Bitcoin-Milliarden: Ist Sachsens Krypto-Beute bald futsch?

Das Wichtigste in Kürze
- Im Sommer 2024 verkaufte das Land Sachsen rund 50.000 Bitcoin für 2,6 Milliarden Euro. Das Vermögen liegt seither auf einem Konto der Landesjustizkasse bei der Bundesbank. Die Eigentumsverhältnisse sind unklar.
- Wegen der Verjährung der Urheberrechtsverstöße wäre eine Rückzahlung an den Angeklagten Josef F. denkbar. Er hatte das Geld im Sommer 2024 freiwillig herausgegeben.
- Die Bitcoin-Milliarden könnten auch als Schadensersatz für Filmstudios oder in der Staatskasse enden. Zwei Angeklagte werden der Geldwäsche und Steuerhinterziehung beschuldigt.
Bitcoin-Milliarden: Ist Sachsens Krypto-Beute bald futsch?
Im Sommer 2024 erlangte das Land Sachsen die Aufmerksamkeit der Krypto-Szene. Den Behörden war es gelungen, eine Einigung mit einem mutmaßlichen Strippenzieher hinter dem illegalen Filmportal Movie2k zu erzielen. Dieser gab fast 50.000 BTC freiwillig heraus, um seine Untersuchungshaft vorzeitig zu beenden.
Die Behörden hatten sich entschlossen, das Krypto-Vermögen sodann zu verkaufen. Die genau 49.858 BTC brachten damals einen Erlös in Höhe von 2,6 Milliarden Euro ein. Den internationalen Spott der Bitcoiner gab es obendrauf.
Im Spätjahr 2024 begann der Bullenmarkt, der den Bitcoin nach einer kurzen Abwärtsbewegung im Frühjahr 2025 schließlich bis auf ein Hoch von 126.200 US-Dollar oder 106.940 Euro brachte. Früh hatten Kritiker Zweifel an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit des Verkaufs geäußert.
Sachsen verkaufte die Bitcoin für einen Durchschnittspreis von rund 53.000 Euro. Heute notiert BTC nach monatelangen Kursverlusten bei 65.700 US-Dollar oder 55.700 Euro – nur noch fünf Prozent über dem damaligen Verkaufspreis.
Neben Bitcoins altem Marktwert könnte das Vermögen auch in die Hand des ursprünglichen Eigentümers zurückkehren – das geht aus einem Bericht des Nachrichtenportals Bild hervor. Das Problem: Möglicherweise waren die Anklagepunkte bereits verjährt, der Verkauf von fast 50.000 Bitcoin damit illegal.
Der Angeklagte Josef F. könnte dann nicht nur die 2,6 Milliarden Euro ausgezahlt bekommen, welche die Behörden durch den Verkauf der Bitcoin erzielten. Auch Zinsen in Höhe von 100 Millionen Euro kommen obendrauf. So käme eine Summe von 2,7 Milliarden Euro zusammen. Würde der Beschuldigte diese heute wieder in Bitcoin umwandeln, könnte er abzüglich Gebühren immerhin 48.107 BTC zurückkaufen.
Angeklagter soll auf weiteren Bitcoin-Milliarden sitzen
Laut Angaben des MDR soll der Angeklagte Josef F. auf weiteren Bitcoin-Milliarden sitzen. Laut Einschätzung der Staatsanwaltschaft befinden sich weitere 57.000 BTC im Besitz des 42-Jährigen. Nach aktuellem Marktwert wären das weitere 3,2 Milliarden Euro.
Woher die Staatsanwaltschaft diese Informationen nimmt, ist unklar. Möglicherweise geben transparente Daten der Bitcoin-Blockchain Aufschluss über das verbleibende Vermögen. Die Zahlen könnten auch von dem Angeklagten selbst stammen. Womöglich sagte er aus, insgesamt 136.000 Bitcoin erworben zu haben – eine Zahl, die in verschiedenen Medienberichten herumgeistert.
Neben Josef F. gibt es mit Dustin O. einen weiteren Angeklagten. Dustin O. soll als Programmierer für F. gearbeitet und dafür 22.000 BTC erhalten haben. Rund 7.000 BTC soll F. schon vor Jahren verkauft und Erlöse in Höhe von 125 Millionen Euro erzielt haben. Übrig bliebe dann die genannte Zahl von 57.000 BTC.
Diese Parteien haben Anspruch auf das illegale Krypto-Vermögen
Nach jetzigem Stand könnten drei verschiedene Parteien Anspruch auf das illegale Krypto-Vermögen erheben. Wem das Geld letztlich gehören wird, muss das Landgericht Leipzig über die kommenden Monate entscheiden.
Die Gelder stammen aus Werbeeinnahmen und Abofallen, die von der Plattform Movie2k stammen. Weil sich das illegale Filmportal jedoch rund 219.000 Urheberrechtsverstößen schuldig machte, stand Schadensersatz für die geschädigten Urheber des Filmmaterials im Raum.
Genau hier liegt die Crux. Denn die Urheberrechtsverstöße seien bereits verjährt. Die Verjährung betrage je nach Situation drei oder zehn Jahre. Movie2k wurde jedoch bereits im Jahr 2013 abgeschaltet. Danach fahndeten Ermittler zehn Jahre nach den Betreibern, die bis 2023 unentdeckt blieben.
Neben den Betreibern von Movie2k und Filmstudios könnte das Vermögen letztlich jedoch auch beim Land Sachsen enden. Im laufenden Gerichtsverfahren geht es wegen der Verjährung nicht mehr um die Urheberrechtsverstöße, wohl aber um Steuerhinterziehung und Geldwäsche.
Bild glaubt, dass die Filmstudios in einem zivilrechtlichen Verfahren dennoch entschädigt werden. Der Rest bliebe dann beim Land Sachsen. Josef F. und Dustin O. sollen laut dieser Einschätzung leer ausgehen.
Leipziger Gericht in Sorge vor Wrench-Attacken
Das Leipziger Landgericht sei in Sorge. Weil die zwei Angeklagten weiterhin als sehr gut betucht gelten, drohen Wrench-Attacken. Kriminelle Überfälle auf Krypto-Großanleger haben aktuell Hochkonjunktur.
Erlangen Kriminelle Kryptowährungen wie BTC mittels Bedrohung und Folter, können Außenstehende nur schwer eingreifen. In vielen Fällen ist das Geld verloren. Es lässt sich kaum sperren. Für Kriminelle sind reiche Bitcoin-Inhaber daher attraktive Ziele.
Um einen Wrench-Angriff zu verhindern, verbietet das Landgericht Fotos im Gerichtssaal. Bild lichtete die Beschuldigten vor dem Gerichtsgebäude dennoch ab. Ein bewaffneter Personenschützer soll sich stets an ihrer Seite befinden.
Das Ende der Gerichtsverhandlung ist zunächst für den 19. Mai angesetzt. Bis dahin finden noch mehrere Verhandlungstage statt.

