Wholesale-CBDC von Schweizerischer Nationalbank

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Die Schweizerische Nationalbank SNB testet “exploratorisch” die Verwendung von digitalem Zentralbankgeld. Konkret geht es um die Wholesale-CBDC, also ein digitales Geld für Handelsfinanzierungen zwischen Zentralbanken.

Token-Swap zwischen CHF und EUR

Im Projekt Jura sollen sich die Abwicklungen zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro (Schweiz-Frankreich) bei grenzüberschreitenden Transaktionen vereinfachen.

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CBDC ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema und immer mehr Banken gehen eigene Wege. Die Schweizerische Nationalbank SNB hat in einer Pressemitteilung angekündigt, sich in einem Konsortium dem Thema zu widmen, betont aber gleichzeitig, dass dies nur “exploratorisch” geschehe.

Das Konsortium wird von Accenture geführt, Mitglieder sind neben der Schweizerischen Nationalbank auch die Credit Suisse, die Banque de France, die zur Schweizer Börse gehörende SIX Digital Exchange, das Fintech-Unternehmen R3 sowie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der BIS Innovation Hub.

Letzterer ist neben der Schweiz auch in London, Singapur und Hongkong vertreten und will bald noch Büros in Frankfurt oder Paris sowie Stockholm eröffnen.

Die Schweizerische Nationalbank ist in enger Kooperation mit dem BIS Innovation Hub, der sich laut Webseite in der Schweiz besonders auf die CBDC, das digitale Zentralbankgeld, konzentriert.

Auch Banque de France will Wholesale-CBDC

Die Banque de France hatte Ende April bereits in einer Pressemitteilung verkündet, mit seinen Partnern, der European Investment Bank (EIB) und der Société Générale, das Experiment FORGE durchgeführt zu haben.

Im Rahmen des Projektes zeichneten die Banken digitale Anleihen von Investoren mit einem Gesamtbetrag von 100 Millionen Euro gegen.

Dabei erfolgte der Barausgleich durch die digitale Währung der Zentralbank auf einer Blockchain.

Der CBDC-Token wurde mit Smart Contracts abgewickelt sowie kontrolliert und war bereits das dritte Experiment dieser Art. Am Kooperationsprojekt waren auch Goldman Sachs International und Santander beteiligt.

SNB betont Status als “Experiment”

Die Schweizerische Notenbank zieht nun nach und betont deutlich, dass es hierbei um einen reinen Erkundungsgang im Umgang mit digitalem Geld geht. Doch das darf bezweifelt werden, auch wenn die Bank aus der Schweiz dies mehrfach in ihren Pressemitteilungen betont.

Sieht man sich oben beschriebene Verknüpfungen an, dann ist schnell erkennbar, dass sich inzwischen in vielen europäischen Ländern und anderen Staaten die Zentralbanken intensiv mit der Nutzung und den Möglichkeiten von CBDC beschäftigen.

Auch wenn das Projekt bisher einzigartig in Europa ist, so sind die EZB und andere führende europäische Notenbanken durchaus intensiv an der Erarbeitung geeigneter Formen zur Einführung von digitalem Zentralbankgeld.

Wholesale-CBDC Projekt “Jura”

Grenzüberschreitende Zahlungen verursachen hohe Kosten und Kunden müssen lange Zeitverzögerungen in Kauf nehmen. Das Pilotprojekt mit dem Namen Jura soll es Geschäftsbanken ermöglichen, Kreditgeschäfte, insbesondere im Handel, mit CBDC abzuwickeln.

Im Experiment sollen die Finanzintermediäre (Wholesale-CBDC) zur Abwicklung von grenzüberschreitenden Transaktionen getestet werden. Mit dieser Lösung wäre es auch dem Nicht-Banken-Sektor möglich, Zentralbankgeld bei Zahlungen in einer digitalen Umgebung zu verwenden.

Immer weniger Bargeld weltweit

Weltweit geht der Einsatz von Bargeld zurück, auch wenn hier in Deutschland das Bargeld nach wie vor sehr beliebt ist. Durch den Rückgang der Bargeldverwendung sehen sich immer mehr Zentralbanken veranlasst, die Ausgabe einer CBDC für Privatkunden zu prüfen.

So hätte die Öffentlichkeit weiterhin Zugang zu Zentralbankgeld, falls Bargeld vollständig verschwindet oder nicht mehr so leicht wie derzeit zugänglich ist.

