Einsatz der Blockchain-Technologie in der Post-Corona-Supply-Chain

Blockchain in der Lieferkette

Noch zu Beginn des Jahres hat das Coronavirus China in Atem gehalten – westliche Nationen dachten, dass das Virus keine ernstzunehmende Bedrohung darstelle. Heute wissen wir, dass diese Annahmen falsch waren. Die Coronakrise hat nicht nur die Volkswirtschaften in eine schwere Rezession gestürzt, sondern vor allen Dingen die Lieferketten in Wanken gebracht. Bietet sich nun eine Chance, um die Blockchain-Technologie zur Rückgewinnung des Vertrauens in die etablierten Systeme zu nutzen – wir wagen einen Ausblick.

COVID-19 erschüttert die Weltwirtschaft

Seit der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 kannte die weltwirtschaftliche Entwicklung nur eine Richtung ­– nach oben. Folglich wurden immer mehr Stimmen laut, dass wir bald eine Rezession erleben werden. Mit der COVID-19-Pandemie setzte diese herbei geschworene Rezession schlussendlich auch ein. Allerdings dürfte keiner der Crash-Propheten mit einem solch extremen Crash gerechnet haben.

Aufgrund der starken Globalisierung im Laufe der vergangenen Jahre zeigte die Pandemie auch, dass dieser Ansatz gewisse Grenzen aufweist. So wurden innerhalb weniger Tage und Wochen komplette Lieferketten gestört. Manche Experten zweifeln die Globalisierung und den globalen Handel inzwischen vollständig an. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass ganze Staaten in Zukunft auf den globalen Handel verzichten. Nichtsdestotrotz bedarf es nun neuer Ansätze, um das Vertrauen in die Systeme wiederaufzubauen.

Einerseits hat uns die Pandemie aus wirtschaftlichen Aspekten einige Jahre zurückgeworfen. Andererseits eröffnet sich nun eine einmalige Chance, neue Technologien einzuführen und somit ein neues Vertrauen in den bestehenden Wirtschaftszweigen zu etablieren. Wir sehen die Blockchain-Technologie als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien im nun folgenden Wandel an.

Blockchain für mehr Vertrauen und Effizienz

In den letzten Jahren durften wir bereits die Digitalisierung zahlreicher Branchen erleben. Dieser Prozess hat sich aufgrund der Corona-Pandemie weiter verschärft – allein in einem Monat konnten wir einen Digitalisierungsfortschritt sehen, der sonst für die kommenden zwei Jahre geplant war.

Nichtsdestotrotz konnte die Digitalisierung nicht das Arbeitsverhalten der Geschäftsbereiche ändern. Diese arbeiten auch im Jahre 2020 noch immer in Silos und dies führt zu Diskrepanzen in der unternehmensinternen Buchhaltung.

Folglich zeigt sich, dass es eine Notwendigkeit zur schnellen Verarbeitung, Erstellung und Übertragung von Transaktionen gibt. Unternehmen, die diese Anforderungen erfüllen können, profitieren im eigenen Geschäftsumfeld. Wer seine Lieferketten widerstandsfähiger machen möchte, muss zudem mehr Transparenz und Integrität bieten. Insbesondere in diesem Bereich können die Distributed-Ledger-Technologien, hierbei liegt der Fokus auf den Blockchains, einen wahren Mehrwert schaffen.

Das dies keine leere Floskel ist, zeigen die stark zunehmenden Forderungen der Kunden nach mehr Transparenz bei den Produktionsbedingungen. Werfen wir beispielsweise einen Blick auf die Lebensmittelbranche, dann gibt es im Grunde zwei Schlüsselgruppen, die Forderungen nach mehr Lebensmittelsicherheit kommunizieren:

  1. Verbraucher: In diese Kategorie fallen die Endverbraucher und die Verbraucherschützer, die mehr Transparenz fordern. Dabei fordern immer mehr Kunden einen Nachweis über die Herkunft des Produktes sowie über die Produktionsbedingungen.
  2. Steuerbeamte: Die Steuerbeamten benötigen dahingegen eine Klassifizierung des Produkts sowie über die Rechtsordnungen, die bisher durchlaufen wurden. Des Weiteren gibt es einen Bedarf nach Ankunftsbescheinigungen, um eine korrekte Erfassung beim Zoll – damit einhergehend die korrekte Besteuerung – zu gewährleisten.

