Krypto in der EU: So bedroht neue Regulierung die Branche

Das Wichtigste in Kürze

  • Malta warnt vor dem Zerfall der Kryptobranche in der EU.
  • Die Europäische Union plant, die Aufsicht über Finanzdienste im Sommer unter der ESMA zu zentralisieren und zu vereinheitlichen. Nationale Aufsichtsbehörden rücken damit in den Hintergrund.
  • Bisher zeichnet sich die ESMA durch besondere Strenge aus. Maltesische Experten befürchten fehlende Rücksichtnahme, welche die Kryptobranche ins Ausland treiben könnte.

Krypto in der EU: So bedroht neue Regulierung die Branche

Wie geht es für Krypto in der EU weiter? 2023 verabschiedete die Legislative das Krypto-Gesetz MiCA. Zum erklärten Ziel der Verordnung zählte auch die Herstellung einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Der Kryptobranche möchte man so eine Heimat in der Europäischen Union bieten.

Dieser Ansatz sei nun allerdings in großer Gefahr, meinen Stimmen aus Malta. Kenneth Farrugia, Geschäftsführer der maltesischen Finanzdienstleistungsaufsicht MFSA, sprach deshalb kürzlich mit Bloomberg. Er kritisiert ein neues Vorhaben der EU, wonach die Aufsicht über die Kryptobranche zentralisiert werden soll.

Statt sie den Behörden einzelner Mitgliedsstaaten zu überlassen, wäre dann die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) für die Beaufsichtigung verantwortlich. Der in der EU ohnehin angeschlagenen Kryptobranche könne man damit den Todesstoß versetzen, befürchtet Farrugia.

Selbst MiCA, ein Gesetz, das große Teile der Kryptobranche selbst als Fortschritt zelebrierten, gilt längst als zweischneidiges Schwert. Teure Lizenzierungsverfahren und ausgiebige bürokratische Prozesse machen vor allem Jungunternehmen zu schaffen. Kritiker behaupten, MiCA ersticke die Entstehung innovativer Krypto-Unternehmen frühzeitig.

Nicht nur Kritiker aus der Industrie halten MiCA für zu streng. Auch der polnische Präsident Karol Nawrocki verhinderte die MiCA-Adaption seines Landes im Februar durch ein Veto. Laut Nawrocki bekämpfe das Gesetz Innovationen und bedrohe die Kryptobranche in ihrer Existenz.

Durch eine einheitliche Beaufsichtigung der Kryptobranche durch die in Paris ansässige ESMA würden Vorteile, die sich einige EU-Mitglieder erarbeitet haben, zerstört – das jedenfalls prophezeit Farrugia.

Malta verabschiedete bereits 2018 ein umfassendes Krypto-Gesetz, das Unternehmen der Branche Rechtssicherheit bietet und gleichzeitig ausreichende Freiheiten einräumt, um die Firmen im Land zu halten oder sogar neue Interessenten anzulocken.

“Malta hat etwas angeboten, was anderen [Ländern] fehlte”, erklärte Jurist Ian Gauci gegenüber Bloomberg. Er beteiligte sich damals an der Herstellung des Gesetzes.

Rasch siedelten sich Krypto-Firmen auf Malta an, weil die Landesbehörden regulatorische Weitsicht hatten – eine Weitsicht, der es vielen EU-Mitgliedern bis heute mangelt. 540 Angestellte sorgen für eine zeitnahe Abwicklung regulatorischer Prozesse.

Warum etliche Krypto-Firmen die MiCA-Lizenz ablehnen

Insidern zufolge erweist sich MiCA in einigen Ländern bereits als gescheitertes Vorhaben – so etwa in Frankreich. Bei der dortigen Kryptobranche treffe das Gesetz nicht auf viel Zustimmung. Bis heute fehlt 40 Prozent der französischen Krypto-Firmen eine MiCA-Lizenz.

Noch bis zum 1. Juli dürfen diese Firmen ihren Geschäftsbetrieb wie gewohnt fortsetzen. Anschließend ist die MiCA-Lizenz nötig, um Aktivitäten als Krypto-Dienstleister legal auszuführen. Einige der betroffenen Firmen dürften ihre französischen Niederlassungen dann allerdings schließen.

Farrugia erwartet eine massenhafte Abwanderung europäischer Blockchain-Firmen in freundlichere Jurisdiktionen – etwa nach Dubai, Abu Dhabi, in die USA oder in asiatische Länder.

Die Krypto-Regulierung in der EU sei verschlossen und politisiert, was an den MiCA-Zulassungen zu erkennen sei. “Wenn sich Politiker an solchen Prozessen beteiligen, entsteht totales Chaos”, meint Farrugia.

2025 kritisierte die ESMA die maltesische MFSA, nachdem sie der Krypto-Börse OKX eine Lizenz erteilt hatte. Laut MiCA sei der Lizenzierungsprozess auf Malta nicht gründlich genug. Farrugia wertet dies als Angriff auf Maltas Kryptobranche.

Erhält die ESMA breite Befugnisse zur internationalen Beaufsichtigung innerhalb der EU, könne sich dieses Sentiment extrem negativ auf Maltas Bedeutung als Standort der Industrie niederschlagen. Weitere große Namen wie Bitpanda, Gemini oder Crypto.com sind auf Malta ansässig, könnten durch eine behördliche Rücksichtslosigkeit jedoch wieder vertrieben werden.

Genau diese wachsende Rolle möchten Politiker aus Frankreich, Österreich und Italien der ESMA zuerkennen. Sie fordern eine komplette Vereinheitlichung von MiCA unter der Behörde. Farrugia hält die Erwartungen vieler Politiker für unrealistisch. Man müsse akzeptieren, dass der Kryptomarkt risikoreich sei.

Daran könne man nichts ändern. Wachsende Regulierung könne die Risiken demnach nicht schmälern, sie würde die Branche einfach nur in andere Länder vertreiben. Finanzkommissarin Maria Luís Albuquerque befürwortet eine strengere, einheitliche Beaufsichtigung durch die ESMA gegenüber Bloomberg im Sinne des Anlegerschutzes.

Im Dezember stellte die EU-Kommission das Paket zur Marktintegration vor. Gelingt der geplante Gesetzgebungsprozess, würde die ESMA schon im Sommer zur zentralisierten Finanzdienstleistungsaufsicht der EU.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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