Universität von St. Gallen bekämpft Fälschungen mithilfe der Blockchain

Universität von St. Gallen

Die Universität von St. Gallen plant in einem neuen Pilotprojekt den Einsatz der Blockchain-Technologie. Dabei soll die Technologie die Zertifizierung von Diplomabschlüssen übernehmen und deren Authentizität sicherstellen. Bereits im kommenden Jahr sollen rund 200 fälschungssichere Zertifikate ausgegeben werden.

Blockchain-Technologie zum Kampf gegen gefälschte Abschlusszeugnisse

Aus einem Bericht vom 19. September 2019 geht hervor, dass die Universität von St. Gallen den Einsatz der Blockchain-Technologie (Was ist Blockchain?) prüft. Wie der CIO der Universität, Harald Rotter, in einem Interview bestätigte, sollen bereits im kommenden Jahr bis zu 200 entsprechende Diplome ausgegeben werden. Mithilfe der Blockchain will die Eliteuniversität die Diplome zertifizieren und deren Echtheit sicherstellen.

Laut Rotter ergab sich die erste Idee zur Etablierung einer solchen Lösung bereits im Jahr 2018. Folglich habe Rotter bereits einen Bedarf für eine entsprechende Lösung identifiziert. Insbesondere der Einsatz von Distributed Ledger Technologien könne dazu beitragen Abschlüsse einfacher zu zertifizieren. Außerdem stehe auch die einfache Sicherstellung der Echtheit mittels eines digitalen Prozesses im Interesse der gesamten Hochschule.

Unter heutigen Bedingungen kann es mehrere Tage dauern, bis ein Unternehmen die Berechtigungsnachweise eines Bewerbers geprüft hat. Dementsprechend sorgt der Einsatz eines rein digitalen Prozesses zur Reduzierung der Prozesszeit – die Rede ist von wenigen Sekunden. Neben einer höheren Geschwindigkeit entstehen somit vor allem mehr Transparenz und sinkende Kosten aus Sicht von Unternehmen und Hochschule.

Universität von St. Gallen kooperiert mit BlockFactory

Im Zuge des Projekts kooperiert die Universität mit dem Schweizer Blockchain-Startup BlockFactory. Dementsprechend darf die Hochschule die Zertifizierung des Startups benutzen. Bereits in der Vergangenheit hat BlockFactory die Entwicklung der eigenen Zertifizierungslösung abgeschlossen. Diese ermöglicht es Bildungsinstitutionen eine unveränderbare Zertifizierung zu erstellen, die auf der Ethereum-Blockchain dokumentiert wird.

„Das langfristige Ziel ist eine universitätsübergreifende Einführung des Systems“

Harald Rotter, CIO der Universität von St. Gallen.

Laut Rotter erhalten die Studenten ein PDF-Dokument, welches das Diplom widerspiegelt. Im Anschluss überträgt die Hochschule dieses PDF an den jeweiligen Geschäftspartner. Dabei ergänzt die Hochschule die Sicherheitsparameter, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Die abschließende Dokumentation in die Ethereum-Blockchain übernimmt der Geschäftspartner. Dabei entsteht ein Hash, welcher in die Blockchain aufgenommen wird. Dementsprechend erhalten die Anfragenden nach dem Abschluss des Prozesses eine neue Ausfertigung des PDF-Dokuments zur Validierung.

Kampf gegen Fälschungen gewinnt an Priorität

Dabei ist die Universität von St. Gallen nicht die erste Schweizer Hochschule, die auf den Einsatz der Blockchain-Technologie setzt. Bereits in der Vergangenheit hat die Universität von Basel die Blockchain zur Bekämpfung von gefälschten Abschlüssen implementiert. Dementsprechend übernimmt die Universität von Basel hier eine führende Rolle. Zum damaligen Zeitpunkt kooperierte diese mit BlockFacotorys Blockchain-Projekt Proxeus.

Bereits im September 2018 konnte die Baseler Hochschule mehr als 100 Zertifikate mit einer entsprechenden Dokumentation in der Ethereum-Blockchain ausgeben. Außerdem sollen bereits weitere Universitäten das Potenzial der neuen Technologie erproben.

Insgesamt sei Basel der Vorreiter in Sachen Blockchain. Vor allem Prof. Dr. Schär hat sich für die Implementierung der Technologie stark gemacht. In Kooperation mit BlockFactory erfolgte eine erfolgreiche Implementierung der Lösung.

Einsatz der Blockchain zum Schutz von Zertifizierungen

Neben den Schweizer Universitäten zeigen auch andere Bildungseinrichtungen Interesse an vergleichbaren Lösungen. Folglich setzte das MIT bereits seit dem Jahr 2017 auf eine vergleichbare Technologie. Inzwischen hat das MIT mehr als 2.000 Abschlusszertifikate mithilfe der Technologie ausgegeben.

Außerdem gab ein kanadischen Technologieinstitut im Jahr 2018 bekannt, dass Zertifizierungen in Zukunft mithilfe der DLT ausgegeben werden. Folglich gelten falsche Abschlusszertifikate als ein häufiges und vor allem globales Problem. Bereits 2015 berichtete die New York Times über die entstandene Milliardenbranche, die aus mehr als 3.300 gefälschten Bildungseinrichtungen besteht.

Auch eine Reportage des BBC stellte hervor, dass eine Online-Plattform aus Pakistan mehr als 200.000 gefälschte Zertifikate im Jahr 2015 verkaufte. Allein durch dieses illegale Vorgehen erzielte das Unternehmen einen Gewinn von über 51 Millionen US-Dollar.

Fazit: Die Blockchain ermöglicht der Universität von St. Gallen fälschungssichere Zertifizierungen

Die Kooperation zwischen der Universität von St. Gallen und BlockFactory zeigt das große Interesse an fälschungssicheren Abschlusszertifizierungen. Folglich unterstützt die Digitalisierung dieses Prozesses die Universitäten und Unternehmen bei konkreten Nachforschungsersuchen. Dabei ist ein schnelleres  Agieren und somit auch ein besseres Ergebnis bei der Bewerberauswahl das ausgesprochene Ziel.

Aus meiner Sicht ist die Adaption der BlockFactory-Lösung durch die Universität von St. Gallen logisch und nachvollziehbar. In den vergangenen Jahren nahm das Volumen an gefälschten Abschlüssen signifikant zu. Folglich ist zum Schutz des akademischen Abschluss ein entsprechendes Vorgehen durchaus sinnvoll.

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