DAC8 Krypto-Überwachung: Warum der Widerstand in der EU wächst

Das Wichtigste in Kürze

  • DAC8 ist eine jährliche Sammelmeldung, die Krypto-Dienstleister bis Ende Juli 2027 erstmals über das Kalenderjahr 2026 an Finanzbehörden in der EU übermitteln müssen. Anschließend teilen Mitgliedsstaaten die Informationen innerhalb der Union.
  • Die Datensammlung umfasst private Adressen und sämtliche Informationen über Krypto-Käufe und Transaktionen, die Dienstleister erfassen können.
  • Datenlecks drohen. Sie könnten sich für Krypto-Anleger als enormes Sicherheitsrisiko erweisen. Der Verein Bitcoin Austria startet deshalb eine Initiative gegen die Richtlinie.

DAC8 Krypto-Überwachung: Warum der Widerstand in der EU wächst

Ab 2027 plant die EU über die Richtlinie DAC8 eine umfassende Zunahme der Datensammlung innerhalb der Kryptobranche. Sensible Privatdaten von Anlegern werden dadurch in Verbindung mit ihren Krypto-Investitionen gebracht.

Krypto-Dienstleister sammeln die Daten von Kunden aus der Europäischen Union über ein Kalenderjahr hinweg und leiten diese anschließend an die nationalen Finanzämter weiter. Die Aufzeichnung beginnt 2026. Das Fälligkeitsdatum für die Weiterleitung ist der 31. Juli 2027. Bis zum 30. September 2027 teilt man die Daten innerhalb der EU.

Laut offiziellen Angaben möchte die Europäische Union so gezielt Geldwäsche bekämpfen. Neben der Verwertung der Daten unterschiedlicher Dienstleister soll dabei vor allem deren Verbreitung über die gesamte EU helfen, die Schlupflöcher schließen soll. Dafür zeichnet DAC8 sogar Transaktionen auf.

Für Krypto-Anleger stellt die EU-Richtlinie ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Eine Ausnutzung durch Kriminelle steht im Raum. Der Bitcoin-Verein Bitcoin Austria schlägt deshalb Alarm und startet eine Kampagne gegen die Richtlinie.

“Ab 2027 melden Börsen, Broker und Krypto-Apps dem Finanzamt jedes Jahr, wer bei ihnen Krypto kauft: Name, Steuernummer, Beträge. Gesammelt wird schon lange. Ganz ohne konkreten Verdacht. So entsteht eine Liste von Krypto-Besitzern samt Wohnadresse. Wir gehen dagegen vor”, meldete der Verein kürzlich über X.

Privatdaten von Krypto-Investoren sind längst für ihre besonderen Sicherheitsimplikationen bekannt. Übergriffe auf Anleger häufen sich über die letzten Jahre zunehmend. In der Krypto-Szene sind diese als Wrench Attacks bekannt.

Bei Raubüberfällen und Entführungen möchten Kriminelle die Kryptowährungen ihrer Opfer entwenden. Um Opfer ausfindig zu machen, verwenden die Täter Informationen aus Datenlecks sowie Einträge aus staatlichen Registern – etwa aus Melderegistern. Einige der Täter sitzen selbst in den Behörden und nutzen ihre Sonderrechte aus.

Warum DAC8 für EU-Bürger eine enorme Gefahr darstellt

Krypto-Anleger sind durch Datenlecks ganz besonders bedroht. Kryptowährungen wie der Bitcoin funktionieren wie digitales Bargeld. Eine Entwendung unter Gewalteinfluss ist simpel. Die Täter erwarten von ihren Opfern die bereitwillige Übergabe der Coins.

Einmal geraubt, ist die Wiederherstellung von Krypto nur sehr schwierig möglich. Auch dieser Tatsache sind sich die Täter bewusst. Frankreich und die Vereinigten Staaten von Amerika sind als globale Zentren der Wrench Attacks bekannt. Dutzende Dokumentierte Vorfälle liegen vor.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt 2025 ein Übergriff auf den Ledger-Gründer David Balland und dessen Lebenspartnerin. Als bekannte Größe der Kryptobranche wurde er zum Ziel einer Entführung. Ledger zahlte ein Lösegeld, um Balland zu retten. Schließlich musste er von der Antiterroreinheit GIGN befreit werden.

Sicherheitslücken des französischen Wallet-Herstellers selbst tragen immer wieder zu ähnlichen Übergriffen bei. Für Anleger sollte klar sein: Sämtliche Daten, die einmal gesammelt werden, können früher oder später öffentlich werden. Zuletzt häuften sich derlei Datenlecks und bringen Kunden so in Gefahr.

Durch DAC8 nimmt das Risiko enorm zu, dass die Daten in den Händen der Kriminellen landen könnten. Für sie sind Krypto-Dienstleister und Behörden dadurch ein noch attraktiveres Ziel als ohnehin schon.

“Solche Daten geraten oft in falsche Hände. Anbieter, Steuertools und Behörden haben schon Daten von rund 46 Millionen Menschen verloren. Dein Anbieter speichert deinen Ausweis, Wallet-Adressen und jede Transaktion, bis zu zehn Jahre, nachdem du kein Kunde mehr bist”, erklärt Bitcoin Austria.

Der Verein vermutet, dass DAC8 gegen Grundrechte verstößt. In einigen Ländern sei die Richtlinie wahrscheinlich verfassungswidrig – so etwa in Österreich.

“Wir sind überzeugt, dass die Erfassung aller Krypto-Kunden ohne Verdacht gegen das Grundrecht auf Datenschutz verstößt”, schreibt der Verein.

Vorratsdatenspeicherung gilt als Präzedenzfall

Die 2014 eingeführte Vorratsdatenspeicherung gilt Bitcoin Austria als Präzedenzfall. Das Vorhaben wurde nach Klagen erfolgreich vom Europäischen Gerichtshof gekippt. DAC8, so vermutet Bitcoin Austria, ist ebenso rechtswidrig.

Deshalb reichte Anwalt Dr. Oliver Völkel im Auftrag bereits Klage gegen die Richtlinie ein. In Frankreich kämpft das Unternehmen Bull Bitcoin auf ähnliche Weise gegen DAC8. In Deutschland ist auf der Webpräsenz der Initiative Dac8.org bislang noch kein Verfahren eingetragen.

“Privatsphäre muss niemand begründen. Aber jemand muss sie verteidigen”, begründet man die Initiative gegen DAC8.

Autor
5+ Jahre Erfahrung

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Experte für:
Krypto News MiCa & Regulierung
Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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