vermutet: Hinter der Kritik könnten Sorgen über die eigene Zukunftsfähigkeit stehen.

“Banker wie Jamie Dimon sind steinreich geworden, indem sie buchstäblich NULL Zinsen auf Spareinlagen gezahlt und damit hart arbeitende Menschen effektiv verarmt haben. Und jetzt ärgert er sich darüber, dass Krypto-Börsen ihn herausfordern”, schrieb Sprenger.

JPMorgan-Geschäftsführer Jamie Dimon hatte in einem Interview die Auszahlung von Zinsen auf Basis gehaltener Stablecoins kritisiert. Unternehmen, die diese Option anbieten, sollten als Banken reguliert werden.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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