Mercedes-Benz nutzt die Blockchain in der Kobalt-Lieferkette

Mercedes-Benz forciert Transparenz in der Kobalt-Lieferkette

Die deutsche Premium-Marke Mercedes-Benz fokussiert zunehmend die Nachhaltigkeit des eigenen Kerngeschäfts. Zunehmen mit dem Startup Circulor fährt die Stuttgarter Automobilmarke ein Pilotprojekt für mehr Transparenz bei den CO2-Emissionen beim Abbau von Kobalt. Der Pilotversuch findet im Rahmen des Programms STARTUP AUTOBAHN statt. Die Schlüsseltechnologie zur Realisierung des Geschäftsmodells ist die Blockchain.

Mercedes-Benz und Circulor kooperieren für mehr Transparenz bei der Elektromobilität

Aus einer Pressemitteilung vom 30. Januar 2020 geht hervor, dass die Stuttgarter Automobilmarke Mercedes-Benz und das Startup Circulor im Rahmen des Projekts STARTUP AUTOBAHN zusammenarbeiten. Im Zuge eines ersten Pilotprojekts möchten die beiden Unternehmen die Transparenz der Treibstoffemissionen beim Kobaltabbau steigern. Kobalt gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe zur Produktion von Fahrzeugbatterien.

Dabei setzen die Projektpartner auf die Blockchain-Technologie, welche die Emission klimarelevanter Treibgase dokumentieren soll. Auch Sekundärmaterialien sollen durch die Blockchain aufgezeichnet werden und somit ein besseres Bild über die recht komplexe Lieferkette erzeugen. Weiterhin dokumentiert das generierte Datennetz, ob die von Daimler gesetzten Nachhaltigkeitsstandards über die gesamte Lieferkette eingehalten werden.

Insbesondere die langfristige Vision „Ambition2039“ soll der Marke Mercedes-Benz Automobile in weniger als 20 Jahren zu einer klimaneutralen Pkw-Flotte verhelfen. Für die Erreichung der Vision müssen allerdings detaillierte Informationen zu sämtlichen Prozessen der gesamten Fahrzeugwertschöpfungskette vorliegen. Die Transparenz über die CO2-Emissionen sowie der Einsatz von Sekundärmaterialien in der Supply Chain sind lediglich ein erster Schritt in Richtung des festgelegten Ziels.

STARTUP AUTOBAHN – Projekt zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

Auf dem Weg zum klimaneutralen Hersteller soll das Projekt STARTUP AUTOBAHN zum wichtigen Grundstein avancieren. Zusammen mit Circulor, einem auf die Blockchain-Technologie spezialisierten Unternehmen, möchte Daimler erste Erfahrungen sammeln.

Im ersten Schritt fokussieren sich die Projektpartner auf Kobalt. Der Rohstoff gelangt aus Recyclinganlagen in die Lieferkette des Automobilkonzerns. Die eingesetzte Blockchain soll den Produktionsfluss der Materialien sowie deren CO2-Emissionen aufzeichnen. Auf langfristiger Basis möchte die Premiummarke eine Kreislaufwirtschaft realisieren. Hierfür sollen die entsprechenden Stoffkreisläufe geschlossen werden. Dementsprechend finden sich in der Abbildung des Materialflusses auch die Mengen der recycelten Materialien wieder. Außerdem verdeutlicht das Netzwerk die Einhaltung der folgenden, von Daimler definierten, Nachhaltigkeitsanforderungen:

  • Arbeitsbedingungen
  • Menschenrechte
  • Umweltschutz
  • Sicherheit
  • Unternehmensethik
  • Compliance

Mithilfe der Blockchain möchte der Stuttgarter Konzern erfahren, ob diese Anforderungen auch an die einzelnen Lieferanten der vorgelagerten Supply Chain weitergegeben werden. Folglich erschafft Daimler eine größere Transparenz, die auch über die eigenen Vertragspartner hinausgeht.

Hohe Ziele als Innovationstreiber bei Mercedes-Benz

Markus Schäfer, Vorstandsmitglieder der Daimler AG und Verantwortlicher für die Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, Beschaffung und Lieferantenqualität hat sich wie folgt über das Pilotprojekt geäußert:

„Mit Ambition2039 hat sich Mercedes-Benz Cars hohe Ziele gesetzt. Wir können nur in enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten dorthin gelangen. Der Schlüssel ist die Transparenz: Wir sind bestrebt, alle Prozesse transparent und nachvollziehbar zu machen. Damit legen wir den Grundstein für wirksame Verbesserungen für die Umwelt und für unsere Unternehmen.”

Folglich spielen Partner und Lieferanten eine tragende Rolle bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Rolle lässt sich auf den Beitrag, welchen die Lieferanten zur Automobilproduktion beisteuern, zurückführen. Folglich sollen auch die Teilnehmer der Lieferkette einen umweltverträglichen Umgang mit Ressourcen berücksichtigen. Neben der Datenerfassung spielen auch Schulungsmaßnahmen eine tragende Rolle für die langfristige Zielerreichung. Dementsprechend führt Mercedes-Benz Cars bereits heute Workshops mit Zulieferern durch. Im Ergebnis sollen diese bei der Gestaltung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion mitwirken. Im ersten Schritt sollen die Kooperationspartner Maßnahmen zum verantwortungsvolleren Umgang mit Materialien, welche eine CO2-intensive Verarbeitung erfordern, ausarbeiten. Neben den bereits genannten Batteriezellen stehen auch Stahl und Aluminium im Fokus. Kürzlich teilte die Premiummarke mit, im Rahmen einer Nachhaltigkeitspartnerschaft, klimaneutrale Batteriezellen beziehen zu wollen.

Fazit: Mercedes-Benz transformiert sich zum klimaneutralen Mobilitätskonzern

In den vergangenen Jahren sorgten der Dieselskandal und Investitionen in die Elektromobilität für hohe Investitionen bei Daimler. Folglich standen wichtige Schlüsseltechnologien wie die Blockchain nicht im unmittelbaren Fokus des Konzerns. Dieser Bild scheint sich nun jedoch zu wandeln, denn der Konzern arbeitet aktiv an der Implementierung der Blockchain-Technologie.

Bereits in der jüngeren Vergangenheit kündigte das Unternehmen die Integration von Wallets in die eigenen Fahrzeuge an. Nun steht die Lieferkette im Fokus des neuen Pilotprojekts. So sollen die harten Nachhaltigkeitsanforderungen durch den Einsatz einer Blockchain auch an vorgelagerte Mitglieder der Lieferkette weitergegeben werden. Vorerst handelt es sich hierbei jedoch um ein Pilotprojekt.

Aus meiner Sicht ist das Vorgehen von Daimler dringend notwendig. Die negativen Assoziationen mit manipulierten Dieselfahrzeugen müssen überwunden werden. Dabei sollte der Fokus auf dem Bereich der Nachhaltigkeit liegen. Auch andere Hersteller planen eine CO2-neutrale Fahrzeugflotte. Außerdem trägt eine Blockchain auch dazu bei, dass Kritikpunkte hinsichtlich der Kobaltgewinnung entkräftet und das Vertrauen in die Industrie gestärkt werden.

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