Filecoin | Dezentrale Speichernetzwerk

Filecoin ist ein Blockchain Projekt, dass bereits seit einem Jahr auf dem Markt ist. Vielen ist es in erster Linie als dezentraler Datenspeicher bekannt, dabei kann die Plattform weitaus mehr, wie das neu vorgestellte Whitepaper enthüllt. Für Ethereum bedeutet das ein weiterer ernstzunehmender Konkurrent auf dem Markt.

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Die Hintergründe und Grundlagen

Filecoin ist ein dezentrales Speichernetzwerk. Die erste ICO wurde im Jahr 2017 abgehalten und gilt mit 257 Millionen US$ als eine der erfolgreichsten des Jahres. Das erste Whitepaper wurde bereits 2014 vorgestellt. Federführend dabei war Juan Benet, der gemeinsam mit Nicola Greco den Grundstein für das Projekt legte. Beide, sowie alle anderen Team Mitglieder, gehören zu Protocol Labs. Das Unternehmen ist in Sachen Peer-to-Peer Technologie sehr angesehen.

Die Filecoin Plattform fungiert als Cloud-Speicher und ist gleichzeitig ein auf Algorithmen basierender Marktplatz. Dieser Marktplatz läuft auf der Blockchain. Es ist ein Incentive Layer von IPFS. Diese Technologie stammt ebenfalls von Protocol Labs und kann im Wesentlichen als Distributed Web, also eine alternative zum HTTP angesehen werden. Der native Token der Plattform heißt ebenfalls Filecoin.

Die Nutzer von Filecoin können in drei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Clients: Sie zahlen Filecoin, um ihre Daten über die Plattform speichern und wieder abrufen zu können.
  2. Storage Miner: Sie nehmen an Filecoin teil, indem sie ihren Speicherplatz bereitstellen und Put-Anfragen bearbeiten. Sie bearbeiten die Put-Anfragen der Clients.
  3. Retrieval Miner: Gespeicherte Daten müssen auch wieder abgerufen werden. Dies wird durch die Retrieval Miner gewährleistet. Sie stellen die Daten bereit, die der Client über den Get-Request anfordert. Im Gegensatz zu Storage Minern müssen sie selbst keine Daten speichern oder die Speicherung direkt nachweisen.

Das ist gleichzeitig eines der besonderen Merkmale von Filecoin. Denn die Plattform arbeitet mit zwei verschiedenen Arten von Knoten. Andere Speichermodelle wie Storj oder Sia verwenden nur eine Art von Knoten, über die Daten gespeichert und wieder abgerufen werden. Die Abrufknoten sind dabei die Besonderheit des Systems. Sie müssen sich in der Nähe der Speicherknoten im Netzwerk befinden und brauchen eine hohe Bandbreite und geringe Latenz. Der Abrufknoten, der am schnellsten die angeforderte Datei für den Benutzer findet, wird bezahlt. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Nutzer in Ballungszentren mit vielen Speicherknoten in der Umgebung besonders erfolgreich sein werden. Derzeit befindet sich Filecoin in einer Testphase und erste Miner und Nutzer werden angeworben, um das Protokoll zu testen.

Filecoin nutzt besondere Konsens-Algorithmen

Jede Blockchain Anwendung ist darauf angewiesen eine Form des Konsens zu erreichen. Andernfalls wäre es nicht möglich eine Vertrauensbasis in einem dezentralen Netzwerk zu gewährleisten. Filecoin verwendet zwei Konsens Algorithmen, die sich von anderen Protokollen unterscheiden:

  1. Proof of Replication: Ein Client muss sicher sein können, dass seine Daten auch tatsächlich gespeichert wurden. Der verwendete Algorithmus ist eine neue Variante des Proof of Storage. Es soll zusätzlich sicherstellen, dass der Storage Miner auch tatsächlich einen eindeutigen physischen Speicher für die vom Client aufgegebenen Daten reserviert hat. Auch sogenannte Sybil-Attacks, in der ein Service, in diesem Fall der gleiche Speicherplatz, zweimal an den Nutzer verkauft wird, ist ebenfalls ausgeschlossen. Der Proof of Storage muss dabei nicht vom Client selbst durchgeführt werden, sondern das Netzwerk kann die Anfrage ebenfalls übernehmen, ohne die gespeicherten Daten direkt offen legen zu müssen.
  2. Proof of Spacetime: Der Client muss auch sicherstellen können, dass die Daten auch über einen längeren Zeitraum gespeichert werden. Der Proof of Spacetime stellt in regelmäßigen Abständen eine Anfrage, um zu überprüfen, ob die Daten weiterhin auf dem Server gespeichert sind. Dabei erfolgen die Anfragen zwar regelmäßig, jedoch nicht immer exakt zur selben Zeit, dadurch soll verhindert werden, dass der Dienstleister das System betrügen kann.
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Mehr als nur Datenspeicher

Bisher wurde Filecoin in erster Linie als dezentraler Datenspeicher verkauft. Dies war auch die erste Intention hinter dem Projekt. Die Entwickler wollten eine preisgünstige und effiziente Möglichkeit der Datenspeicherung ermögliche, die zudem dezentral und dadurch sicher vor einem Angriff oder Serverabsturz ist.

Mit dem Update des Whitepapers Anfang 2018, wurde jedoch ein neuer Absatz hinzugefügt. Die Plattform ermöglicht nun auch die Anwendung von Smart Contracts. Damit können Nutzer nicht nur Put- und Get-Requests stellen, sondern auch komplexere Programme entwickeln. Die Plattform bietet dabei zwei Contract Varianten an:

  • File Contracts: Hierbei handelt es sich um Smart Contracts, die die Speicherkonditionen zwischen Client und Miner regeln. So könnten beide Parteien individuelle Regeln und Preise festlegen.
  • Generic Smart Contracts: Nutzer können Smart Contracts auch generell, wie es bereits von anderen Plattformen wie Ethereum bekannt ist, verwenden. Es besteht also die Möglichkeit Programme auf Filecoin zu erstellen.

Filecoin geht dabei noch einen Schritt weiter und möchte über Bridges eine Verbindung zu anderen Blockchains erstellen. So könnte Filecoin Speicher zur Verfügung stellen für Nutzer von anderen Plattformen wie Bitcoin, Ethereum oder ZCash. Wie die Entwickler im Whitepaper schreiben, bieten diese Plattformen wenig Speicherplatz und sind sehr kostenintensiv. Sollte Filecoin dieses Projekt umsetzen, wäre es in der Lage eine Plattform wie Ethereum aufzubauen, mit erheblich mehr Speicherkapazität zu einem günstigeren Preis.