Binance sperrt hunderte Konten: Nutzer manipulieren Krypto-Börse

Das Wichtigste in Kürze
- Die Krypto-Börse Binance sperrt über 600 Nutzerkonten, da diese gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform Binance Alpha verstoßen haben.
- Analysten von Bubblemaps hatten entdeckt, dass ein Binance Alpha Token von einer einzigen Entität massiv manipuliert worden war. Mit einem Anfangsinvest von rund 38.000 US-Dollar erwirtschaftete sie 13 Millionen US-Dollar Gewinn.
- Binance kündigte an, betrügerische Nutzer künftig zu sperren. Beteiligte Blockchain-Analysten erhalten bis zu 50 Prozent der beschlagnahmten Token.
Darum sperrt Binance hunderte Nutzerkonten
Binance, die größte Krypto-Börse der Erde, sperrte kürzlich Hunderte Nutzerkonten – das gab das Unternehmen gestern über X bekannt. Hinter dem Eingriff sollen gezielte Manipulationen stecken, die mittels Bots erfolgen.
Binance Alpha ist eine Plattform, die es Nutzern erlaubt, neue Krypto-Projekte frühzeitig zu entdecken. Über die Plattform können sich die Nutzer dann involvieren, um von den Token ihrer Wahl zu profitieren, noch bevor diese einer breiten Masse bekannt sind. Binance nennt sie “Binance Alpha Token”.
Binance Alpha wendet dafür ein Belohnungssystem an. Nutzer, die die Alpha Token kaufen oder in ihrer Wallet halten, bekommen dafür sogennante “Alpha Points”. Diese können genutzt werden, um Airdrops der Alpha Token freizuschalten.
Binance Alpha ist so aufgebaut, dass eine möglichst breite Nutzerbasis von den Airdrops profitieren kann. Nutzer können deutlich mehr Punkte generieren, wenn sie ein großes Vermögen auf viele Wallets aufteilen.
Analysten von Bubblemaps hatten vor wenigen Tagen aufgedeckt, dass dieses System zu Missbrauch führt. Einzelne Investoren streichen den Großteil der Alpha Token ein, indem sie viele Konten automatisiert – also als Bots – betreiben.
“Eine Entität kontrolliert mehr als die Hälfte der Top-Verdiener unter den COAI Wallets”, hatte Bubblemaps herausgefunden.
BREAKING: One entity controls HALF of the top earning $COAI wallets
Total profit: $13M
What's going on with ChainOpera?🧵 pic.twitter.com/CF4AAA9ReY
— Bubblemaps 泡泡地图 (@bubblemaps) October 16, 2025
Bei ChainOpera AI (COAI) handelt es sich um einen der Binance Alpha Token. Der unidentifizierten Entität, bei der es sich um eine einzelne Person handeln könnte, gelang es, auf diese Weise 13 Millionen US-Dollar zu erwirtschaften.
So manipulieren Kunden die Krypto-Börse Binance
Bubblemaps stellte fest: Einige Kunden manipulieren Binance Alpha, indem sie Bots unterhalten, die eine große Anzahl unabhängiger Wallets betreiben. So scheint es, als hätten viele Wallets keine Verbindung untereinander. Tatsächlich werden diese dann jedoch von derselben Entität betrieben.
COAI erreicht laut Angaben von DappBay 100.000 verschiedene Nutzer. In der Realität könnte diese Zahl jedoch geringer ausfallen. Bubblemaps entdeckte 60 Wallets, die sich augenscheinlich in der Kontrolle derselben Entität befinden. Diese wurden im März über Binance mit jeweils einem BNB finanziert.
Damals notierte die Kryptowährung bei 630 US-Dollar. 60 BNB entsprachen also einem Gesamtwert von 37.800 US-Dollar. Seither führten diese Wallets tausende automatisierte Transaktionen durch.
“Diese 60 Wallets zählen zu den Profitabelsten. Mehr als die Hälfte der 100 besten COAI Trader gehören in Wahrheit derselben Entität”, erläutert Bubblemaps.
Nur drei Tage nach der Enthüllung reagierte Binance gestern. Neben diesen 60 Wallets habe es demnach hunderte ähnliche Fälle gegeben. Alle sogenannten “Bot Farms” wurden inzwischen gesperrt. Mehr als 600 Binance-Alpha-Konten seien betroffen.
“Im Einklang mit unserer Verpflichtung, unsere Nutzer zu schützen und eine gerechte Plattform bereitzustellen, haben wir letzte Woche über 600 Konten gesperrt, die Binance Alpha durch die betrügerische Verwendung automatisierter Tools (beispielsweise Bot-Farmen) missbraucht hatten.”
Dear User,
In-line with our commitment to protect our users and provide a fair platform, last week we banned over 600 accounts that had misused Binance Alpha by fraudulently using automated tools (e.g. “bot farms”).
We are enhancing our user feedback mechanism, and we… pic.twitter.com/97osYbmVqD
— Binance Wallet (@BinanceWallet) October 19, 2025
Um weitere Fälle dieser Art künftig zu verhindern, ruft Binance seine Nutzergemeinschaft zur Mithilfe auf. Betrugsfälle können an die Krypto-Börse gemeldet werden. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, bestraft Binance die Fälle mit Sperrungen. Dabei werden per Airdrop ausgezahlte Token beschlagnahmt.
“Der erste Nutzer, der einen verifizierten Bericht einreicht, kann eine Belohnung von bis zu 50 Prozent der wiedererlangten Einnahmen aus dem gemeldeten Konto erhalten”, erklärte Binance.
Das Versprechen, die Einkünfte gesperrter Nutzer zu teilen, rief in der Krypto-Szene gemischte Reaktionen hervor. Kritiker befürchten, dass eine strenge Überwachung zur Verletzung des Neutralitätsgebots führen könnte.