Aufgrund der COVID-Pandemie ergaben sich neben diesen Forderungen auch neue Herausforderungen, welche dazu führten, dass einige Prozesse besonders komplex wurden. Als Grund hierfür lassen sich die Sperrungen und Einschränkungen gewisser Kanäle anführen.

Für den Wiederaufbau unserer gestörten Netzwerke benötigen wir nun Vertrauen und eine Möglichkeit, um Informationen zu verifizieren. Dabei bietet die Blockchain-Technologie die notwendigen Bausteine, um die geforderte Transparenz und Sicherheit sicherzustellen. Insbesondere Unternehmen, die aufgrund der Pandemie mit starken Einschränkungen der Lieferkette zu kämpfen hatten, können nun durch die Blockchain-Technologie profitieren.

Blockchain am Start der Lieferkette implementieren

Am besten für die Einführung der Blockchain-Technologie eignet sich der Startpunkt der Supply Chain. Hierbei handelt es sich um das Unternehmen oder den Prozess, in dem die erste Transaktion initiiert wird. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie Lieferkettendaten wie Bestell- oder Lagerhaltungseinheiten verwenden und somit ein Teil eines Blockchain-Netzwerks werden.

Optimierung der Supply Chain durch den Einsatz der Blockchain
Optimierung der Supply Chain durch den Einsatz der Blockchain

Durch Funktionen wie einer nicht korrumpierbaren Wahrheit, können Unternehmen die Nachverfolgung der eigenen Produkte optimieren. Auf diese Weise lassen sich schneller kritische Fragen beantworten. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Wo befindet sich die Lieferung und wann wird sie voraussichtlich ankommen?
  • Gab es Probleme während des Transports?
  • Hat die Lieferung unter einer zu hohen Temperatur gelitten?
  • Kam es zu Nachprüfungen durch den Zoll?
  • Welche Gründe gibt es für die Verzögerung der Lieferung?
  • Wer ist für die Verzögerung verantwortlich?
  • Wer übernimmt die Haftung im Streitfall?

Insgesamt ergäbe sich für alle Beteiligten ein klareres Bild, welches Vertrauen schafft und die Effizienz maßgeblich steigert.

Mehr Transparenz für die gesamte Lieferkette

Durch die Einführung von Verteilten Informationssystemen ergäbe sich ein klarer Vorteil. Immerhin lassen sich nahezu alle entstehenden Fragen durch synchronisierte Transaktionen beantworten – es gilt der Grundsatz „Sie sehen, was ich sehe“.

Allerdings lässt sich die Blockchain-Technologie auch nutzen, um Herkunftsdaten eines Produkts zu validieren. So können Endverbraucher sicherstellen, dass das Produkt aus der versprochenen Herkunftsregion stammt.

Außerdem zeigt sich, dass der Einsatz der Blockchain-Technologie einen weiteren entscheidenden Vorteil mit sich bringt: die engere Verzahnung von Geschäftstransaktionen und Finanztransaktionen. So lassen sich der Produkt- und Warenfluss sowie der Informationsfluss besser mit der finanziellen Seite der Transaktion verknüpfen.

Aufgrund des Einzugs der Blockchain-Technologie in die Supply Chain ergibt sich in den kommenden Jahren auch ein verbesserter Zugang zu Finanz- und Versicherungsprodukten. Auf diese Weise ergibt sich eine schnellere und nahtlose Abwicklung der entsprechenden Prozesse. Außerdem lassen sich Dokumentationen und Daten, welche im Zusammenhang mit den Transaktionen stehen, einfacher auslösen. Auf diese Weise fungieren sie als zentrale Wahrheitsquelle für den jeweiligen Handelspartner ­– der Bedarf nach Dritten nimmt dahingegen ab und steigert die Effizienz.