Während in einkommensschwachen Ländern Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel eher an Bedeutung gewinnt, verzeichnen Experten in den Industrieländern einen starken Anstieg des kontaktlosen Bezahlens.

Die Pandemie und der hohen Anteil von Einkäufen über das Internet hat diesen Prozess noch beschleunigt.

Zahlungs-Infrastruktur neu aufbauen

Die Zentralbanken gehen offenbar davon aus, dass sich die Rolle von Bargeld mittelfristig weiter minimiert. CBDC sind also eine echte Alternative zu den derzeit stattfindenden Transaktionen zwischen Banken in Form von Überweisungen, Daueraufträgen, Debit- und Kreditkartenzahlungen sowie PayPal.

Für die breite Nutzung bedarf es aber einer Überarbeitung beziehungsweise dem Ausbau der bestehenden Zahlungsinfrastruktur. Die Zahlungen finden direkt am Point of Sale statt, was neue Funktionen notwendig macht.

Diese würden in einer Wallet, einer elektronischen Geldbörse, verankert und mit Mobilanwendungen, Karten oder Wearables steuerbar sein.

Die digitalen Zahlungsvorgänge stünden unter Aufsicht der Zentralbanken statt, was auch bedeutet, dass diese die Daten einsehen könnten. So lassen sich ungewöhnliche Zahlungsmuster erkennen, aber natürlich auch die gesamten Transaktionen überwachen.

Mehr Transparenz durch Wholesale-CBDC

Die Wholesale-CBDC ist speziell für den Großhandel konzipiert und erlaubt Zahlungen über verschiedene Plattformen hinweg. Diese wären tokenbasiert und mindern das Abwicklungsrisiko enorm.

BIS Innovation HUB CBDC
Quelle: www.bis.org/about

Zahlungen und Handlungsprozesse wachsen zusammen, was für mehr Sicherheit und Effizienz in den Prozessen sorgt.

Das jetzt angekündigte Experiment soll den digitalen Schweizer Franken mit dem digitalen Euro zusammenbringen, um dann grenzüberschreitend Geschäfte für Finanzinstrumente auf einer Blockchain abzuwickeln.

Die Schweizerische Nationalbank untersucht bereits im Rahmen des Projekts Helvetia die Abwicklung von Tokenized Assets mit Wholesale CBDC. Wir freuen uns darauf, diese Analyse durch die Teilnahme an dieser spannenden Initiative auf einen grenzüberschreitenden Kontext auszudehnen.

Andréa M. Maechler

Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank.

Auch Asien forscht an Wholesale-CBDC

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hongkong, Thailand und China arbeiten Zentralbanken an Projekten zur Wholesale-CBDC. Im Projekt der Multi-CBDC-Studie in Asien ist auch der BIS Innovation Hub involviert.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren Test mit der Monetary Authority of Singapore, Project Dunbar, für ein einziges verteiltes Ledger-System. Es soll grenzüberschreitende Multi-CBDC-Zahlungen von Geschäftsbanken vereinfachen.

Die Wholesale-CBDC ist nur für Transaktionen zwischen Finanzinstituten gedacht. Anders dagegen die Retail-CBDC, bei der Sofortzahlungen zwischen Konsumenten und Händlern erfolgen können.

Das Eurosystem engagiert sich für Innovationen und passt seine Handlungen dem starken Trend zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs an. Die Banque de France ist überzeugt, dass digitales Zentralbankgeld das Potenzial hat, maximale Sicherheit und Effizienz bei Finanztransaktionen zu gewährleisten.

Sylvie Goulard

Vizepräsidentin der Banque de France.

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Lukrative Geschäfte und neue Märkte

Die Zahlung über SIC, das Swiss Interbank Clearing, dauert derzeit zwei Tage. Hier ist also genug Potenzial, um die Effizienz zu steigern und natürlich den Banken neue Märkte einzubringen.

Selbstverständlich wollen sich die Notenbanken nicht das Zepter aus der Hand nehmen lassen und die Macht als zentrales Finanzinstitut behalten.

Und nicht zuletzt gibt es viel Geld zu verdienen, denn die Blockchain-gesicherten Transaktionen in Echtzeit, die den Euro gegen den Schweizer Franken in Form von Token tauschen, sind sicherlich nicht kostenlos und können so einen Teil der Entwicklungskosten tragen.

Es bleibt spannend, welcher Bank es dann am Ende tatsächlich gelingt, eine realtaugliche Lösung zu entwickeln, um zumindest die Wholesale-CBDC einzuführen. Auch die Weiterentwicklung des digitalen Euros ist überaus spannend.

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