BonkDAO-Vorfall: Wann DAOs besonders anfällig für Manipulationen sind

Das Wichtigste in Kürze
- Anfang Juli ereignete sich ein Angriff auf die BonkDAO. Durch eine unethische Abstimmung konnte ein Angreifer BONK-Token im Wert von 20 Millionen US-Dollar von der Reserve der dezentralen Organisation entwenden.
- Die Experten Nick Almond und Proph3t äußerten sich kürzlich zu dem Vorfall, der ihnen zufolge leicht hätte verhindert werden können. Sie teilten einfache Sicherheitsmechanismen, mit denen dezentrale Organisationen resilient bleiben.
- Immer wieder nutzen Angreifer das Sommerloch aus, um DAOs etliche Millionen US-Dollar zu entwenden. Weil die Opfer ihre Zeit abgelenkt im Urlaub verbringen, bekommen sie davon erst viel zu spät Wind.
Wann DAOs besonders anfällig für Manipulationen sind
Dezentrale autonome Organisationen (kurz DAOs) sollen in Sachen Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit punkten. Zu bestimmten Zeiten sind sie für Manipulationen jedoch besonders anfällig – so etwa im Sommerloch.
Im Gespräch mit Unchained äußerte Krypto-Experte Nick Almond umfassende Kritik an den Verwaltungssystemen vieler bestehender DAOs. Diese seien oft nachlässig gestaltet und könnten so auf verschiedenste Weisen manipuliert werden.
Anfang Juli wurde die BonkDAO hinter dem bekannten Memecoin Bonk zum Ziel eines Angriffs. Wenn das Desinteresse der Verwaltung ausgenutzt wird, um unethische Entscheidungen durchzusetzen, spricht man von einem Apathie-Angriff.
“Das war ein Apathie-Angriff. So etwas ist schon öfter vorgekommen”, kommentiert Almond den Vorfall um die BonkDAO. “Vor ein paar Jahren gab es bei Compound einen sehr ähnlichen Vorfall”, setzt er fort.
DAO exploits keep following the same playbook, says @DrNickA.
🕵️ Wait for no one to be watching
🎯 Buy just enough tokens to pass
💸 Push the proposal through before anyone notices pic.twitter.com/LCUcw4GUcC— Unchained (@Unchained_pod) July 17, 2026
Das erwähnte Ereignis spielte sich im Juli 2024 ab. Der Angreifer, bekannt als Humpty, nutzte eine systemische Schwäche des DeFi-Protokolls Compound aus, um es zu seinem Vorteil zu beeinflussen. Dafür setzte er – genau wie der Angreifer im jüngsten Fall um die BonkDAO – auf das Sommerloch.
“Jemand namens Humpty trat zum Vorschein. Er wusste, dass die Compound DAO größtenteils von Blockchain-Klubs aus Universitäten gesteuert wurde. Er vollzog den Angriff während der Ferien. So konnte er Token entwenden, weil die Stimmberechtigten abwesend waren und sich nicht verteidigen konnten.”
Dem Angreifer sei aufgefallen, dass sich im Juli niemand mehr für Compound interessiert hatte. Die Abwesenheit der Verwaltung machte er sich dann zunutze, indem er sich selbst COMP-Token im Wert von 25 Millionen zuschusterte. Bis der Angriff bemerkt wurde, war es bereits zu spät.
Angriff auf BonkDAO macht fortwährende Schwäche deutlich
Der aktuelle Stein des Anstoßes ist ein ganz ähnlich gestalteter Angriff auf die BonkDAO. Am 6. Juli konnte ein unbekannter Angreifer umgerechnet rund 20 Millionen US-Dollar in Form des Memecoins BONK erbeuten, indem er einen Vorschlag im Verwaltungssystem des Memecoins eingebracht hatte.
Auch in diesem Fall war die Aufmerksamkeit der Stimmberechtigten verloren gegangen. Dass der Angriff ebenfalls im Juli stattfand, ist also kein Zufall. In beiden Fällen nutzten die Angreifer das Sommerloch aus.
Token-Halter, die zu Abstimmungen in der DAO berechtigt sind, werden durch die vorlesungsfreie Zeit abgelenkt oder verbringen den Monat im Urlaub. Von rund 18.000 stimmberechtigten Blockchain-Adressen beteiligten sich nur sieben an der Abstimmung, die den Angreifer reich machte.
Dieser schrieb einen Veränderungsvorschlag, indem er zunächst vorgab, die DAO verbessern zu wollen. Zudem sollten aus den Reserven der DAO 4,4 Billionen BONK an seine eigene Blockchain-Adresse fließen.
Der Angreifer bezeichnete den Vorschlag BIP Nummer 76 als “Sowellian BonkDAO”. Er stimmte augenscheinlich selbst mit 882 Milliarden BONK für seinen Vorschlag. Zudem versuchte er, die Wähler zu täuschen, indem er behauptete, alle Ja-Stimmen würden Token geschenkt erhalten.
Ein Nutzer hinterließ einen kritischen Kommentar, in dem er die Absichten des Vorschlags hinterfragte. Nur rund 711 Millionen Token stimmten gegen den Vorschlag, sodass dieser mit einem Ergebnis von 99,9 Prozent Ja-Stimmen zu 0,1 Prozent Nein-Stimmen bestätigt wurde.
Die für den Coup aufgewendeten 882 Milliarden BONK wiesen zum Zeitpunkt einen Marktwert von 4,4 Millionen US-Dollar auf. Vier Adressen stimmten dagegen, nur drei stimmten für den BIP.
Weil die Nein-Stimmen zu gering waren, war der Angriff nach einer sechstägigen Abstimmungszeit erfolgreich.
So bleiben dezentrale Organisationen resilient gegenüber Manipulationsversuchen
Almond sowie Metadao-Gründer Proph3t äußerten sich zum Vorfall. Beide sind überzeugt, dass BonkDAO von dem Angriff verschont geblieben wäre, hätte man vorab geringfügige Sicherheitsmaßnahmen etabliert.
Um Stimmberechtigte auf Abstimmungen während des Sommerlochs aufmerksam zu machen, sei ein Chatbot geeignet, der die Nutzer über Messengerdienste wie Telegram über die jüngsten Vorgänge aufklärt.
Selbst die Betreiber von Bonk hatten die Abstimmung verschlafen. Üblicherweise sind die Betreiber besonders stimmkräftig und daher in der Lage, derartige Manipulationsversuche zu vereiteln.
Almond erwartet von Stimmberechtigten eine aktivere Beteiligung. Er selbst lasse keine DAO, an der er beteiligt ist, länger als eine Woche unangetastet. Wichtig sei zudem die Einführung einer Frist. Abstimmungen sollten nicht innerhalb eines einzelnen Tages bestätigt werden können. Gibt man den Wählern mehr Zeit, werden mehr von ihnen aufmerksam.
