Kanada: Identifikation via Blockchain

Die Blockchain bietet großes Potenzial für die exakte Identifikation von Verbrauchern. Während biometrische Datenerhebung mit hohen Kosten und infrastrukturellem Aufwand verbunden sind, bieten günstigere Methoden keine hinreichende Sicherheit. Kanada beabsichtigt nun, dieses Problem durch Nutzung der Blockchain-Technologie zu lösen. Bereits ab Anfang 2018 wird es für kanadische Bürger möglich sein, sich über die Blockchain bei Bankgeschäften und in anderen sensiblen Bereichen zu verifizieren.

 

canada-kanada-flagge Kanada: Identifikation via Blockchain
Flagge von Kanada

 

Die Ankündigung von SecureKey Technologies

Wie die in Toronto ansässige SecureKey Technologies Inc. ankündigte, können kanadische Bürger noch in der ersten Hälfte 2018 mit der Einführung der neuen Technologie rechnen. Dem digitalen Identifizierungs-System von SecureKey liegt die Blockchain-Technologie der IBM Corporation (IBM Pressemitteilung) zugrunde. Damit können sich Konsumenten gegenüber Kreditinstituten, Telefonanbietern oder Regierungen ausweisen. Wie SecureKey CEO Greg Wolfond betont, sind dafür lediglich Smartphones oder andere mobile Endgeräte erforderlich. Überdies soll die Technologie den Bürgern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten geben. Zudem soll die Sicherheit steigen, da sich Personen einerseits leichter ausweisen können, andererseits aber Identitätsdiebstahl erschwert wird.

Die sechs größten kanadischen Banken haben eine Summe von etwa 30 Millionen kanadische Dollar (24 Millionen US-Dollar) in das Vorhaben investiert. Daran beteiligt waren unter anderem die Toronto-Dominion Bank sowie die Royal Bank of Canada. Auch die drei wichtigsten kanadischen Mobilfunknetzbetreiber sowie mehrere Provinzregierungen leisteten ihre Investitionen.

 

 

Funktionsweise der Identifikation

Mit der zugrunde gelegten Blockchain-Technologie können Verbraucher ihre persönlichen Daten auf einem einzigen Gerät ablegen und speichern. Der Austausch von Daten erfolgt verschlüsselt. Wenn sich ein Bürger identifizieren muss, so teilt er der entsprechenden Institution seinen privaten Schlüssel mit. Durch die Blockchain ist die gesamte Information ausschließlich für die Institution verfügbar. Der Umzug persönlicher Daten auf individuelle Endgeräte ist ein Beitrag zur Datensicherheit. Da Daten nun nicht mehr zentral in Unternehmen und Banken abgelegt werden, ist der Anreiz für Hacker geringer, dort nach Daten zu suchen.

In der Praxis können Bankgeschäfte mit der neuen Technologie beispielsweise wie folgt aussehen: ein Kunde stellt einen Kreditantrag online bei der zuständigen Bank. Daraufhin fragt die Bank Daten zur persönlichen Identifikation und zur Feststellung der Bonität ab. Zu diesem Zweck fragt die Bank den Kunden persönlich nach Zugriff zu seinen auf dem Mobilgerät hinterlegten Daten. Nachdem der Kunde den Zugriff gewährt hat, können Banken die Daten sofort überprüfen und die Kreditentscheidung treffen.

 

Blockchain-Technologie weltweit und Kanadas Wettbewerbsvorteil

Digitale Identifikation ist bereits jetzt in einigen Staaten möglich. So begann Estland bereits nach der landesweiten Cyber-Attacke 2007 mit der Entwicklung eines neuen Identifikationssystems. Dieses erlaubt inzwischen die Beteiligung an Wahlen über das Internet mit Hilfe einer vom Staat herausgegebenen Wahlkarte. Ähnliche Initiativen gibt es in Indien und Kasachstan. In Japan testen die wichtigsten Banken und Aufsichtsbehörden die Blockchain-Technik zu Identifikationszwecken.

Kanada genießt einen Wettbewerbsvorteil in der Verbreitung der Blockchain-Technologie für die Identifikation. Dies hängt mit der konzentrierten Struktur des Bankensystems sowie der Unterstützung durch Telekommunikationsunternehmen und Landesregierungen zusammen. SecureKey Technologies spricht von einem Kanada-Modell, das schrittweise auch in anderen Zuständigkeitsbereichen eingeführt werden soll. Weitere Informationen finden Sie auch auf Bloomberg.com