Big Tech nutzt Krypto, um KI mit Raubkopien anzulernen?

Das Wichtigste in Kürze
- Big Tech nutzt Kryptowährungen, um geheime Zahlungen zum massenhaften Erwerb von Raubkopien vorzunehmen – zu diesem Ergebnis gelangt Ed Newton-Rex.
- Der Vorwurf trifft die Technologiebranche, nachdem aus jüngsten Gerichtsdokumenten hervorgeht, dass Nvidia die Schattenbibliothek Anna’s Archive genutzt haben soll.
- Durch die Verwendung von Kryptowährungen lassen sich die Geldflüsse des illegalen Geschäfts unmöglich verhindern. Sender und Empfänger können ihre Identitäten verschleiern.
Big Tech nutzt Krypto, um KI mit Raubkopien anzulernen?
Big Tech nutzt offenbar Kryptowährungen, um seine künstlichen Intelligenzen mit Raubkopien anzulernen – das behauptet Ed Newton-Rex von Fairly Trained. Die gemeinnützige Organisation kritisiert damit eine möglicherweise gängige Geschäftspraxis in der KI-Branche, wobei das Urheberrecht von vielen Millionen Menschen verletzt würde.
Kürzlich hatte Torrentfreak in einem Bericht offengelegt, dass Nvidia einen direkten Kontakt zu Anna’s Archive unterhielt. Das US-amerikanische Technologieunternehmen soll dort den Zugang zum gesamten Archiv erworben haben, mit dem man anschließend unterschiedliche große Sprachmodelle (LLMs) gefüttert hat.
NVIDIA allegedly contacted Anna's Archive directly for access to ~500 terabytes of "pirated" books and papers for pre-training their LLMs
Anna's warned them the collections were illegal and copyrighted.
NVIDIA's data strategy team pushed anyway; executives gave the green light… pic.twitter.com/V3VdG9kVa0— Pirat_Nation 🔴 (@Pirat_Nation) January 21, 2026
Torrentfreaks Bericht stützt sich auf Gerichtsunterlagen, die aus einer Urheberrechtsklage stammen. 2024 hatten mehrere Autoren Nvidia vorgeworfen, ihre Werke illegal verwertet zu haben, um künstliche Intelligenzen anzulernen.
Als mögliche Quelle gilt die Schattenbibliothek Anna’s Archive, die derzeit mehr als 120 Millionen Werke umfasst. Es handelt sich bei der Sammlung um unlizenzierte Raubkopien, die jedermann kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
Laut der öffentlichen Darstellung eines augenscheinlichen Vertreters des Archivs, unterhielten die Betreiber nie einen direkten Kontakt zu Nvidia.
“Wir stellen unsere Daten jedem bereit, der sie haben möchte. (…) Wir haben noch nie direkt mit Nvidia zu tun gehabt, daher haben sie wahrscheinlich einen Mittelsmann eingeschaltet, um rechtliche Probleme zu vermeiden”, schrieb ein Reddit-Nutzer mit dem Namen AnnaArchivist.
“Aber wenn Nvidia sich direkt an uns wenden würde, würden wir ihnen gerne einen Hochgeschwindigkeitszugang im Austausch gegen eine Spende zur Verfügung stellen, so wie wir es auch bei allen anderen tun. Und wenn wir das nicht tun würden, würden sie [unser Archiv] einfach [kostenlos] über Torrent herunterladen”, schrieb der Moderator des zugehörigen Subreddits weiter.
Warum Big Tech geheime Geschäfte mit Krypto abwickelt
Anna’s Archive bietet Nutzern verschiedene Möglichkeiten, um Spenden zu hinterlassen. Die Bibliothek nimmt Spenden in Form von Amazon-Gutscheinen an, sie nimmt Banktransfers und Kartenzahlungen entgegen. Für Spenden in Krypto, CashApp oder über die Neobank Revolut erhalten Geldgeber beim Erwerb ihres Premium-Zugangs eine 30-prozentige Preisreduktion.
Die Abwicklung von Zahlungen mittels Krypto bietet Sender und Empfänger entscheidende Vorteile. So können Transaktionen gänzlich verschleiert werden – insbesondere durch die im Trend liegenden Privacy Coins – und Geldflüsse anders als Banktransfers nicht gestoppt werden.
Anna’s Archive nimmt Zahlungen in verschiedenen Kryptos entgegen – dazu zählen Bitcoin, Ethereum und Monero. Unerfahrenen Nutzern empfiehlt man die Verwendung von Bitcoin.
Laut Ed Newton-Rex überwies Nvidia eine Summe von 200.000 US-Dollar an Anna’s Archive in Form einer nicht näher genannten Kryptowährung, um einen Expertenzugang zu erhalten. Diese Angaben sollen ihm Vertreter der Schattenbibliothek persönlich übermittelt haben.
Kürzlich habe Anna’s Archive den Preis des Expertenzugangs verdoppelt. Der gestiegene Preis sei auf eine sehr hohe Nachfrage zurückzuführen.
Newton-Rex vermutet, dass Nvidia kein Einzelfall sein dürfte. Stattdessen soll es sich dabei nur um einen von vielen Vertretern von Big Tech handeln, welche auf das unlizenzierte Archiv zurückgreifen.
“Dies ist die Sammlung, deren Missbrauch für Trainingszwecke Nvidia vorgeworfen wird. Das Training mit Raubkopien ist in der KI-Branche weit verbreitet. Einige der größten Unternehmen haben sich in ihrem von Gier getriebenen Wettlauf um den KI-Markt darauf eingelassen”, schreibt er.
A few months ago I was curious to know how much Anna’s Archive was charging AI developers for access to their massive library of pirated works for training – so I emailed them saying I was interested in buying access.
Here is their reply.
They are charging $200,000 (payable via… https://t.co/vjsNY4bsPX pic.twitter.com/mHQtcY4FPL
— Ed Newton-Rex (@ednewtonrex) January 22, 2026
Fairly Trained, als dessen Geschäftsführer er agiert, setzt sich für eine gerechte Bezahlung für all jene Werke ein, die künstlichen Intelligenzen als Grundlage dienen.
“Wir benötigen dringend einen Neuanfang in der KI-Branche. Sie muss sich vom Diebstahl abwenden und anfangen, die Menschen zu bezahlen, auf deren Arbeit sie angewiesen ist.”

