Zwangsliquidation

Zwangsliquidation (engl. forced liquidation) bezeichnet die unfreiwillige Auflösung von Vermögenspositionen, insbesondere im Rahmen fremdfinanzierter Handelsgeschäfte.

Dabei werden Vermögenswerte automatisch in Bargeld oder Bargeldäquivalente (z. B. Stablecoins) umgewandelt, sobald festgelegte Risikoschwellen unterschritten werden – typischerweise, wenn ein Trader nicht mehr in der Lage ist, die erforderliche Margin aufrechtzuerhalten.

Funktionsweise

Zwangsliquidationen treten insbesondere im Margin- und Futures-Handel auf, wo Händler mit geliehenem Kapital arbeiten. Sinkt der Marktwert der Position unter eine bestimmte Grenze (den sogenannten Liquidationspreis), wird die Position automatisch durch das System geschlossen, um den Kreditgeber vor weiteren Verlusten zu schützen.

Die Plattform verkauft dabei die Position auf dem offenen Markt – häufig zu ungünstigen Kursen –, um die geliehenen Mittel zurückzuerhalten. Der Händler verliert in diesem Fall meist sein gesamtes eingesetztes Kapital, während die Plattform versucht, den Verlust zu begrenzen.

Beispiel (BTC/USDT-Markt)

Ein Trader eröffnet mit einem Eigenkapital von 50 USD eine gehebelte Long-Position im Verhältnis 1:10 – also eine Position über 500 USD. Sinkt der Marktwert um 10 %, beträgt der Positionswert nur noch 450 USD – das entspricht exakt dem geliehenen Betrag.

Um ein Minus für den Kreditgeber zu verhindern, wird die Position automatisch liquidiert. Der Trader verliert seinen gesamten Einsatz.

Wichtige Aspekte

  • Liquidationspreis: Der Kurs, bei dem die Plattform die Position automatisch schließt.
  • Hebelwirkung (Leverage): Je höher der Hebel, desto näher liegt der Liquidationspreis am Einstiegskurs.
  • Liquidationsgebühr: Viele Plattformen erheben bei Zwangsliquidation eine zusätzliche Gebühr.
  • Risikomanagement: Händler sollten Stop-Loss-Orders, Positionsgrößen und Margin-Reserven genau kalkulieren.
  • Berechnungstools: Die meisten Plattformen bieten Liquidationsrechner zur Risikoeinschätzung an.
    Zwangsliquidation in traditionellen Märkten

Auch außerhalb der Kryptowelt findet die Zwangsliquidation Anwendung, etwa in Insolvenz- oder Konkursverfahren, bei denen Unternehmen ihre Aktiva unter gerichtlicher Aufsicht verkaufen müssen, um Gläubigerforderungen zu bedienen. In diesem Kontext bedeutet Liquidation allgemein die Auflösung und Umwandlung von Sachwerten in liquide Mittel.

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