Exit Scam trotz MiCA-Lizenz? Krypto-Börse Zonda unter Feuer

Das Wichtigste in Kürze
- Die europäische Krypto-Börse Zondacrypto soll ihren Geschäftsbetrieb laut Kundenangaben und laut eines Berichts des polnischen Reporters Szymon Jadczak plötzlich eingestellt haben. Es handele sich womöglich um einen Exit Scam.
- Demnach habe das Unternehmen Zahlungen an Geschäftspartner sowie Auszahlungen von Kundengeldern eingestellt. Jadczak vermutet, dass sich die Geschäftsführung an den Kundeneinlagen bereichert.
- Der Vorfall erregt bereits enorme Aufmerksamkeit, da Zonda in vier verschiedenen EU-Jurisdiktionen lizenziert sein soll. Das Unternehmen selbst reagierte bislang nicht öffentlich auf die Vorwürfe, sondern stellte seine Öffentlichkeitsarbeit stattdessen komplett ein.
Exit Scam trotz MiCA-Lizenz? Krypto-Börse Zonda unter Feuer
Die EU möchte Krypto-Anleger durch das Gesetz MiCA schützen. Die Krypto-Dienstleister wollen Aufsichtsbehörden dadurch unter genauere Kontrolle nehmen. Nun kommt das Konzept jedoch in die Kritik. Angebliche Geschädigte beschweren sich auf X massenhaft über einen möglichen Exit Scam durch die Krypto-Börse Zondacrypto.
Das Besondere: Zondacrypto soll bereits in mehreren Jurisdiktionen als Finanzdienstleister registriert sein. Auf seiner offiziellen Webpräsenz listet Zonda sechs verschiedene Staaten, in denen man bereits Lizenzen erhalten habe – darunter befinden sich mit Estland, Polen, Italien und der Slowakei gleich vier verschiedene EU-Mitglieder.
Manche Kommentatoren behaupten, Zonda habe darüber hinaus eine MiCA-Lizenz in Estland erhalten. Blockchainwelt kann diese Behauptung in seiner Recherche nicht verifizieren. Ein vorläufiges MiCA-Register der ESMA listet 179 verschiedene Einträge. Unter den Lizenznehmern befinden sich weder Zonda noch dessen Muttergesellschaft BB Trade Estonia OU.
Zondas Webpräsenz lässt sich zum Redaktionsschluss weiterhin wie gewöhnlich abrufen. Auf den ersten Blick scheint der Geschäftsbetrieb wie üblich zu laufen. Laut Angaben des polnischen Reporters Szymon Jadczak hat Zonda seinen Geschäftsbetrieb jedoch auf Eis gelegt.
“99 Prozent der Krypto-Einlagen von Zondacrypto sind verschwunden. 35 Prozent der Mitarbeiter wurden entlassen. Zondacrypto hob kürzlich 76 Millionen Zloty ab [rund 18 Millionen Euro], obwohl reguläre Nutzer nicht an ihr Geld kommen”, warnte Jadczak gestern auf X.
‼️BUM‼️
9⃣9⃣proc. zasobów bitcoinów wyparowało z Zondacrypto.
3⃣5⃣proc. pracowników firmy zostało zwolnionych.
7⃣6⃣mln zł zostało wypłaconych z Zondacrypto w ostatnim czasie, chociaż zwykli użytkownicy nie mogą wypłacić swoich środków.
❌Zondacrypto przestała płacić… pic.twitter.com/wBEzOhAY7i— Szymon Jadczak (@SzJadczak) April 6, 2026
Jadczaks Beitrag erntete seither enorme Aufmerksamkeit. Mehr als 1,1 Millionen Nutzer sichteten den Beitrag, laut offiziellen Angaben von X. Viele Leser stimmen der Kritik zu. Viele Kommentatoren bestätigen, den Zugriff auf ihre bei Zonda angelegten Kryptowährungen verloren zu haben. Wenige Kommentatoren behaupten allerdings, bis zuletzt Transaktionen über Zonda getätigt zu haben.
Zondacrypto lässt Reaktion auf Vorwürfe missen
Jadczak vermutet augenscheinlich einen Ausstiegsbetrug (auch Exit Scam genannt) hinter dem plötzlichen Wandel seitens Zondacrypto. Das Unternehmen selbst reagierte öffentlich bislang nicht auf die Vorwürfe. Am 4. April endete die Öffentlichkeitsarbeit der Krypto-Börse. Seither veröffentlichte der Betrieb keine neuen Beiträge mehr auf seinen Kanälen.
Unter den letzten Beiträgen finden sich vor allem Nachfragen augenscheinlicher Kunden, die sich über lange Auszahlungszeiten wundern. Diese Tatsache unterstreicht Jadczaks Behauptungen. Auf seine persönlichen Anfragen hätte die Führungsriege von Zonda mit Bedrohungen reagiert, erklärte der Reporter öffentlich.
“Der Präsident von Zondacrypto, Przemysław Kral, fing an, mich einzuschüchtern, als ich ihm Fragen schickte”, heißt es dort.
Auch Sponsorenverträge mit mehreren Fußballvereinen halte Zonda zuweilen nicht mehr ein. Zahlungen an die ehemaligen Partner habe das Unternehmen laut Bericht bereits eingestellt.
Zondacrypto soll seinen Geschäftsbetrieb bereits 2014 als BitBay aufgenommen haben. Später habe sich das Unternehmen in Zonda und schließlich in Zondacrypto umbenannt. Während der Dienstleister im deutschen Sprachraum eher unbekannt ist, soll er in Polen zu den beliebtesten Anbietern von Krypto-Handelsplattformen zählen.
Bei einem Ausstiegsbetrug entwendet ein Dienstleister Kundengelder, mit deren Verwahrung er beauftragt wurde. Die Strippenzieher können dadurch enorme Beute einstreichen. Bisher herrscht um Zonda keine Gewissheit. Um die Gefahr eines Ausstiegsbetrugs zu minimieren, sollten Anleger Krypto-Börsen mit hoher Reputation verwenden. Gelder sollten auf den Plattformen nie länger als nötig gehalten, sondern schnellstmöglich abgehoben werden.