Gesamtheitlich betrachtet entfallen die meisten manuellen Abstimmungsprozesse, welche Käufer und Lieferanten heute durchlaufen. Außerdem gibt es keine Notwendigkeit mehr für Kontroll- oder Logistiksysteme Dritter. Da die Verarbeitung aller Daten auf einer Blockchain nahezu in Echtzeit stattfindet und somit ein Maximum an Transparenz bietet, kann die Blockchain Unternehmen bei der nachhaltigen Optimierung des Geschäfts sowie der Betriebskosten unterstützen. Unternehmen, die die Blockchain-Technologie einsetzen, dürften sich in naher Zukunft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten aufbauen.

Case-Study: Transparenz und Vertrauen können den Markenwert steigern

Welchen Mehrwert die Einführung einer Blockchain bietet, lässt sich bereits bei einigen Unternehmen nachvollziehen. So zeigt sich bei Danish Crown, dem führenden Exporteur von Schweinefleisch, dass die Blockchain den Markenwert des Unternehmens gesteigert hat.

Digitalisierung der Lieferkette

Dabei wollte das Unternehmen in erster Konsequenz vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt wachsen. Um dieses Wachstum umzusetzen, hat das Unternehmen die Kaufentscheidungen der Verbraucher untersucht.

Wie eine erste, umfangreiche Verbraucherstudie zeigt

e, dass die Verbraucher Vertrauen und Sicherheit von Produkten honorieren. Dabei stehen insbesondere Unternehmen im Fokus, die digitale Kanäle zum Nachweis von Sicherheit und Herkunft bereitstellen. Werden die Rahmenbedingungen erfüllt, so genießen die Unternehmen einen größeren Markenwert und eine höhere Markenbekanntheit.

Mithilfe dieser Erkenntnisse konnte Danish Crown in Kooperation mit seinen Partnern ein blockchainbasiertes System entwickeln. Durch das Scannen eines QR-Codes, mittels der weitverbreiteten App WeChat, können chinesische Verbraucher nun die Authentizität eines Produkts bereits im Supermarkt überprüfen. Außerdem bietet die bereitgestellte Lösung einen einzigartigen Überblick über Informationen zur Lebensmittelsicherheit. Auf diese Weise können Endverbraucher schnell die wichtigsten Anforderungen, welche im Zusammenhang mit Fleisch in China stehen, überprüfen.

Insgesamt hat es Danish Crown geschafft, eine blockchainbasierte Lösung zu entwickeln, die den chinesischen Verbrauchern transparente und nachverfolgbare Informationen liefert und zeitgleich die Qualität und Authentizität des Produkts belegt. Inzwischen zeigt sich, dass das Unternehmen diesen Wettbewerbsvorteil auch in anderen Bereichen nutzen will.

Fazit: Blockchain kann die Post-Corona-Lieferkette transformieren

Die Corona-Pandemie hat uns in die schlimmste Rezession seit 1930 gestürzt. Obwohl Experten nicht damit rechnen, dass die Auswirkungen aufgrund der stabilen Realwirtschaft vergleichbare Auszüge annehmen, mussten zahlreiche Unternehmen  in die Insolvenz gehen.

Besonders stark von der Pandemie betroffen sind die produzierenden Unternehmen, die zumeist von komplexen Lieferketten abhängen. Eine Lösung, die ein transformatives Potenzial besitzt, ist die Blockchain. Insbesondere die Case Study von Danish Crown zeigt, wie Unternehmen die neue Technologie nutzen können, um neue Märkte zu erschließen.

Allerdings ist der Wandel eher schrittweise anzugehen. Nichtsdestotrotz trägt er dazu bei, dass die Unternehmen widerstandsfähiger werden und neue Extremsituationen besser meistern können. Egal in welcher Brache wir uns bewegen, Vertrauen und Transparenz sind zwei grundlegende Erfolgsfaktoren für die Lieferkette der Zukunft. Außerdem kann die Blockchain-Technologie auch nach der COVID-19-Pandemie dazu beitragen, dass wir gerechtere Handelssysteme erleben, die Vorzüge für Verbraucher und Produzenten bieten.

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