Großbritannien: Coinbase Werbung sorgt für massiven Aufschrei

Das Wichtigste in Kürze
- Coinbase präsentierte am 31. Juli einen Werbefilm namens “Everything Is Fine”, der für enorme Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken sorgt.
- Das Video ist für den britischen Markt konzipiert. Es stellt die zahlreichen politischen Probleme des Landes auf sarkastische Weise dar.
- Die britische Regulierungseinrichtung Clearcast verweigert die Ausstrahlung der Werbung im Fernsehen und sorgte damit für einen Skandal. Viele Briten stellen sich augenscheinlich auf die Seite von Coinbase.
Großbritannien: Coinbase Werbung sorgt für massiven Aufschrei
Eine Werbung der bekannten Krypto-Börse Coinbase sorgt aktuell für einen massiven Aufschrei in Großbritannien. Coinbase veröffentlichte den Werbefilm “Everything Is Fine” (dt. Alles ist in Ordnung) am 31. Juli. Auf YouTube erhielt das Original bis zum Redaktionsschluss 117.000 Aufrufe.
In sozialen Netzwerken verbreitete sich das rund zweiminütige Video allerdings noch deutlich weiter. Denn: Sowohl Einwohner Großbritanniens als auch eine verantwortliche Regulierungseinrichtung erkannten seine Brisanz frühzeitig.
Laut Angaben von Cassian Horowitz wurde das Video von der britischen Regulierungseinrichtung Clearcast gesperrt. Eigentlich hatte Coinbase nicht nur die Verbreitung des Films über das Internet vorgesehen, sondern wollte damit auf dem britischen Markt auch durch eine Ausstrahlung im Fernsehen neue Kunden für sich gewinnen.
“Unsere Werbung wurde gesperrt. (…) Was man nicht sagen darf, muss einen wahren Kern haben”, schrieb Coinbase-Geschäftsführer Brian Armstrong am Montag.
Our ad which got banned in the UK by the TV networks has sparked quite a reaction. If you can’t say it, then there must be a kernel of truth in it.
Needing to update the system and improve society is not a political statement on either party in the UK (some have tried to turn it… https://t.co/VJqyYnnI2W
— Brian Armstrong (@brian_armstrong) August 3, 2025
Der enorme Aufschrei dürfte den Werbezweck des Videos nun doch erfüllen – auch ohne TV-Ausstrahlung. Doch warum ist die Werbung einer Krypto-Börse überhaupt so umstritten? Coinbase kritisiert die Politik der britischen Regierung in dem Video auf sarkastische Weise. Glaubt man den Kommentaren einiger Nutzer, so dürfte die Sperrung des Films die Probleme im Land treffend darstellen.
Marode Häuser und Infrastruktur, die Menschen verarmt und umgeben von einer verdreckten, zugemüllten Nachbarschaft – so porträtiert Coinbase das Vereinigte Königreich.
Natürlich versäumte Coinbase keine Chance, sich über die Inflation in Großbritannien lustig zu machen. Neben explodierenden Preisen nimmt die Krypto-Börse die Verschuldung der Menschen durch das Bildungssystem aufs Korn.
Trotz der widrigen Umstände singen die Darsteller über ihr glückliches Leben. Alles sei in bester Ordnung, so der zentrale Slogan. Am Ende gibt Coinbase den Zuschauern noch einen Rat mit auf den Weg:
“Wenn alles in bester Ordnung ist, dann ändere gar nichts”, heißt es dort.
Briten stimmen zynischer Coinbase-Werbung zu
Welche Wirkung das Werbevideo auf britische Zuschauer entfalten würde, schien Coinbase bereits im Vorfeld zu ahnen. Vielen Kommentaren ist zu entnehmen, dass sich die Briten von dem zynischen Inhalt tatsächlich abgeholt und verstanden fühlen.
“Ich wünschte, die Leute würden aufhören zu sagen, dass unsere Politiker „realitätsfern“ sind. Sie wissen genau, worunter wir leiden, aber das ist ihr Plan, und wir sind ihnen völlig egal”, heißt es in einem der Top-Kommentar mit mehr als 3.000 Daumen nach oben.
Ein weiterer Nutzer schrieb: “Die Tatsache, dass sie eine Anzeige verbieten, fasst die Probleme besser zusammen als die Anzeige selbst” und erntete dafür etwa 1.900 Zustimmungen.
Laut Horowitz habe es Coinbase darauf angelegt, von Clearcast gesperrt zu werden. Auf diese Weise könne der Krypto-Dienstleister viel Aufmerksamkeit für geringe Kosten generieren.
Auf X gab Coinbase den Zuschauern dann noch einen weiteren Tipp mit: “Wenn das Finanzsystem für so viele Menschen in Großbritannien nicht funktioniert, muss es reformiert werden.”
Damit impliziert die Krypto-Börse eine Abkehr von Fiatwährungen zugunsten von Krypto. Firmenchef Armstrong glaubt, Krypto-Investments seien für viele Briten der richtige Weg, um ihr Leben wieder zu verbessern.
Laut Medienberichten begründete Clearcast die Sperrung mit dem drastischen politischen Ton sowie fehlenden Warnungen vor den Risiken der Kryptowährungen.

